Kirchheim

Schwer bewaffnet

Kirchheimer Wollmarkt 2012 Stricken

Foto: Genio Silviani

Da staunte die junge Kollegin nicht schlecht: Seit Monaten pendelt sie in der S-Bahn zwischen Stuttgart und Kirchheim, nutzt die Reisezeit mal lesend, mal träumend, mal Musik hörend – und eines Tages auch mal strickend. Doch damit kam sie nicht weit. Kaum hatte der Zug die Landeshauptstadt verlassen, näherte sich ein älterer Herr; nicht in böser Absicht, aber dennoch mit hoch erhobenem Zeigefinger. „Junge Frau, was sie da tun, ist im Zug verboten!“ machte er der friedliebenden Zeitgenossin unmissverständlich klar. Stricknadeln könnten im Bremsfall flugs zu todbringenden Waffen mutieren.

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VVS-Pressesprecherin Pia Karge kann sich da das Lachen kaum verkneifen und verweist auf Paragraf 4 der Beförderungsbedingungen, wonach „Sicherheit und Ordnung“ gewährleistet sein müssen. Stricken? Fehlanzeige! Nicole Knapp von der Deutschen Bahn betont sogar keck: „Bei uns ist Stricken erlaubt – und zwar in allen Farben!“

Der penible Herr in der S 1 kann wahrlich froh sein, dass die Kollegin auf Harmonie bedacht war. Reumütig packte sie umgehend ihr Strickzeug weg. Wohl wissend, über weit effektivere Waffen als Stricknadeln zu verfügen. Den Füller mit scharfer Feder beispielsweise oder auch, ganz einfach: das Wort!