Lokale Kultur

Skulpturen und Collagen aus der Serie "teilweise"

LENNINGEN Der November macht die Häuser noch heimeliger auch die Bücherstuben im Oberlenninger Schlössle. Jetzt lockt die

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ERIKA HILLEGAART

Herbstausstellung 2004 erst recht ins alte Fachwerkhaus: Regina Weber zeigt dort Skulpturen und Materialcollagen aus ihrer Serie "teilweise".

Seit über zwei Jahrzehnten bereichern die Herbstausstellungen des Förderkreises Schlössle den Lenninger Kulturkalender, stets in bester Zusammenarbeit mit der Gemeindebücherei. Künstlerinnen und Künstlern aus der Region wird hier ein Forum geboten, ihr Profil zu zeigen, und sie profitieren von der Besuchergunst in dieser Jahreszeit, wenn der Wind etwas schärfer weht.

Der erste Vorsitzende des Förderkreises, Helmut Köble, hatte heuer die Unterlenninger Künstlerin Regina Weber eingeladen. "Lenningen hat viele latente Talente", meinte er bei seiner Begrüßung, "Regina Weber freilich hat ihr Talent bereits unter Beweis gestellt bei Ausstellungen hier, in Kirchheim, Nürtingen und Wendlingen". Mit ihrem Ausstellungstitel "teilweise" erteilt die Künstlerin die Aufforderung, ihre Sicht der Dinge detailgenau zu prüfen und daran Teil zu nehmen. Sie gibt auf ihre Weise den Impuls, Materialien teils aus der Natur, teils aus synthetischer Produktion neu zu beurteilen.

Regina Weber präsentiert Stelen, Pyramiden, Triptychen, Fensterfüllungen, Collagen. Aus Ästen konstruiert sie ihre Skulpturen. Die Collagen sind mit Sand, Sägemehl auf Papier, Plastik- oder Schaumfolie gearbeitet stets uniform schlicht gerahmt. Auf zwei Farben beschränkt sich Regina Weber: auf rot und hellgrün. Die Nichtfarben schwarz und weiß sorgen für Spannung und Kontraste und zwingen so zu Konzentration bei der Betrachtung. Ihre Meisterschaft in der Beschränkung hat die Künstlerin auch bei der Auswahl der 19 Exponate und der Platzierung in den Räumen bewiesen.

So bietet sie "Einheit, Geschlossenheit und Dichte", formulierte Florian Stegmeier bündig. Der erste Vorsitzende des Kunstvereins Kirchheim würdigte fachkundig die Arbeit von Regina Weber, die von 1994 bis 1997 an der Freien Kunstschule Nürtingen Bildhauerei studiert und somit gelernt hat, den Raum zu strukturieren und zu definieren: "Ein wesentliches Element ihrer Werke ist die geometrisch reduzierte Schlichtheit, die neue Raumstrukturen schafft". Der Referent beschrieb die weiteren Gestaltungselemente, die Farbe und die Beschaffenheit der Oberflächen. Das Sammeln von Holzfundstücken sei der erste Schritt bei ihrer Arbeit, dann das Ordnen und dabei der Aspekt des Behütens und Beschützens. "Das Geometrische bietet Regelmäßigkeit, Klarheit und Stabilität, aber auch Statik, Erstarrung, Kälte. Das Organische liefert Vielfalt und Leben, aber beinhaltet auch Unordnung und Chaos." Regina Weber habe die Gegensätze vereint, verwandelt zu etwas Neuem, so entließ der Referent seine Zuhörer in die eigene Betrachtung.

Die Ausstellungseröffnung begleiteten Nadine Schneider und Mareike Rohde mit ihrem feinen Querflötenspiel. Gabriele Rolfs, Lehrerin an der Musikschule Lenningen, hatte mit ihnen Stücke des romantischen Komponisten Wilhelm Popp einstudiert. Auch die Musikschule bietet "latente Talente", aus deren Fundus der Förderkreis gern und erfolgreich schöpft. Mit ihrem "Fröhlichen Jägersmann" wehte frische Jugendlichkeit durch das Schlössle. "Die tut gut in dem alten Gemäuer", bedankte sich die Büchereileiterin Ev Dörsam und lud ein zu Gespräch und zum Schauen.

INFODie Ausstellung "teilweise" mit Skulpturen und Materialcollagen von Regina Weber ist bis 18. Dezember zu den Öffnungszeiten der Bücherei zu sehen: dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19.30 Uhr, freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr. Am Sonntag, 28. November, ist von 14 bis 17 Uhr die Künstlerin anwesend.