Lokale Wirtschaft

Scheufelen streicht weitere 110 Arbeitsplätze

Der Arbeitsplatzabbau bei Scheufelen geht weiter. Bis zum Jahr 2006 soll die Belegschaft der Oberlenninger Papierfabrik von 840 auf 730 Mitarbeiter reduziert werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen rund 150 Stellen gestrichen.

FRANK HOFFMANN

Anzeige

"Um im Wettbewerb der Papierindustrie bestehen zu können, ist eine Straffung des Sortiments und eine Vereinfachung der Prozesse notwendig", teilten Geschäftsführung und Verwaltungsrat des Traditionsunternehmens den Mitarbeitern gestern in zwei außerordentlichen Betriebsversammlungen mit. Die Folge ist ein weiterer Arbeitsplatzabbau. Innerhalb von nur drei Jahren wird damit die Personalstärke von 980 Mitarbeitern im Jahre 2003 auf 730 im Jahre 2006 schrumpfen.

"Der starke Konkurrenzdruck in der Papierindustrie", so Dr. Ulrich Scheufelen gestern Abend, "zwingt uns leider zu diesem Schritt." Auf Grund von Überkapazitäten bei Herstellern hochwertiger Papiere sieht sich das Oberlenninger Unternehmen mit einem anhaltenden Preisdruck konfrontiert, der jetzt zu einer nochmaligen Anpassung des Personals zwinge. "Zwar läuft der Absatz inzwischen wieder recht ordentlich, aber wir können nicht die notwendigen Preise erzielen", sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Oberlenninger Unternehmens.

Ziel der Restrukturierung ist es, mit dünnerer Personaldecke mehr zu produzieren. Dazu soll das Sortiment deutlich reduziert und die Produktion vereinfacht und gestrafft werden. Betroffen von dem neuerlichen Personalabbau werden voraussichtlich 110 Mitarbeiter "quer durch den gesamten Betrieb" sein. Um die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen möglichst klein zu halten, sollen alle Möglichkeiten wie Altersteilzeit und Übergang in die Altersrente ausgeschöpft werden. Für mindestens die Hälfte der Betroffenen, so Scheufelen, kommen solche Lösungen in Betracht. Den restlichen Mitarbeitern wird der Übergang in die bereits bestehende Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft angeboten. Keine Kürzungen wird es bei der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter geben. Die Zahl der Ausbildungsplätze soll im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht erhöht werden.

Dr. Scheufelen ist überzeugt, dass mit diesem Einschnitt die volle Wettbewerbsfähigkeit der renommierten Firma wieder hergestellt werden kann. "Ziel ist es, die Selbstständigkeit des Familienunternehmens, das im kommenden Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, zu erhalten."

Für den Betriebsratsvorsitzenden Kurt Holzweiß ist dieser zweite massive Stellenabbau innerhalb kürzester Zeit "ein schwerer Schlag" und nicht nur die Folge der harten Konkurrenz auf dem Papiermarkt: "Wir dachten, dass wir mit dem im vergangenen Jahr abgeschlossenen Sozialplan wieder sorgenfrei in die Zukunft blicken können." Leider habe aber die Geschäftsleitung nicht alle Hausaufgaben gemacht, sieht Holzweiß die neuerliche Misere neben dem Preiskampf auch in Managementfehlern begründet. Die Bereinigung des Sortiments oder die Optimierung der Produktionsabläufe seien beispielsweise seit langem Thema. Entscheidende Veränderungen habe es aber nicht gegeben. "Es gab keine zielgerichteten Investitionen", kritisiert Holzweiß.