Lokale Kultur

Signaturen innerer Vorgänge

Werke von Paul Pollock sind derzeit im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus zu sehen

Paul Pollock führte die Gäste der Ausstellungseröffnung selbst in sein Werk ein.Foto: Markus Brändli
Paul Pollock führte die Gäste der Ausstellungseröffnung selbst in sein Werk ein.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. „Borders – lost and found“: Unter diesem Titel stellt derzeit der in Freiburg lebende Maler Paul Pollock seine Werke im ersten

Anzeige

Florian Stegmaier

Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus aus. Als gebürtiger Aus­tralier, der seit vierzig Jahren in Europa mit dem deutschen Sprachraum verbunden ist, weiß der Künstler um die feinen Nuancen beider Sprachen. „Borders“ – so sein Empfinden – vermittelt mehr, als es das strikte Wort „Grenze“ kann, auch die Möglichkeit von schwellenartigen Übergängen zwischen verschiedenen Sphären, worauf sich das angesprochene Wechselspiel von Verlieren und Finden im zweiten Teil des Titels bezieht.

Somit weist der Ausstellungstitel auf innere Erlebnisse hin, die einerseits der Maler während seines Schaffensprozesses erlebt haben mag, die aber auch der Betrachter im Gegenüber mit den Exponaten individuell nachvollziehen kann. Pollocks motivisches Spiel mit elementaren Qualitäten von Erde, Wasser, Luft und Licht, die landschaftlichen Assoziationen seiner in Tempera gemalten Bilder, deren räumliche Tiefe sich dem Blick erst nach und nach enthüllt, erschließen sich als Signaturen innerer Vorgänge. Dynamik und Dramatik treten in Pollocks Werken in ein selten zu sehendes Gleichgewicht mit Konzentration und Kontemplation.

Pars pro toto sei auf die Werkreihe „Impressions“ verwiesen. Mit Tusche auf Papier setzt Pollock darin an die Stelle der Buntfarbigkeit eine ausdrucksstarke Palette von Grautönen, wie sie sich aus der vermittelten Spannung der „unbunten“ Pole Schwarz und Weiß in schier unerschöpflicher Vielfalt generieren lässt. Arbeiten, die auf der Schwelle zwischen Außen und Innen agieren, als durchkomponierte Landschaftsstudien ebenso lesbar sind wie als feinnervige Resonanzen seelischer Momente.

Mit seiner Einführung zur Ausstellungseröffnung bot Paul Pollock eine belebende Alternative zu gängigen Mustern einer oftmals ritualisierten Veranstaltungskultur. Vor einer noch leeren, weiß grundierten Leinwand stehend, brachte er im Dialog mit den Vernissagegästen diejenigen grundsätzlichen Entscheidungen ins Bewusstsein, die der Künstler treffen und klären muss, bevor er sich überhaupt der Leinwand zuwenden kann. Aus einer Vielzahl von Möglichkeiten die jeweils angemessenen Parameter auszuwählen und technisch umzusetzen, aber auch in ein angemessenes Binnenverhältnis zum entstehenden Werk zu treten, wurden so als bildstiftende Bewusstseinsleistungen sichtbar.

Die Ausstellung „Borders – lost and found“ mit Werken von Paul Pollock ist bis einschließlich Sonntag, 14.  Juli, im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus zu sehen. Als musikalisches Rahmenprogramm findet am Sonntag, 7. Juli, 19.30 Uhr, in der Galerie ein Konzert mit dem Ensemble „Concerto Imperiale“ unter Leitung von Bernhard Moosbauer statt, in dem Werke von Corelli, Vivaldi, Telemann und Couperin erklingen.