Lokale Kultur

Spezifische Fundstelle als Quelle für Materialobjekte und Plastiken

KIRCHHEIM Laveno Mombello unter diesem klangvollen Namen stellt derzeit der Stuttgarter Maler und Bildhauer Dieter Göltenboth gemeinsam mit den Fotografen Sigmar Fischer, Günter Guben und Heidrun Klement im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus

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FLORIAN STEGMAIER

aus. Laveno ist der Name einer kleinen Stadt am Lago Maggiore, in der sich eine aufgelassene Keramikfabrik befand, die Dieter Göltenboth als Fundstelle für seine Kunst diente. "Die Kunst", so Göltenboth, "liegt am Strand, im Abriss, in Stellen des Feuers; wer sie wahrnimmt, aufhebt und mitbringt, auf den Sockel stellt, der hat sie".

Für den 1933 in Eybach bei Geislingen geborenen Künstler, der bei Willi Baumeister an der Kunstakademie in Stuttgart studierte und etliche Jahre Vorsitzender des Bundesverbands Bildender Künstler war, geht das Faszinosum stets von einer spezifischen Fundstelle aus, die ihm für seine Materialobjekte und Plastiken als Quelle dient. Unabhängig voneinander erlagen auch Fischer, Guben und Klement in Laveno dem morbiden Charme industrieller Archaik und loteten die dortige Fundstelle fotografisch aus.

Die gemeinsame Beschäftigung fiel erst vor zwei Jahren auf, danach war es klar, dass die Kirchheimer Ausstellung von allen vier Künstlern bestritten werden soll. Entstanden ist eine Galeriesituation, in der der Fundort im Mittelpunkt steht, von den Werken umkreist und reflektiert wird. Dabei fällt Göltenboths Arbeiten, schon der formalen Wucht wegen, das Hauptgewicht im Dialog mit den Fotografien zu.

Günter Guben, Leiter des Stuttgarter Schriftstellerhauses, beschwor zum Abschluss seiner literarisch gehaltenen Einführungsrede den Geist der einst so inspirierend wirkenden, inzwischen verschwundenen Fabrik: "Wie sich zeigt, lebt, verwandelt in Kunstwerke, der Geist der Gebäude, die einmal belebt waren und den Lebenden von damals das Leben recht und vielleicht auch manchmal schlecht ermöglichte, weiter". Dem nachzuspüren, besteht bis einschließlich Sonntag, 2. Dezember, im Kornhaus Gelegenheit.

Am Freitag, 16. November, wird Günter Guben um 19.30 Uhr "Materialien aus dem Sprach-Alltag, Fundstücke, Montagen und Grotesken" zum Besten geben.

Dieter Göltenboth, der als Künstler auch zahlreiche soziale Projekte auf verschiedenen Kontinenten vorangetrieben und verwirklicht hat, stellt am Freitag, 30. November, um 19 Uhr die von ihm 1976 in den Slums von Kenia gegründete Selbsthilfegruppe "Mathare Patchwork" vor.