Lokale Kultur

"Spuren und Einkerbungen in der Erlebniswelt"

WERNAU Bilder und Objekte des Kirchheimer Künstlers Boba Cvorkov sind derzeit im Wernauer Quadrium zu sehen. Das berühmte Zitat "Panta rhei Alles fließt" des Vorsokratikers Heraklit, dessen oftmals dunkle Sinn- und Lehrsprüche

Anzeige

FLORIAN STEGMAIER

nur fragmentarisch überliefert sind, wählte der Künstler als Titel. Wie Laudator Johannes Nagel, Dozent für Kunstgeschichte und Grafikdesign, in seiner Einführung deutlich machte, greift Cvorkov damit eine grundlegende menschliche Lebenserfahrung auf, kann doch die permanente Bewegung und deren Wahrnehmung, der unablässige Wandel aller Dinge als ein ständiges Aufeinanderfolgen und Ablösen von Gegensätzen zu Recht als conditio humana gewertet werden.

Cvorkov, den Nagel als "sensitiven", also empfindsamen Menschen charakterisierte, greift in seiner künstlerischen Arbeit Geschehnisse des Alltags und persönliche Befindlichkeiten auf Nagel sprach hier bildhaft von "Spuren und Einkerbungen in der Erlebniswelt" sowie von "Schnappschüssen" aus dem Leben des Künstlers , unterzieht das Erlebte einer künstlerischen Transformation, in der sich der ursprüngliche Impuls jedoch nicht eindeutig oder gar platt offenbart, sondern gleichsam wieder verschlüsselt, bewusst verunklart wird und somit dem Betrachter Raum für eigene Deutungen und Assoziationen bietet. Daher verzichtet Cvorkov auch konsequent auf Titel für seine Arbeiten. Betrachtet man die Zeichnungen, die Malereien und Drahtplastiken von Boba Cvorkov, so kristallisiert sich die Linie als verbindende Schnittmenge heraus. Gerade im Gegenüber mit seinen Malereien, die oftmals wie großformatige Zeichnungen wirken, fühlt man sich an die bereits in der Renaissance ausführlich diskutierte Ambivalenz von "segno" und "colore", von Linie und Farbfläche erinnert. In seiner Entschiedenheit, seiner bewussten und willentlichen Gesetztheit spricht der lineare Duktus unweigerlich den Verstand des Betrachters an, wohingegen die buntfarbigen Flächen es dominieren Gelb- und Orangetöne mehr die Gefühlsebene berühren und zugleich große Räume zu eröffnen scheinen, in denen die teils fragilen, organisch anmutenden Formen zu schweben beginnen. Zwei scheinbar konkurrierende Prinzipien, die sich in den Malereien von Cvorkov zu einer geglückten Einheit aufheben. Auch in seinen Drahtplastiken und Objekten greift sich die Linie Raum. Vielleicht wird anhand dieser dreidimensionalen Arbeiten das Ausstellungsmotto "Panta rhei" am deutlichsten, ist doch die Wahrnehmung des Betrachters in Abhängigkeit von seinem Standpunkt sowie dem Spiel von Licht und Schatten einem permanenten, reizvollen Wechselspiel ausgesetzt.

Die Ausstellung ist noch bis 21. November im Quadrium Wernau zu sehen. Sie ist montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr geöffnet; montags, mittwochs und donnerstags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr und dienstags von 14 bis 18 Uhr.