Lokale Kultur

Später Schumann, früher Bach

Konzert zur „Todesstunde des Herrn“ in der Martinskirche spannt historischen Bogen

Kirchheim. Robert Schumanns Requiem op. 148 in DES-Dur sowie die Kantate „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir“ von J.S. Bach kamen am Karfreitag zur „Todesstunde des Herrn“ unter der Leitung von Bezirkskantor Ralf Sach zur Aufführung.

Florian Stegmaier

Mit der Gegenüberstellung eines „späten“ Schumanns und eins „frühen“ Bachs erfuhren nicht nur zwei verhältnismäßig selten gespielte Werke ihre Würdigung, die Programmfolge konnte zudem einen historischen Bogen von rund 150 Jahren spannen.

Die Welt des Schumann-Requiems, das wurde den Hörern in der fast vollbesetzten Martinskirche schnell klar, ist nicht einseitig von Schrecken und Tod gezeichnet, vielmehr begegnet ein nuanciertes, lyrisches Klangkolorit, das nicht zuletzt vom Schwäbischen Kammerorchester - ein gerade auf dem Gebiet des romantischen Repertoires äußerst versierter Klangkörper - farbig und geschmackvoll in Szene gesetzt wurde.

So konnte sich auch der hervorragend agierende Chor in der Martinskirche bereits im „Te decet hymnus“ in einen mitreißenden melodisch-motivischen Überschwang steigern, bevor er sich dem anschließenden, donnergrollenden „Dies Irae“ mit beeindruckender dramatischer Qualität widmete.

Nicht mehr dramatisch erwies sich die Episode des „Tuba Mirum“ - dort ist von der zum Jüngsten Gericht rufenden Posaune die Rede - , die dank der Mitwirkung der Kirchheimer Stadtkapelle zu einem zwar kurzen, aber umso eindringlicher auflodernden Fanal geriet.

Exemplarisch für die durchweg erstklassige Leistung der vier Gesangssolisten Friederike Hoffmann (Sopran), Julia Heigl (Alt), Johannes Petz (Tenor) und Matthias Heigl (Bass) sei die Interpretation des „Benedictus, qui venit“ heraus gegriffen, deren auf äußeren Effekt völlig verzichtende, tief empfundene Innerlichkeit wohl mit zu den nachhaltigsten Eindrücken des Konzerts gehören mag.

Aus dem Entstehungsjahr des Requiems 1852 ein Sprung an den Anfang des 18. Jahrhunderts. Johann Sebastian Bachs wahrscheinlich erste Kirchenkantate, ein Werk des 22-Jährigen während seiner Mühlhausener Zeit, scheint für einen Bußgottesdienst geschrieben worden zu sein, möglicherweise vor dem Hindergrund eines verherrenden Stadtbrands.

Eindrucksvoll erwiesen sich die Darbietungen der Chorfugen, insbesondere der Schlussfuge „Und er wird Israel erlösen“, bei denen polyphone Dichte und klangliche Transparenz Hand in Hand gingen. Wie von selbst schälte sich aus der klanglichen Fülle die zeittypische musikalische Rhetorik heraus: Seufzer-Figuren, melismatisches Flehen oder die als von der diatonischen Ordnung abweichende, von Bach chromatisch als „passus duriusculus“ behandelte „Sünde“.

Formaler Symmetrie folgend, steht zwischen den Chören der Kantate jeweils ein Solo mit einer Choralstrophe. Im Arioso „So du willst Her“ begeisterte Matthais Baur im Verbund mit einer virtuosen Solo-Oboe mit seinem klangschönen, geschmeidigen Bass, während die Arie „Meine Seele wartet“ sehr von Johannes Pez‘ schlankem und beweglichem Tenor profitieren konnte.

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