Lokale Kultur

Samuel Kummer geht was kommt danach?

KIRCHHEIM Wie geht es weiter mit der Kirchenmusik an der Martinskirche, wenn im Juli der an die Dresdener Frauenkirche berufene Bezirkskantor Samuel Kummer nach fünfeinhalb erfolgreichen Jahren

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WALTER GÖLZ

Kirchheim verlässt? Diese Frage bewegte die zahlreichen Teilnehmer der Mitgliederversammlung des Freundeskreises Kirchenmusik an der Martinskirche im Alten Gemeindehaus.

Vor fünf Jahren wurde der Freundeskreis Kirchenmusik an der Martinskirche gegründet, um auch in Zeiten knapper Etatmittel eine nach Inhalt und Ausführung qualifizierte Musik an der Zentralkirche des evangelischen Kirchenbezirks zu ermöglichen. Die Vorsitzende des Beirats, Dr. Ute Klapp-Weitbrecht, bedankte sich als regelmäßige Zuhörerin bei den engagierten Mitgliedern des Freundeskreises. Sie stellte die beachtliche Tatsache heraus, dass fast die Hälfte der Mitglieder des Freundeskreises aus aktiven Sängerinnen und Sängern des Chores der Martinskirche besteht, also aus Menschen, die ihre Zeit und ihre Begeisterung in den Dienst der Kirchenmusik stellen und weithin sogar die Noten größerer Werke selber bezahlen.

Sie gratulierte Samuel Kummer zu seiner Berufung und bezeichnete sie auch als für Kirchheim wichtige Entscheidung, die den Namen unserer Stadt in die Medien brachte, bedauerte aber andererseits, dass etwa die Konzerte des Ehepaars Kummer zu Beginn des Jahres in Guatemala City wohl aus Bescheidenheit völlig unbekannt geblieben sind.

Was die Zukunft betrifft, konnte sie mitteilen, dass die Stelle eines Bezirkskantors beziehungsweise einer Bezirkskantorin derzeit landes- und bundesweit ausgeschrieben sei, sodass mit einer Entscheidung über die Neubesetzung der Stelle Anfang Juli zu rechnen ist.

Samuel Kummer ließ noch einmal die Konzerte des vergangenen Jahres Revue passieren, unter denen das gemeinsam mit dem Schwäbischen Kammerorchester und hervorragenden Vokalsolisten aufgeführte Oratorium "Paulus" von Felix Mendelssohn-Bartholdy einen Höhepunkt bildete. Auf der anderen Seite betonte er das erfreuliche Echo der schon seit 1982 angebotenen "Orgelmusiken zur Marktzeit" mit zumeist jungen, hoch qualifizierten Künstlerinnen und Künstlern. "Das Herz der Kirchenmusik schlägt hier", lautete sein begeisterter Kommentar.

Für die Zukunft konnte Samuel Kummer ein breites Programm vorstellen: Am Sonntag, 24. April, um 19 Uhr wird er sich als Konzertorganist mit einem letzten Konzert verabschieden, in dessen zweitem Teil dem vor allem um seiner Improvisationsgabe willen nach Dresden berufenen Organisten Themen aus dem Publikum genannt werden dürfen.

Am Samstag, 4. Juni, wird eine Künstlergruppe aus Minsk in Weißrussland exquisite Musik des Barock darbieten. Ein "Wandelkonzert" am Sonntag, 12. Juni, mit der Gruppe "Concerto Imperiale" um Bernhard Moosbauer veranstaltet vom vhs-Kulturring wird in der Schlosskapelle beginnen und in die Martinskirche führen, unter anderem mit der Kantate "Jauchzet Gott in allen Landen" von Johann Sebastian Bach.

Der konzertante Höhepunkt für 2005 ist für Sonntag, 19. Juni, zum Gedenken des 60. Jahrestags des Kriegsendes und zugleich als Abschiedskonzert von Samuel Kummer geplant. Der Chor der Martinskirche wird zusammen mit der "arcademia sinfonica" aus Tübingen und fünf Vokalsolisten die "Psalmensymphonie" von Igor Strawinsky aufführen, sowie als Kirchheimer Erstaufführung das 1944 vom Schweizer Rundfunk für das erhoffte Kriegsende in Auftrag gegebene und 1945 in Genf uraufgeführte und sehr selten zu hörende Oratorium "In Terra Pax" von Frank Martin mit Texten aus den Psalmen, dem Propheten Jesaja und der Offenbarung des Johannes zweifellos ein äußerst eindrückliches Werk.

Die Reihe "Orgelmusiken zur Marktzeit" bis Ende August jeweils samstags um 11 Uhr wird am Samstag, 9. Juli, eröffnet durch Bernhard Moosbauer, Sabine Bruns und Ernst Leuze mit Violinsonaten des 17. und 18. Jahrhunderts. Einen besonderen Leckerbissen anderer Art verspricht am Sonntag, 31. Juli, unter dem Titel "Horn and Pipe" ein Konzert mit Jazz für Saxofon und Orgel.

Der Reutlinger Knabenchor "capella vocalis" singt am Sonntag, 23. Oktober, barocke und romantische Werke. Schließlich wird wieder als Kirchheimer Erstaufführung am Samstag, 19. November, das Requiem des ungarischen Komponisten Frigyes Hidas in der Kirchheimer Martinskirche aufgeführt. In dem vom Kulturring veranstalteten Konzert musizieren die Stadtkapelle Kirchheim und die Stuttgarter Choristen.

Nach diesem musikalischen Ausblick legte Kirchenpfleger Bernd Kemmner die Jahresrechnung vor und bedankte sich bei den Mitgliedern für die Spenden zu Gunsten der Kirchenmusik, ohne die die vielseitigen Konzerte des vergangenen Jahres nicht hätten finanziert werden können. Im Anschluss an die Versammlung wurden alle Anwesenden noch von Kantor Samuel Kummer zu einem exklusiven Orgelkonzert in die Martinskirche eingeladen, das musikalische Laien und Fachleuten, gleichermaßen begeisterte.