Lokale Kultur

Salvador Dal¡ hat den Ministerpräsidenten schon als Schüler gefesselt

NÜRTINGEN Für Ministerpräsident Günther Oettinger ist sie ein "Lebensmittel", für seine Gastgeberin am gestrigen Sonntag in der Reuderner Galerie "Die Treppe" eine Garantin für die offene Gesellschaft. Für die Besucher der

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HEINZ BÖHLER

Vernissage einer faszinierenden Ausstellung von Grafik-Erzeugnissen des spanischen Malerfürsten des 20. Jahrhunderts, Salvador Dal¡, eher eine Augenweide. Zumal diese durch Arbeiten der beiden zeitgenössischen Künstler Michael Klebs und Stefan Noss eine nicht unwesentliche Bereicherung erfährt.

Schon als Schüler hätten ihn die Werke des wohl umstrittensten Malers des 20. Jahrhunderts gefesselt, gesteht der seit einem knappen Jahr amtierende Ministerpräsident Baden-Württembergs. Deshalb war es ihm ein besonderes Anliegen, sich für die Einladung bei Galeristin Brigitte Kuder-Bross zu bedanken. Neben der von ihm angesprochenen Konjunktur der staatlichen und kommunalen Museen betonte er den hohen Stellenwert, der den unterschiedlichen Privatinitiativen in Sachen Kunst, vor allem den Privatsammlungen und der Rührigkeit der Galeristen im süddeutschen Raum zukomme.

Nachdem Reuderns Ortsvorsteher, als Gast und Gastgeber in der "Treppe" von Anfang an dabei, Nürtingens CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Döpper als "halben Reuderner" begrüßt hatte, führte dieser seine enge Verbundenheit mit Nürtingen und den einheimischen Künstlern an, die, wie er sagte, ob ihrer überall vorzeigbaren Leistungen ihren Platz in der Galerie von Brigitte Kuder-Bross verdient hätten.

Besonders den Bildern von Stefan Noss bescheinigte Döpper "eine Intensität, deren Anziehungskraft man sich kaum zu entziehen vermag." Aber auch die Arbeiten von Michael Klebs haben es ihm offenbar angetan. Besonders dessen scharfblickende künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Missständen hätten ihn, so Döpper, vom ersten Augenblick an beeindruckt.

Auch Ministerpräsident Oettinger wies auf die Wichtigkeit einer öffentlichen wie privatwirtschaftlichen Förderung junger Talente im Land hin. Günther Oettinger schloss angesichts dessen seine Rede mit dem berühmten Valentin-Zitat, wonach die Kunst schön, aber vor allem sehr arbeitsintensiv sei, mithin vor allem der Galeristin und ihrem Team davon besonders viel "bis hin zum Aufräumen" abverlange.

Die Ausstellung selbst hatte außer dem Ministerpräsidenten auch so viele Kunstfreunde aus der näheren und erweiterten Region angelockt, dass es nicht immer einfach war, sich in den engen Räumen um die zentrale Metalltreppe herum zu bewegen. Doch gelohnt hat sich die Mühe allemal. Dal¡s Grafik ist zwar dem breiten Publikum bei weitem nicht so bekannt wie seine surrealistische Malerei. Dennoch dürfte auch für den nicht ganz so kunstgeschichtlich bewanderten Betrachter ein Besuch der Ausstellung lohnen.

Einige Arbeiten ähneln den "Caprichos" Francisco Goyas, die vor drei Jahren noch in der Stuttgarter Staatsgalerie zu bewundern waren. Allerdings hat der Nachfahre Dal¡ seine Grafiken mit Farben versehen und natürlich die Themen und Figuren variiert. In Farbholzschnitten finden sich Szenen aus Dantes "Göttlicher Komödie", und auf größeren Formaten sieht man zum Beispiel Früchte und Insekten im Stile der Merian'schen Stiche von Tieren und Pflanzen. Allerdings sind bei Salvador Dal¡ die Früchte rund und eckig durchbohrt, und die missgelaunte Raupe, die darunter ihrer Wege kriecht, macht einen ihrerseits bereits ziemlich angefressenen Eindruck.

Als "nicht ganz jugendfrei" waren einige der Drucke zu Beginn der Veranstaltung bezeichnet worden. Bei näherer Betrachtung vereinzelter Stücke mag man zwar Verständnis für diese konservative Einschätzung gewinnen, muss aber andererseits die Frage stellen, wo denn diese konservativen Kräfte waren, als es darum gegangen wäre, allzu großer Freizügigkeit, zum Beispiel in der Darstellung von Gewalt in Fernsehsendungen oder im Kino Einhalt zu gebieten. Eine so zart besaitete Kinderseele, die an dem in der "Treppe" Gezeigten Schaden nähme, dürfte nicht leicht zu finden sein.

INFODie Ausstellung in der Reuderner Galerie "Die Treppe" ist bis zum 2. März freitags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr zu besichtigen.