Lokale Kultur

Schwarzer Humor augenzwinkernd vorgetragen

KIRCHHEIM Die Allroundkünstlerin Christiane Maschajechi hat in Kirchheim eine richtige Fangemeinde. Die hat sie sich erarbeitet. Das

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ULRICH STAEHLE

Kirchheimer Publikum kennt Christiane Maschajechi seit Jahren von ihren Gastspielen, vor allem beim Sommerprogramm der Stadtbücherei. Dabei hat sie die von Natur aus karge Gattung der Lesungen mit immer opulenteren optischen Elementen ausgestattet.

Bei ihrem "Gruselett" mit dem Titel "Grüße aus der Gruft", dem vierten und letzten Teil des Sommerprogramms der Stadtbücherei "Gänsehaut und Nervenkitzel", hatte sie ausgiebig Gelegenheit dazu: In einem feuerroten Kleid, in einen schwarzen Mantel gehüllt und mit blinkenden Hörnern auf der Stirn schreitet sie als Teufelin die Büchereitreppe hinab, besteigt das kleine Podest und meditiert über das Elend der Hölle: Das normale Leben ist höllisch genug.

Ein Teufel ist sogar in die USA zum Regieren geschickt worden. Hoppla. Die Zuhörer wissen nun, dass bei den bevorstehenden Texten Verständnis für schwarzen Humor nötig ist. Nachgeschlagen hat Christiane Maschajechi bei Heinz Erhardt, Joachim Ringelnatz, Robert Gernhardt und Thaddäus Troll, um bekannte Namen zu nennen. Als wacher Geist greift sie auch ganz aktuelle Texte auf, zum Beispiel einen Zeitungsbericht dieses Jahres: Es gibt die Möglichkeit, sich die Asche Verstorbener zu einem Diamanten pressen zu lassen. Wer will, kann also einen Verstorbenen am Ringfinger durch die Gegend tragen. Schwarzer Humor ist auch empfehlenswert, wenn es darum geht, wie sich wer am besten und "delikatesten" umbringt. Das klingt finster. Doch trotz der Themen Verbrechen und Tod ist das Publikum amüsiert und bleibt in fröhlich-glucksender Grundstimmung.

Das ist nur möglich, wenn die Texte doppelbödig sind und sozusagen dem Humor eine Hintertür offen lassen und wenn sie so augenzwinkernd vorgetragen werden wie von Christiane Maschajechi. Ihre Körpersprache beim Lesen ist sparsam, aber präzise eingesetzt. Das ist gerade dann fruchtbar, wenn es darum geht, bei einem gruseligen Text durch eine Gebärde das Publikum bei Laune zu halten.

Kurz vor Schluss schiebt sie noch einen Text ohne Abfederung ein: Robert Musils "Fliegenpapier", der das Sterben in brillanter, aber unbarmherziger Weise schildert. Die Vorleserin spürt sofort den Heiterkeitsabfall: "Jetzt muss ich Sie wieder hochziehen." Das geschieht auch alsbald bei der Zugabe den Grabsprüchen aus Bayern. Damit ist die direkte Überleitung zum begeisterten Dank des Publikums an seinen Liebling gegeben.

Nächstes Jahr wird beim Sommerprogramm der Stadtbücherei ab 11. August kein schwarzer Humor nötig sein. Die Leiterin Ingrid Gaus kündigte ein "romantisches" Thema an: "Von der Muse geküsst".