Lokale Wirtschaft

Schulbank gedrückt

Gut ausgebildete Computerexperten sind gefragt. In den straffen Lehrplänen der Schulen bleibt für Informatik-Unterricht aber nur wenig Raum. In Esslingen springt deshalb seit 1996 die Fachhochschule für Technik (FHTE) in die Bresche und bietet Schülern spezielle Kurse an. In der letzten Ferienwoche drückten 18 Jugendliche die Schulbank.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Esslinger Modell nennt sich das Kooperationsprojekt zwischen der FHTE und den Schulen. "Wir wollen junge Leute für technische Berufsfelder motivieren, damit muss man schon in der Schulzeit beginnen", erklärt Professor Reinhard Keller. Die Schulen stoßen da jedoch an Grenzen: "Bei uns lernen die Schüler Anwendungen wie Word oder Excel, doch für die Vermittlung einer Programmiersprache bleibt kaum Zeit", erzählt Lehrer Wolfgang Zeh vom Esslinger Schelztor-Gymnasium. Dafür bietet nun die FHTE jedes Jahr einen Informatik-Grundkurs für Zwölftklässler, der später auch im regulären Schulzeugnis auftaucht. Und auch die Programmierkurse in den Sommerferien sind fester Bestandteil der Zusammenarbeit.

Statt ins Freibad ging es in der vergangenen Woche für 17 Jungen und ein Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren in den Hörsaal. Jeweils von 9 bis 16 Uhr sind sie fünf Tage lang ins Hochschulzentrum gekommen, um die Programmiersprache C++ zu lernen. "Ich arbeite zu Hause viel am Computer, jetzt wollte ich auch mal wissen, wie das alles funktioniert", erklärt der 16-jährige Benjamin Joachim Kafka seine Motivation. Der 17-jährige Bertram Müller und seine vier Freunde sind zwar schon fast Computerexperten, brauchen aber noch Kenntnisse in dieser Programmiersprache, um an einem Technikwettbewerb teilnehmen zu können.

Gelernt haben sie dies zwar an der Hochschule, aber nicht von ergrauten Professoren, sondern von fast gleichaltrigen Lehrern. "Es ist besser, wenn der Abstand zwischen Tutoren und Kursteilnehmern nicht zu groß ist", weiß Reinhard Keller. Die Lösung hat der Professor in der eigenen Familie gefunden: Sein 18-jähriger Sohn Roman und zwei seiner Freunde vom Kirchheimer Schlossgymnasium stellten sich als Tutoren zur Verfügung. Um für diese Rolle fit zu sein, haben sich die drei jungen Computerfreaks drei Wochen lang im Steinbeis-Transferzentrum vorbereitet und mit den FH-Professoren ein 70-seitiges Begleitskript für die Kursteilnehmer zusammengestellt. Auch den Nachwuchspädagogen hat das Seminar Spaß gemacht: "Wir hätten den Kurs locker auf zwei Wochen erweitern können", sagt Tutor Dominik Bruhn. Zumindest der Grundstein sei bei den Nachwuchsprogrammierern nun gelegt.