Lokale Kultur

Sechs Meister ihres Fachs entfesselten ein wahres Tonfeuerwerk

KIRCHHEIM Wer im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kunst und Kultur am Schloss" das heißeste Trommelfeuer seit der Erfindung des Telefons sehen und hören wollte, musste vom malerischen Marstallgarten-Ambiente in die regensichere Kirch-

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HEINZ BÖHLER

heimer Stadthalle flüchten, wohin die Macher von "Kunst und Kultur" zusammen mit den Musikern der Percussion-Truppe "Buschfeuer" um Hermann Kathan und den indonesischen Superdrummer Nippy Noya vor den Unbilden des Wetters ausgewichen waren.

Hermann Kathan Buschtrommel Trommelfeuer, ein Begriffs- und Namenstrio, das es in sich hat. Trommeln jeglicher Art und Herkunft warteten zu Beginn der Veranstaltung auf Schlegel, Sticks und Hände. Doch der Chef des Ganzen, Hermann Kathan, begann zunächst mit dem percussiven Schlagen der geteilten Sehne eines Musikbogen. Ein vor dem Bauch des Spielers hin und her bewegter Resonator bot dabei eine weitere Möglichkeit, die Töne zu variieren.

Zu Hilfe eilten ihm als erstes die beiden Gast-Stars des Abends. Mit Nippy Noya aus Indonesien stand einer der renommiertesten Percussionisten der Welt auf der Bühne und wirbelte mit allem was Rhythmus macht, wie ein Weltmeister. Den melodischen Reiz des von insgesamt sechs Musikern abgebrannten Tonfeuerwerks steuerte der aus Süddeutschland stammende Jazz-Saxofonist Büdi Siebert bei, der aber zunächst einer archaisch anmutenden Holzquerflöte Töne entlockte.

Nach und nach kamen auch Kathans ständige Co-Feuerwerker Norbert Schubert, Roberto D'Agostino und Andreas Molino auf die Bühne, um sich die Zeit mit irgendwelchen Trommeln und deren Fellen zu vertreiben und davon gab es sehr viele. Die ganze Bühne war übersät von Congas, Tomtoms, Djemeben, Steel-Drums, Timbales und jawohl auch ein fast konventionelles Drum-Set hielt sich verschämt im Hintergrund bei so viel exotischerer Konkurrenz.

Was dann folgte hatte überhaupt nichts mit der üblichen Langeweile zu tun, die sich während des obligatorischen Schlagzeugsolos irgendwelcher Rockbands einzustellen pflegt. Bei Hermann Kathans gemeinsam mit Nippy Noya und Büdi Siebert entfesseltem "Busch-Werl" waren tatsächlich sechs Meister ihres Faches am Werk und machten jeden Versuch, das Buschfeuer etwa zu löschen, schon im Ansatz zunichte. Im Gegenteil: Sie gossen ständig Öl in die Flammen, die in den diffizilsten Rhythmen gegen die Decke und in den Saal zuckten.

Insbesondere Nippy Noya stellte beim Percussion-Abend in der Kirchheimer Stadthalle seine Klasse unter Beweis mit ungeheuer fantasiereichen Figuren, die er seinen Congas und Timbales entlockte. Mit rasender Geschwindigkeit gespielte Wirbel ließen Andreas Molino nicht allzu viel Zeit, sie entsprechend zu beantworten, während sich Norbert Schubert und Hermann Kathan aufregende Djembe-Duelle lieferten.

Das Publikum raste, während Büdi Siebert mit seinem Blasinstrument eine Ton-Kaskade nach der anderen auf es hereinprasseln ließ wie einen leicht kühlenden Wind. Den Glanzpunkt des mitreißenden Percussion-Abends in der Kirchheimer Stadthalle setzte die Band am Ende der Show mit dem über zwanzig Minuten langen Titelstück ihrer aktuellen CD "Drums below Ashes". Zugabe? Aber sicher, und Hermann Kathan lieferte die Begründung dafür gleich mit: "Schließlich sind wir Musiker". Und was für welche . . .