Lokale Kultur

Schutt und Bleiplomben

KIRCHHEIM Töpfereischutt in der Dettinger Vorstadt, zwei Bleiplomben mit der Aufschrift "etselinga" und mittelalterliche Siedlungsreste beim Spitalhof in Altdorf: Immer wieder tritt die Frühgeschichte, oft überraschend und zufällig, zutage. Dies ist auch im Landkreis Esslingen so, wo die Archäologen in Kirchheim, Esslingen und Altdorf im vergangenen Jahr fündig wurden.

Anzeige

Ausführlich beschrieben und illustriert werden die Grabungsobjekte in dem jetzt erschienenen Buch "Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2004" im Theiss-Verlag. Der Band stellt in 76 Beiträgen mit 260 Fotos, Plänen und Zeichnungen interessante Funde vom Bodensee bis Mannheim dar und eröffnet Einblicke in eine bis dato verborgene Welt.

In Kirchheim in der Dettinger Straße wurde unter und neben zwei Häusern beim Ausbaggern überraschend über 300 Kilogramm Töpfereiausschuss gefunden, der um und nach 1500 datiert. Gefunden wurden Tonfragmente von Tapetenkacheln, zierliche Tellerkacheln, Viereckkacheln, das Bruchstück eines Models sowie Spezialgefäße, steilwandige Becher und Krüge. Geschichte, die Fundstellen und das Material beschreibt der Kirchheimer Museumsleiter Rainer Laskowski gemeinsam mit Dr. Uwe Gross vom Landesamt für Denkmalpflege.

Auch in Esslingen-Sulzgries und bei einer Burg auf der Schwäbischen Alb trat Verborgenes zutage: zwei Bleiplomben, auf deren Vorderseite ein Adler abgebildet ist. Ihre Lokalisierung nach Esslingen ergibt sich aus der gotischen "etselinga"-Inschrift auf der Rückseite, die in die Zeit vor 1500 datiert wird.

Bleiplomben dienten in erster Linie zur Kennzeichnung der Qualität und Herkunft von Tuchen und Stoffen, wurden aber auch sonst als "Verschluss" von Waren und Gütern verwendet.

Beim Bau eines Bürgerzentrums im Bereich des ehemaligen Hauses Spitalhof 1 in Altdorf wurden Siedlungsreste des 12. und 13. Jahrhunderts geborgen. Dabei handelt es sich um Geschirr- und Ofenkeramik. Der Name Spitalhof leitet sich übrigens vom Spital der Stadt Kirchheim ab.

Das bekannteste Grabungsfeld im hiesigen Raum liegt unweit der Kreisgrenze auf der Albhochfläche das spätkeltische Oppidum Heidengraben. 15 Jahre nach Beendigung der Grabungsarbeiten am Burrenhof wurde auf der Vorderen Alb erneut gebuddelt. Im Spätsommer 2004 bargen Mitarbeiter der Außenstelle Tübingen des Landesdenkmalamtes im Rahmen von Notgrabungen insgesamt vier Bestattungen aus der Hallstattkultur.

rum

INFODie "Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2004" werden herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Verbindung mit den Fachreferaten für Denkmalpflege in den Regierungspräsidien, dem Archäologischen Landesmuseum, der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern und dem Förderkreis Archäologie in Baden. Zusammengestelltwurden die "Archäologischen Ausgrabungen" von Jörg Biel. Erschienen ist der Band im Konrad Theiss Verlag Stuttgart.