Lokale Kultur

Sinfonische Pyrotechnik

Frühlingskonzert des Orchesters der Kirchheimer Musikschule

Sinfonische Pyrotechnik
Sinfonische Pyrotechnik

Kirchheim. Es ist stets eine besondere Freude, in den Konzerten des Symphonischen Orchesters der Musikschule Kirchheim in den Genuss

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Florian Stegmaier

herausragender Leistungen junger Künstler zu kommen. Auch beim diesjährigen Frühlingskonzert konnte Orchesterleiter Johannes Stortz den zahlreichen Hörern im Saal der Kirchheimer Waldorfschule gleich drei Nachwuchssolisten vorstellen, die gewichtiges konzertantes Repertoire im Gepäck hatten.

Max Kutzner trat hierbei sogar als Doppelbegabung in Erscheinung. Nicht nur bewältigte der junge Bratschist den anspruchsvollen Solo-Part von Niccolò Paganinis Sonate für Viola und Orchester glänzend mit souveräner Technik und differenziertem Ausdruck, den Streichern des Symphonischen Orchester hatte er zudem eine eigene Bearbeitung des ausladenden Kopfsatzes auf den Leib geschneidert, die an diesem Abend zum ersten Mal zu hören war. Sein eindrucksvolles Können untermauerte Kutzner noch mit einem zugegebenen Satz aus der ersten Solo-Suite für Viola von Max Reger.

Premierenstimmung auch beim zweiten Programmpunkt: Zum ersten Mal in seiner Geschichte brachte das Orchester ein Klarinettenkonzert zur Aufführung. Carl Maria von Webers Concertino op. 26 ist perfekt auf die Möglichkeiten der Klarinette zugeschnitten und schöpft effektvoll aus dem opernerprobten Fundus deutscher Romantik. Von der dramatisch auftrumpfenden, sich als Ouvertüre en miniature gebenden langsamen Einleitung über den schillernden Variationensatz bis zur virtuosen Jagdmusik im finalen 6/8tel-Takt zeigte sich Janina Schott als formidable Solistin, die solch vielfältig hohen Ansprüchen bestens gewachsen war.

Luigi Boccherinis Violoncello-Konzert in B-Dur wurde zum großen Auftritt für Katharina Sigel. Geschmeidige, in der Solokadenz des ersten Satzes kulminierende Virtuosität und eine farbige, organisch wechselnde Ausdruckspalette machten die Aufführung zum Erlebnis. Trotz des wohlmeinenden, dennoch unangebrachten Applauses zwischen den Sätzen fiel die profilierte Anlage des Allegros und Adagios auf, wie sie Solistin und Orchester feinsinnig in Szene setzten und den Hörern qualitativ zu vermitteln wussten. Nach außen drängende Motorik und verinnerlichender Gestus wurden so als dynamisches Gleichgewicht erfahrbar.

Hochgerüstet mit Blechbläsern und allerlei Schlagwerk läutete das Orchester zum klanggewaltigen Finale ein. Seit einigen Jahren stehen dafür erstklassige Filmmusiken hoch im Kurs. Komponisten wie Howard Shore, aus dessen Feder – oder Laptop – die Musik der Herr-der-Ringe-Trilogie stammt, gehen exakt wie ihre Hollywood-Kollegen weniger inspiriert, denn geschickt vor. Was nach dem Eindampfen brucknerscher Sinfonik übrig bleibt, wird mit Anleihen der Pop-Kultur reanimiert und in ein perfekt arrangiertes Orchestergewand gesteckt, das zwar einige Nummern zu groß ist, aber stets umwerfend klingt. Produkte der Unterhaltungsindustrie also, denen jedoch selbst Kulturpessimisten nicht ihre überwältigende Wirkung, insbesondere nicht ihren musikpädagogischen Gehalt absprechen können. Dass das Hören und mehr noch das musizierende Abfeuern solch sinfonischer Pyrotechnik einen Heidenspaß macht, wurde auch an diesem Abend deutlich und vom Publikum mit begeistertem Applaus belohnt. Für den regen Zuspruch der Hörer bedankte sich das Orchester mit „Funky Walking“, einer schmissigen Zugabe im Big-Band-Stil.