Lokale Kultur

Spannende Ambivalenz von "Blech und Plüsch"

WENDLINGEN Am Samstag und Sonntag, 14. und 15. Oktober, öffnen Mitglieder des Kirchheimer Kunstvereins ihre Ateliers und geben so der kunstinteressierten Öffentlichkeit

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FLORIAN STEGMAIER

Einblicke in ihre kreativen "Werkstätten". Zugleich soll dieser Tag des offenen Ateliers auch einen Überblick über die reiche und vielschichtige lokale Kunstszene geben. Bis dahin ist noch ein wenig Zeit Zeit genug, um in den kommenden Wochen die teilnehmenden Künstler im Rahmen einer Serie vorzustellen.

Die Kirchheimer Künstlerin Rosemarie Beißer ihr Atelier befindet sich auf dem Wendlinger Otto-Areal beschäftigt sich parallel mit drei künstlerischen Ausdrucksformen: mit der Malerei, der Druckgrafik, sowie mit raum- und ortsbezogener Objektkunst. In der Formensprache ihrer Malerei, und zum Teil gilt das auch für die druckgrafischen Arbeiten, pflegt Beißer einen spielerischen Umgang mit Gegenständlichkeit und Abstraktion. Bestimmte, scheinbar dem Alltag entliehene Formelemente brechen sich immer wieder Bahn man könnte von persönlichen Urformen sprechen und laden den oftmals von den Titeln gelenkten Blick des Betrachters zu gegenständlichen Deutungen ein.

Da es Beißer jedoch nicht darum geht, in ihren Bildern Geschehnisse und Situationen der äußeren Anschauung mimetisch widerzuspiegeln, entziehen sich ihre Werke zugleich einer solchen Betrachtung und eröffnen mittels dieser spannenden Ambivalenz ihren Betrachtern ein reizvolles, an Assoziationen reiches Spannungsfeld der Wahrnehmung. Viele Bilder von Rosemarie Beißer zeichnen sich durch einen feinsinnigen Humor aus. Selbst in der Serie "Vom Sofa dieser Tage", die einen medienkritischen Hintergrund hat und dementsprechend ihre Betrachter mit Elementen serieller Beliebigkeit regelrecht berieselt, bewahrt sich die Künstlerin bei aller Ernsthaftigkeit der Thematik eine durchweg lockere und im positiven Sinn verspielte Sichtweise. Eine Haltung, die auch in ihrer Objektkunst zum Ausdruck kommt. So etwa, wenn sie einstmals industriell genutzte Metallteile aus ihrem funktionalen Kontext heraushebt, sie unter dem Motto "Blech und Plüsch" mit gänzlich Gegensätzlichem konfrontiert und auf diese Weise den ausgemusterten Industrieveteranen ein neues, vielleicht irritierendes, auf jeden Fall die Fantasie anregendes Leben einhaucht.

Für die Entstehung und die Präsentation ihrer Objekte ist Beißer sowohl die konkrete räumliche Situation, als auch die Historie des jeweiligen Ortes wichtig. Deutlich wurde dies etwa in ihrer diesjährigen Einzelausstellung im Kloster Denkendorf. Bezugnehmend auf die Geschichte des Klosters, das einst den Chorherren von Jerusalem unterstand, zeigte sie im historischen Ambiente des Kreuzgangs ihre charmant-morbide Werkgruppe "Reise nach Jerusalem": zahlreiche Stühle Relikte der vorindustriellen Fertigung, an denen die Zeit nicht spurlos vorübergegangen war besetzt mit textil gefertigten Körperfragmenten, liebevoll versehen mit Schuhen und diversen Kleidungsstücken.

Rosemarie Beißer wurde in Ravensburg geboren. In den Jahren 1989 bis 1995 studierte sie Druckgrafik und Malerei an der Freien Kunstschule Nürtingen bei Max Bailly, Jürgen Kleinmann und Michael Helm. Sie ist Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Württemberg und übt am Pädagogischen Fachseminar Kirchheim einen Lehrauftrag aus.