Lokale Kultur

Souveräne uneitle Klarheit

Pianist Markus Pawlik begeisterte bei Tasta-Tour-Konzert im Schloss

Kirchheim. Im Rahmen der Kirchheimer Musiktage Tasta-Tour gastierte der Pianist Markus Pawlik in der Kapelle des Kirchheimer

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FLORIAN STEGMAIER

Schlosses und begeisterte sein Pub­likum mit vergleichsweise selten ­gespielten Werken von Beethoven, Carl Philipp Emanuel Bach, Skrjabin, Chopin und Reger.

Markus Pawlik, der sich bereits bei seinem letzten Gastspiel in der Teckstadt – damals standen Debussy und Ravel im Mittelpunkt – am Flügel als virtuoser Schöngeist entpuppen konnte, wurde auch dieses Mal seinem ihm längst vorauseilenden Ruf vollauf gerecht, Sensibilität und Ausdruckskraft mit einer phänomenalen Technik zu verbinden.

Darbietungen von Beethovens Fantasie op. 77 sowie zweier Fantasien von Carl Philipp Emanuel Bach bildeten den Auftakt und zeichneten sich insbesondere durch ihre äußerst kultivierte Anschlagskultur aus, schön nachzuvollziehen etwa in den Non-legato-Passagen der Bach-Stücke.

Zum Höhepunkt der ersten Konzerthälfte geriet zweifellos Markus Pawliks Interpretation dreier Mazurken aus Alexander Skrjabins op. 3 und op. 25, nicht zuletzt weil nun zum ersten Mal im Lauf des Abends die Klangkultur des Petrof-Flügels – hierzulande ein „Exot“ auf hohem Niveau, in osteuropäischen Konzertsälen jedoch teils höher geschätzt als mancher Steinway – mit den Erfordernissen des Repertoires aufs glücklichste zusammenfiel. Die in feinnerviger fin-de-siècle-Stimmung zwischen duftiger Salonmusik und sanfter Melancholie schwebenden Stücke fanden in Markus Pawlik, der sich den Mazurken mit geschmackvoller, geradezu nobler Dezenz näherte, einen idealen Interpreten.

Mit großen Erwartungen fieberte das Publikum der zweiten Hälfte des Abends entgegen. Max Regers Variationen über ein Thema von Johann Sebastian Bach op. 81 aus dem Jahr 1904 gelten als eines der größten Werke des Komponisten überhaupt und zählen zu Recht zu den bedeutendsten Variationszyklen der gesamten Musikgeschichte. Bedauerlich nur, dass solche musikalischen Schätze öffentlich kaum zu hören sind. Umso verdienstvoller ist, dass ein Künstler wie Markus Pawlik mit seiner Maßstab setzenden, von Kritikern regelrecht gefeierten Interpretation dieses Werk ins Bewusstsein des Musikpublikums bringt.

Den teils immensen technischen Anforderungen – rasend schnelle Doppelgriffe, heikle Sprungstellen – begegnete Markus Pawlik mit vollendeter, jedoch vollkommen uneitler Virtuosität. Bei aller Dichte des Tonsatzes, bei aller Komplexität des hochalterierten Klangbaus, wahrte der Interpret stets eine souveräne, schnörkellose Klarheit, die den diversen Stimmungen der Variationen – romantisches „Nachtstück“, dämonische Scherzi, Etüdenhaftes – gerecht wurde und sie als einzelne schillernde Mosaiksteine im Ganzen der zyklischen Form aufleuchten ließ.

Allein die Darbietung der gewaltigen Schlussfuge – vierstimmig angelegt steigert sich der Tonsatz mittels Pedaltechnik zu Akkorden mit bis zu zwanzig Tönen übereinander und mutet dem Klavier orgelhafte Dimensionen zu – hätte schon genügt, den Abend zu einem außergewöhnlichen Konzertereignis zu machen.

Markus Pawlik gelang es scheinbar mühelos, den gut halbstündigen Spannungsbogen des bei aller Finesse teils orchestral anmutenden Werks nicht nur zu halten, sondern zu intensivieren und in einer kaum zu überbietenden, jedoch bis zuletzt transparent nachvollzogenen polyphonen Fülle organisch kulminieren zu lassen.

Bedeutete schon die Aufführung der Regerschen Bach-Variationen an sich eine gewichtige Entdeckung, machte das Licht, das Markus Pawliks herausragende Deutung auf das Werk fallen und es in seiner ganzen kunstvollen Plastizität erstrahlen ließ, den Konzertabend zum Geschenk. Mehr kann man nicht erwarten.