Lokale Kultur

Schwaben und Polen friedlich vereint

KIRCHHEIM Es ist kein leichtes Unterfangen, Schwaben und Polen in einem lustigen Theaterstück angemessen darzustellen. Aber Unterhaltsames und Comedy lebt nun mal vom Klischee; was wäre der Schwabe

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RAINER STEPHAN

ohne seine Sparsamkeit und die Kehrwoche? So gesehen, haben es Regisseur und Darsteller gut verstanden, die jeweiligen Eigenheiten amüsant darzustellen und ein sympathisches Bild der drei beteiligten "Polen" zu zeichnen.

Das originelle Bühnenbild für das Stück "Guade Lüge lebet länger" ließ nichts vermissen. Der Not gehorchend, wurde ein schwäbisches Esszimmer in den Empfangs-, Büro- und Lagerraum einer Kfz-Werkstätte umfunktioniert. Dort spielte sich das Geschehen ab: Schlecht gehende Werkstatt, in der ein polnischer Schwarzarbeiter beschäftigt ist. Und ein zum Nulltarif wohnender Untermieter, der mit seinen ständigen Erfindungsbemühungen das Seine dazu tut, dass stets Ebbe in der Kasse herrscht. Abhilfe könnten nur ein Darlehen der Bank und der Erwerb des anliegenden Gemeindebauplatzes schaffen.

Der zu Hilfe gerufene Bankvorstand Dr. Profitlich und die eloquente Bürgermeisterin lassen jedoch die Handwerkerfamilie ihre ganze Hochnäsigkeit spüren. Zu allem Unheil tritt auch noch die Fahnderin vom Arbeitsamt ständig auf den Plan. Der umtriebige Erfinder Matthias Mueller herrlich gespielt von Walter Horvath gibt dem Geschehen durch eine Verwechslung einen anderen Verlauf. Eine beim Patentamt registrierte Erfindung, die irrtümlicherweise dem Geschäftsinhaber zugerechnet wird, löst bei Bankvorstand und Bürgermeisterin einen fest implantierten Reflex aus: Habgier.

Die Spielszenen wurden durch kleine Besonderheiten immer wieder bereichert. So wirkte der Besucherstuhl mal heiß, mal kalt oder per Elektroschock auf die darauf Sitzenden, gerade eben so, wie er vom Erfinder programmiert wurde. Und das vom pfiffigen Schwarzarbeiter Kasimir beim Bankvorstand "ausgeliehene" Handy musste immer wieder für kostengünstige Gespräche in die polnische Heimat oder zu osteuropäischen Geschäftspartnern herhalten.

Die interessante Geschichte nimmt letztendlich ihren gerechten Verlauf. Der getäuschte Bänker zahlt für seine Gier und muss dem geplagten Werkstattbesitzer den Kredit zukommen lassen. Zudem animiert er die befreundete Bürgermeisterin, das Grundstück dazuzugeben.

Die aus Polen unerwartet herbeigeeilten Tanten von Kasimir verstärken zwar die Deftigkeit der Sprache, lassen jedoch auch die bisher unerwiderte Liebe der Postbotin für Kasimir zu einem glücklichen Ende kommen.

Die Städtleskomede Neuffen e.V. hat sich mit ihrem soliden Auftritt in der Kirchheimer Stadthalle in die Herzen der zahlreichen Zuschauer gespielt. Es war schwäbisches Volkstheater pur, das fetzig daherkommt, Mentalitäten auf die Schippe nimmt und menschliches Verhalten liebevoll überzeichnet. Die am Ende des Programmhefts suggerierte Antwort auf die Frage nach dem Eindruck für das neue Stück trifft zu: "Wia em Leba eba!"