Lokale Kultur

Schneiden, waschen, legen

Die A-cappella-Gruppe „Salt Peanuts“ begeisterte im Lindorfer Bürgerhaus

Kirchheim. Eine überzeugende Generalprobe im Kreis neu gewonnener Freunde absolvierten die Mitglieder der A-cappella-Gruppe „Salt Peanuts“ bei ihrem Gastspiel im Lindorfer Bürgerhaus. Nachdem sie das

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Wolf-Dieter Truppat

von Anfang an begeistert mitgehende Publikum mit ihrem bewährten „Wir tun’s – Immer und überall“ auf die entsprechende Betriebstemperatur gebracht hatten, gewährte das Ensemble im Zugabenblock vielversprechende Einblicke in sein neues Programm „3:1 – unentschieden“, das es am Sonntag, 25. Oktober, im Stuttgarter Renitenztheater aus der Wiege heben wird.

Erfährt das Publikum gemeinhin frühestens erst knapp vor der ersten freundlich gewährten Zugabe, wie die einzelnen Akteure eines angebotenen Abends auf der Bühne heißen, verbanden die dem Publikum kräftig einheizenden drei Damen und ihr „Alibi-Mann“ mit dem gesungenen Bekenntnis zum dauernden Saunieren auch gleich eine elegante Vorstellungsrunde.

Ab da hatte man das angenehme Gefühl, mit alten Bekannten zusammen zu sein und erfuhr im Lauf der Veranstaltung auch noch, wer mit wem verwandt ist, wer bei wem Gesangsunterricht genommen hat und vor allem auch, dass die drei weiblichen „Erdnüsse“ einen pädagogisch vorgebildeten „Quotenmann“ in ihrer verschworenen Runde nicht nur dulden, sondern ihn sogar auch noch nett finden.

Das angestrebte A-cappella-Erlebnis hatte anfangs schließlich eine entscheidende Lücke, die es zu füllen galt. Susanne Schempp ist erfahrene Arrangeurin und Mezzo-Sopranistin. Ihre mit üppigen Locken daherkommende „kleine Schwester“ Anette Heiter ist eine Altistin, die bei ihrer souverän beherrschten Leidenschaft fürs Texten ihrem Namen alle Ehre macht, ihre Bandbreite aber tatsächlich „von schreiend komisch bis verletzend zart abdecken kann.“ Nachdem sich Susanne Häussermann 2006 von dem Ensemble verabschiedete, um künftig als Solistin oder in Begleitung von Fabian Schläper durch die Gegend zu touren, setzten die beiden kampferprobten und ironieresistenten Schwestern nach dem Motto „Blond, na und?“ mit Neuzugang Dorothee Götz auf eine wunderbare Sopranstimme, die sich auch lautstark in den „Niederungen des Jazz“ behaupten kann und einst Peter Herbolzheimer so begeisterte, dass er sie in das Bundes-Jazz-Orchester holte.

Da einer so stimmigen und zumindest musikalisch sehr harmonischen Besetzung die Stimmlage Bass-Bariton fehlt, musste diese Position einst umgehend so flächendeckend und geschlechtsneutral wie möglich ausgeschrieben werden. Auch wenn die drei „Ausloberinnen“ des dennoch etwas unfairen Wettbewerbs versichern, bei gleicher Eignung hätten sie eine Frau eingestellt, machte Bass-Bariton Patrick Bach damals das Rennen. Er hatte nun einmal Zeit und brachte auch die grundsätzliche Fähigkeit mit, an langen Teestunden teilzunehmen und auch nicht enden wollende Gespräche über Gefühle unbeschadet zu überstehen.

Dass der gelernte Pädagoge nicht nur drei Kolleginnen erfolgreich umgarnen, sondern auch das Publikum motivieren kann, ihm auf Zuruf zu folgen, wurde überzeugend demonstriert. Zunächst musste er freilich ein männerfeindliches Lied ertragen, in dem es vor allem nur darum ging, dass der Lebensabschnittspartner endlich weg ist und damit auch die Haare in der Dusche und die Socken unterm Bett.

Die vier Akteure von „Salt Peanuts“ spielten souverän mit ihrem Publikum. Nach anfangs eingefordertem Schnippen und rhythmischem Klatschen erkämpften sich die Besucher die eine um die andere Zugabe.

Zuvor hatte der angeblich so unterdrückte Patrick Bach die Chance genutzt, das begeisterungsfähige Publikum zu Höchstleistungen zu motivieren. Im Blick auf den blonden Engel „Doro“ steckte er knallhart klare Grenzen für sie ab: Gesangskarriere oder aber Friseurlehre. Das folgende Lied über das „Fräulein Gaby“, das wöchentlich besucht wird – und das vielleicht aus ganz anderen Gründen als dem begeistert mitgesungen und mit entsprechenden Gesten kollektiv gefeierten „Schneiden, waschen und legen“ – war sicherlich einer der Höhepunkte des Programms.

Von „einer schweren Kindheit“ in Helmstadt geprägt, tat sich Patrick Bach nach eigenem Bekunden schwer, gegen die aus Plochingen und Rechberghausen kommenden und dem Publikum damit geografisch deutlich näheren Kolleginnen anzusingen. Gnadenlos nutzte er daher die ihm verbleibende Chance, darauf aufmerksam zu machen, dass sich unter ihnen zwei gelernte Jazz-Musikerinnen befinden, deren Studium an öffentlichen Hochschulen von den Steuergeldern des Publikums subventioniert wurde.

Dass dieses Geld gut angelegt war, wurde dann aber nachhaltig belegt. Während Popmusik mit drei Akkorden auskomme, um musikalisch „die ganze Wahrheit“ zu sagen, zeigte der stimmgewaltige Auftritt zum Thema „Jazz ist gar nicht tot“, dass in diesem Genre tatsächlich mehr gefordert wird. Jazz-Röhre „Doro“ konnte dabei gleichzeitig beweisen, dass sie mehr kann, als nur blond zu sein und – wenn überhaupt – dann nur altersbedingte Defizite zu haben.

Sie kann schließlich kaum wissen, dass „Hop Sing“ keine Aufforderung zum Singen, sondern der Name des Kochs aus der legendären Fernsehserie „Bonanza“ ist. Dass Rosi Mittermaier nicht die Oma von Comedian Michael Mittermaier ist, müsse ihr genauso fremd sein wie das Wissen darum, wie einst mit Wählscheibentelefonen wohl erfolgreich SMS-Nachrichten verschickt wurden...

Um die Männerquote wieder etwas ins Lot zu bringen, wurde „Opfer“ Thomy aus der ersten Reihe gnadenlos mit ins Boot genommen, um ihm zu verkünden, dass man ihn zum Fressen gern habe, von dem nach Schnippeln und Pürieren vorgesehenen Pilzgericht aber doch nicht kosten werde, weil der dabei verwendete Knollenblätterpilz dabei doch etwas zu schwer im Magen liegen könnte...