Lokale Kultur

Salto musicale

Musicalakrobatik von Gogol & Mäx

Dettingen. Beim Auftritt der beiden Musiker huscht ein Lächeln durch das Publikum: der eitle Pianist Gogol mit klassischem Tuchrock und Mittelscheitel und das unkonventionell-wilde Musikgenie Mäx mit wirrer

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Christine Moritz

Mähne und Hochwasserhose verzaubern das Publikum in Sekundenschnelle. Die beiden bieten in zwei Stunden ein Programm, das Seinesgleichen sucht: (fast) ohne Worte zetteln sie einen wilden Wettstreit um die Frage nach der Schönheit der Musik an. Veranstalterin des „Salto musicale!“, das in der ausverkauften Dettinger Schlossberghalle aufgeführt wurde, war die kultur ecce.

Die Musikakrobaten Gogol (Christoph Scheib) und Mäx (Max-Albert Müller) kommen aus dem Freiburger Umland. Das Duo steht bereits seit 1992 zusammen auf der Bühne und erwarb etliche Preise auf nationalen und internationalen Bühnen. Das Programm lebt vom Kontrast: Zunächst stellen die beiden Protagonisten einen personifizierten Gegensatz dar, der schärfer nicht ausfallen könnte: Gogol („piano solo!“) liebt die Hingabe an die klassische Form („concerto preludio numero uno!“) – aber Mäx macht sich einen Spaß daraus, sein eitles Gebaren mittels musikalischer Besserwissereien zu entlarven.

Zunächst ist die Vielfalt der Musikinstrumente zu nennen, die dem durchs Programm führenden Ausruf des Pianisten: „piano solo!“ entgegensteht: das Klavier (mit Fingern und Händen und Schlegeln und Kehrbesen bespielt im Stehen, in Bauchlage von oben, und sogar in Schräglage) fügt sich dabei – dank der kompositorischen Begabung des kreativen Mäx – bei allem deklamatorischen Streit klanglich auf wundersame Weise in Eins mit dem Alphorn, der klingenden Säge, dem Akkordeon oder auch einer umfangreichen „Rhythmusgruppe“ aus Kuhglocken, Schüsselharfe und Schrubberschlegel.

Die Instrumente sind zum Teil selbst hergestellt wie das „Glasxylofon“, teilweise beim Flohmarkt erstanden wie „die alte Predigerorgel“, aber auch Saxofon, Klarinette, Tuba und selbst eine feine Fiedel sind vorzufinden. Die theatralische Zitation großer klassischer Musikthemen vom Bachchoral über die Chopin-Etüde bis zum Beethoven-Rondo wird auf unnachahmliche Weise arrangierend und modulierend mit ungarischen und spanischen Tanzrhythmen, folk- loristischen Weisen oder stimmungsvollen Balladen in Verbindung gesetzt.

Ausgelassen wurden bei diesem Instrumentenkarussell also die Sprache und der Gesang – ein wahrlich heilsames Kontrastprogramm zur ansonsten von der Sprache beherrschten Welt. Keineswegs bietet das Komikerduo dem Publikum dabei lediglich Witz, Humor und Schnelligkeit: hinreißend gelang auch die Darbietung verträumter Musikimpressionen. Das dreifache Piano am Ende einer solchen Passage wird freilich nahtlos von einer ‚Kehrbesentocatta’ übernommen – wodurch die thematische Kontrastierung demnach auch auf der Ebene subtiler musikalischer Ausdrucksmittel in Szene gesetzt wird.

Nicht verwunderlich erscheint beim noch genaueren Hinhören, dass das Thema des Kontrasts vom professionellen Musikerduo auf feine Weise bis in die Ebene der Licht- (fokussierte Helligkeit versus Lichterschimmer) und Soundeffekte (leise Gitarrenakustik versus verzerrtem Elektroniksound), der pantomimischen und tänzerischen Elemente (Flamenco) sowie der Bühnengestaltung (Samtvorhang versus Bachbüste) und selbst der Requisiten geführt, und auf diese Weise selbst den anspruchsvollen Hörern im Publikum ein durchkomponiertes Musiktheater dargeboten wird.

Angesichts der Vielfalt der eingesetzten Mittel ist es erstaunlich, dass es dem Duo wie mühelos gelingt, das lachtränenüberströmte Publikum dennoch in einer wehmütig-heiteren Stimmung nach Hause zu entlassen.

Weitere Informationen unter: www.gogolmaex.de und www.kultur-ecce.de