Lokale Kultur

Sinfonisches Konzert zu Ehren dreier Jubilare

KIRCHHEIM Gleich drei Jubilare standen im Mittelpunkt des Sinfonisches Konzerts des Schwäbischen Kammerorchester mit Werken von Ottorino Respighi (18791936), Franz Krommer (17591831) und Dimitri Schostakowitsch (19061975) in der Kirchheimer Stadthalle. Mit Otto-

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ERNST KEMMNER

rino Respighis Suite Nr. 3 für Streichorchester "Antiche Danze ed arie per liuto" leitete das Schwäbische Kammerorchester Kirchheim ihr abwechslungsreiches sinfonisches Programm dieses konzertanten Abends in der Stadthalle ein. Dabei handelte es sich um eine Bearbeitung weitgehend höfischer Weisen arie di corte teils anonymer, teils namentlich überlieferter Komponisten am Übergang zum siebzehnten Jahrhundert.

Unter der engagierten Leitung von Matthias Baur war ein bunter Strauß von kurzen Stücken zu hören, die in Tempo und Rhythmik stark kontrastierten. Neben der melodiös wiegenden "Italiana" und "Siciliana", dem verträumten, aber volltönenden "Lento" stand zum Beispiel das mit Wucht und Prägnanz musizierte, spieltechnisch anspruchsvolle "Maestoso vivace" von Rocalli.

Das Schwäbische Kammerorchester war hier durchweg um einen eindrucksvollen Vortrag bemüht und kam nach anfänglich etwas unsicher tastenden Intonation immer besser in Schwung. Den sieben Sätzen der Komposition von Jean-Baptiste Bessard hätte auch eine noch stärker ausgeprägte dynamische Differenzierung gut getan.

In Franz Krommers viersätzigem Concertino für Flöte, Oboe und Streichorchester, erweitert durch zwei Hörner, ging es im einleitenden Allegro mit einem sehr schönen, ins Ohr gehenden Hauptthema schwungvoll zur Sache. Nahtlos ging das Sechzehntellaufwerk der Soloinstrumente in das der Streicher über und die beiden Solistinnen Elisabeth Wieland (Oboe) und Irene Hammer (Flöte) trugen mit eleganter und runder Tongebung entscheidend zum Wohlklang bei. Diffizil auskomponierte Passagen der ersten Geige wurden in allen vier Sätzen solistisch von der Konzertmeisterin Agathe Steiff übernommen, was der Transparenz des Vortrags sicher förderlich war.

Im getragenen Adagio schöpften die Solistinnen das klangliche Potenzial ihrer Instrumente voll aus, im rokokohaft galanten, tänzerischen Menuett mit Trio unterbrachen herzhaft forsche Einwürfe des Orchestertutti den wogenden musikalischen Reigen. Im Allegro-Finale mit auffälligen Harmoniewechseln und raffinierten Klangfarben, einem reizvollen Dialog zwischen Soli und Tutti und eindrucksvollen Echoeffekten, fiel auf, dass die Klangbalance teils zu Lasten der Soloinstrumente ging.

Mit dem Klavierkonzert Nr. 1 (op. 35) von Dimitri Schostakowitsch kam nach der Pause das Glanzlicht des Konzertabends in der Stadthalle. Mit Gabriele Schinnerling (Klavier), die einen fast titanischen, dabei überaus virtuosen Part zu bewältigen hatte, und Anders Einarsson (Trompete), konnten erstklassige Solisten für dieses höchst anspruchsvolle Werk gewonnen werden. Letzterer bestach durch lupenreine Intonation, hoch entwickeltes Rhythmusgefühl und präziseste Artikulierung.

Waren im ersten Konzertteil in der Leistung des Kammerorchesters noch kleinere Schwächen zu verzeichnen gewesen, so lief es bei der Begleitung der Solisten hier zu kongenialer Form auf, wenn auch von der eher kammermusikalischen Besetzung her da und dort die vom Komponisten intendierte orchestrale Opulenz fehlte. Wache Präsenz bei punktgenau geforderten Einsätzen und rhythmischen Vertracktheiten kennzeichneten nun den Vortrag des gesamten Klangapparats, gefördert durch Baurs präzises Dirigat. So konnten über solidem Tutti-Fundament die Solisten ihr hoch entwickeltes Können zelebrieren. Die Komposition als solche lebt in allen vier Sätzen aus einer Vielzahl von Motiven und häufig wechselnden Rhythmen, die einander fast ansatzlos jagen. Schrille, fast kakophonisch anmutende Teile zum Beispiel in den Ecksätzen wechseln mit wehmütig angehauchten, nachdenklich sinnenden Passagen, wie beispielsweise im besonders reizvollen "Lento", wo gedämpfter Streicherklang und gestopfte Trompete leise Melancholie verbreiten. Dann wieder jazzig angelegte, synkopierte Sequenzen in jagendem Rhythmus, die fast reißerisch daherkommen.

Im "Allegro con brio" ein mitreißendes Fanfarensignal der Solotrompete, variiert von den Streichern und vom Soloklavier aufgenommen, und schließlich ein auf gleicher Tonhöhe stark rhythmisiertes, quasi hämmerndes Motiv, das den abrupten Schluss markiert. Wahre Beifallsstürme honorierten die musikalische Gesamtleistung des Dirigenten, der Solisten und des Orchesters und motivierten Gabriele Schinnerling noch zu einer Zugabe von zwei Préludes von Gershwin, die zeitgleich mit Schostakowitschs Komposition entstanden waren.