Lokale Kultur

Spätwerke als hochkarätiger Einstieg

KIRCHHEIM Violinist Linus Roth gastierte gemeinsam mit seinem musikalischen Partner am Klavier, José Gallardo, in der Kirchheimer Stadthalle. Der von der Musikpresse als

Anzeige

FLORIAN STEGMAIER

"Teufelsgeiger" gefeierte junge Geiger, der unter anderem von Anne-Sophie Mutter und Salvatore Accardo künstlerische Impulse erhielt, stellte bei seinem Kirchheimer Konzert die Virtuosität ganz in den Dienst der Sache. Drei Spätwerke standen auf dem Programm.

Beethovens Sonate für Violine und Klavier opus 96 in G-Dur, das zehnte und letzte Werk für diese Besetzung, trägt außer im Finale, das mit kräftigeren Konturen daher kommt, einen eher intimen und lyrischen Charakter. Nicht umsonst haben diverse Kommentatoren das Entstehen dieser Beethoven-Sonate mit der geheimnisvollen "Unsterblichen Geliebten" in Verbindung gebracht. In jedem Detail präsent, jedoch nie akademisch trocken, vielmehr auf sympathische Weise unverkrampft fingen Roth und Gallardo, die auf eine mehrjährige gemeinsame Bühnenerfahrung zurückblicken können, die charakteristische Gefühlswelt des Werks ein.

Der "späte" Brahms ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Oft wird ihm eine gewisse Spröde vorgeworfen, auch sein melodischer Einfallsreichtum wurde angezweifelt. Interpretationen, die sich den Brahmsschen Werken mit einer falschen Diskretion nähern, verstärken solche Vorurteile noch. Um so erfreulicher, dass Roth und Gallardo mit ihrer Deutung der Sonate in A-Dur opus 100 gerade die warme, schwärmerische, stellenweise fast überbordende Emotionalität der Ecksätze herausstellten, die dem reiferen Brahms keineswegs fremd gewesen war.

Zeugen etliche der späten Werke von Robert Schumann schon von nachlassender schöpferischer Kraft, so sind doch einige wenige noch ganz von der früheren Energie durchdrungen. Eine dieser Perlen ist zweifellos die geistvolle Violinsonate opus 121 in d-Moll aus dem Jahr 1851. In der Interpretation von Roth und Gallardo wurde die für den Erzromantiker Schumann so typische Poesie greifbar. Sowohl den konzertanten Glanz, als auch die elegante Schlichtheit der Sonate wussten die beiden Künstler organisch und glaubhaft zu vermitteln.

Für die Abonnementkonzertreihe des vhs-Kulturrings erwies sich das Kammerkonzert mit Linus Roth und José Gallardo als hochkarätiger Einstieg. Man darf auf weitere solcher musikalischer Leckerbissen gespannt sein.