Lokale Kultur

Sportlicher Abend voller Geistesblitze

Die Oberstufen-Theater-AG des Schlossgymnasiums brillierte mit ihrem Theatersport in der Bastion

Kirchheim. Einer schwierigen Aufgabe hatte sich die Oberstufen-Theater-AG des Schlossgymnasiums

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Andreas Volz

gestellt: Es ging nicht darum, lange Texte auswendig vorzutragen und sich dabei an penibel einstudierte Regieanweisungen zu halten. Vielmehr hatten die zehn Schüler – eingeteilt in zwei Fünfergruppen – ein Problem, mit dem bereits Obelix in der Geschichte „Asterix und der Kupferkessel“ völlig überfordert ist: an der Rampe zu stehen und vor erwartungsvoll gespanntem Publikum spontan zu sagen, was einem gerade durch den Kopf geht. Regieanweisungen gab es zwar durchaus, aber sie kamen auf Zuruf und mussten sofort umgesetzt werden.

Für erfahrene „Theater-Sportler“ ist das normalerweise kein Problem, aber selbst bei den Profis schleichen sich Abend für Abend matte Stellen ein – improvisierte Szenen, die einfach nicht laufen und die für Schauspieler wie Publikum gleichermaßen zur Tortur ausarten. Und wie soll das erst ausgehen, wenn Schüler zu Theater-Sportlern werden? Sie sind ja nicht nur reine Amateure, sondern zu allem Überfluss auch noch blutige Anfänger. Um es vorwegzunehmen: Es hat hervorragend funktioniert. Natürlich gab es auch die schwächeren Stellen, das kann ja gar nicht anders sein. Aber überwiegend sind die Mitglieder beider Mannschaften von Szene zu Szene zu neuer und überraschender Hochform aufgelaufen.

Das begann schon mit den Begrüßungsworten von Spielleiter Bernd Löffler, die ein Ensemble-Mitglied simultan in „Gebärdensprache“ übersetzte. Angesichts des Höllenlärms in der Bastion, den die Theatersport-Zuschauer begeistert beisteuerten, war das durchaus hilfreich. Vor allem aber diente die „Gebärdensprache“ dem Publikum wie den Mitspielern zur Einstimmung auf das Kommende.

Fuchtelnde Arme waren beispielsweise der einzige Hinweis, der es den „Sportlern“ in einem bestimmten Spiel ermöglichen sollte, herauszufinden, was sie gerade darzustellen hatten. Zum großen Vergnügen der Zuschauer stammelten die Schauspieler ihre improvisierten Sätze und erzählten vom Schlafwandeln, obwohl es eigentlich um die Zubereitung von Hummer in einer Kochshow gegangen wäre. Das Kochen kam zwar noch vor, aber es gab dann eben Pfannkuchen mit einer Unmenge gehackter Zwiebeln. Im anderen Fall sollte ein IKEA-Regal aufgebaut werden. Der Heimwerker kam zwar immerhin auf das Stichwort „Schrank“, entwickelte dann aber spontan eine völlig neue Sportart – das Zertrümmern von Gläsern. Für diesen Wettbewerb erfand er sogar noch einen ganz neuen Preis: den „Pokal für besondere Gehirnleistungen“.

Ein solcher Pokal hätte sicher allen zehn Mitstreitern gebührt, die teilweise aus dem Stegreif Sprüche klopften, wie sie einem professionellen Gagschreiber alle Ehre gemacht hätten. So kam es etwa beim abschließenden Stechen am Donnerstag zu einer Szene, in der ein Kopiergerätewart seiner Chefin Vorhaltungen macht, weil deren Katze den Kopierer lahmgelegt hatte: „Sie haben sich doch gar nie um Ihre Katze gekümmert. Wissen Sie denn, wo sie sich nachts herumtreibt? War es überhaupt eine Wunschkatze?“

Und selbst handwerkliche Fehler bei der Pantomime wurden sofort sachgerecht kommentiert und dadurch noch in einen Pluspunkt für die eigene Gruppe umgewandelt. Als nämlich eine Tochter vor der Mutter vorbeiläuft, die gerade am Kochen ist, bekommt sie prompt von der Mutter vorgeworfen: „Du läufst immer durch meinen Herd durch.“

Doch auch unabhängig von spontanen Geistesblitzen war es beachtlich, wie die Oberstufenschüler des Schlossgymnasiums da über die Bühne fegten und sich bei ihrem Theatersport auch körperlich verausgabten. Egal, in welche lächerlichen Situationen sie sich brachten, immer ging es um den jeweiligen Rundensieg, und dafür nahmen sie alles in Kauf. Bei den Siegpunkten ging es selbstverständlich alles andere als fair zu, denn auch das gehört zum Theatersport: Der Spielleiter verteilt die Punkte willkürlich und oft völlig unbeeindruckt vom Votum des Publikums.

Ein Schelm, wer dabei an die Schule denkt. Und doch kam ganz am Schluss die Frage einer Mitspielerin, die gerade von ihrem Chemielehrer die obligatorische Schultheateraufführungsdankeschönrose überreicht bekommen hatte: „Krieg‘ ich jetzt eine bessere mündliche Note?“ Die Frage blieb unbeantwortet, denn natürlich geht im wirklichen Leben alles korrekt, fair und anständig zu. – Anständig zeigten sich auch die Theater-AG-Mitglieder selbst, denn die Einnahmen zweier überaus gelungener Theatersport-Abende spendeten sie der Kirchheimer Vesperkirche.