Lokale Wirtschaft

Spieleverleiher treffen den Nerv der Zeit

Die neu gegründete Firma „Meine Spielzeugkiste“ vermietet Markenprodukte – Jung-Unternehmer aus Oberboihingen

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Leihen statt kaufen – was bei Autos gut funktioniert, so dachten sich die Macher von „Meine Spielzeugkiste“, könnte doch auch bei Kinderspielzeug klappen. Nach einem Jahr haben sie auch Sponsoren von ihrer Idee überzeugt. Einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Berliner Firma, Florian Metz, kommt aus Oberboihingen.

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henrik Sauer

Oberboihingen. Die Jung-Unternehmer setzen auf ein zunehmendes Umdenken bei den Konsumenten, Dinge nicht zu kaufen, sondern zu teilen. „Die Leute legen weniger Wert auf Eigentum“, sagt Florian Metz. Der 34-Jährige aus Oberboihingen ist zusammen mit Florian Spathelf geschäftsführender Gesellschafter von „Meine Spielzeugkiste“. Spathelf hat das Unternehmen gegründet. Er suchte Mitstreiter, Metz stieß im Januar vergangenen Jahres dazu. Kennengelernt haben sich beide über einen Studienkollegen.

Florian Metz war von der Idee gleich angetan: „Sie verkörpert genau die Art und Weise, wie wir Spielzeug konsumieren.“ Der zweifache Vater weiß aus eigener Erfahrung: „Kinder bekommen viel zu viel Spielzeug geschenkt.“ Und vieles davon bleibe einfach liegen, wenn neues dazukommt. „Meine Spielzeugkiste“ tauscht das ausgebrauchte Spielzeug gegen anderes. Für einen monatlichen Beitrag können sich die Eltern über das Internet zwei bis sechs Spielzeuge aussuchen und behalten, solange sie wollen. Man kann sich auch Spielzeug zu bestimmten Themen empfehlen lassen.

Zweifel, wie den, dass gebrauchtes Spielzeug vor allem für Kleinkinder, die doch gerne alles in den Mund nehmen oder es mit Schokoladenfingern anfassen, eklig ist, zerstreut Metz: „Wir haben einen aufwendigen Reinigungsprozess.“ Alles zurückgenommene Spielzeug werde gewaschen, desinfiziert und luftdicht verschweißt. 150 Spielzeuge hat „Meine Spielzeugkiste“ mittlerweile im Angebot. Mit einigen Spielzeugherstellern hat das Unternehmen Kooperationen vereinbart. Denn auch die hätten einen Anreiz zur Zusammenarbeit, sagt Metz. Sie könnten über das Verleihportal neue Produkte auf Akzeptanz testen.

„Am Anfang hatten wir Angst, dass die Hersteller uns boykottieren würden“, räumt Metz ein: „Aber das Gegenteil ist der Fall. Auch die großen Hersteller unterhalten sich mittlerweile mit uns.“ Playmobil, Ravensburger und Mattel gehören zu den Kooperationspartnern. Die Endauswahl, was ins Sortiment kommt, treffen aber die beiden Geschäftsführer: „Wir nehmen nur solche Sachen ins Sortiment, die wir selber toll finden.“ Sinnvoll müsse das Spielzeug sein und nicht gesundheitsschädlich.

Mehr als  200 Kunden nutzten das Leihspielzeug-Angebot. Das notwendige Geld haben sich die Jung-Unternehmer größtenteils im Netz besorgt. Bereits zwei Mal finanzierte man das Firmenwachstum mithilfe der Crowd­­-Finanzierung, bei der über eine Internet-Plattform Geld eingesammelt wird. Kapitalgeber können dabei auch mit kleinen Beträgen Anteile am Unternehmen erwerben. Über 315 000 Euro von 750 Investoren hätten sie eingesammelt, so Metz. Darunter seien auch etliche Kunden. Die zweite Crowdfunding-Phase läuft noch bis heute bei companisto.de.

Das Geld soll vor allem in den Ausbau der Internetseite – den Vertriebskanal des Unternehmens – und mehr Spielzeuge fließen. „Wir wollen nicht schnell auf Größe gehen und dann verkaufen, sondern gesund wachsen“, sagt Florian Metz. Der 34-Jährige ist in Oberboihingen aufgewachsen. Er hat in Rostock, Leipzig, Stockholm und Chicago Wirtschaftsinformatik und Finanzwirtschaft studiert. Nach Stationen bei Daimler, der Telekom und einer Unternehmensberatung wollte er etwas Eigenes machen. Heute sind bei „Meine Spielzeugkiste“ sieben Mitarbeiter beschäftigt.

Künftig wollen Metz und Spathelf Eltern noch auf eine weitere Weise beim Entrümpeln helfen. „Meine Spielzeugkiste“ wird dann auch altes Spielzeug aufkaufen. „Aber nicht gegen Bares“, so Florian Metz, „sondern gegen Gutscheine für Spielzeugkisten.“ Von dem gebrauchten Spielzeug soll ein Teil wiederverwendet, der andere gespendet werden.