Lokale Wirtschaft

Stadt will um Schefenacker kämpfen

Die drohende Abwanderung des Automobilzulieferers Schefenacker sorgt in Esslingen für Aufregung. Das Unternehmen will seinen Stammsitz in Sirnau aufgeben und favorisiert für die rund 250 Mitarbeiter ein Domizil außerhalb Esslingens. OB Jürgen Zieger will den Wegzug der Firma unbedingt verhindern.

KORNELIUS FRITZ

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Die Firma Schefenacker, Hersteller von Auto-Rückspiegeln, Heckleuchten und Soundsystemen, hatte in der vergangenen Woche eine Umstrukturierung des Unternehmens angekündigt: Unter anderem soll das Werk in Geislingen geschlossen werden, 580 Arbeitsplätze fallen dort weg. Außerdem hat Produktionsvorstand Rolf Ritter angekündigt, dass der bisherige Stammsitz in Sirnau verkauft werden soll. Die Montage von Spiegeln war im vergangenen Jahr von Esslingen nach Ungarn verlagert worden. Dort soll auch die Lackieranlage neu gebaut werden, die im Juli in Sirnau abgebrannt war. Seit dem Brand gibt es in Esslingen keine Produktionsanlagen mehr und das 20 000 Quadratmeter große Areal war zu groß geworden. Schefenacker sucht jetzt ein reines Verwaltungsgebäude mit 3500 bis 4000 Quadratmetern Fläche. In Sirnau soll lediglich die Montage von Soundsystemen mit rund 100 Mitarbeitern bleiben.

Der neue Firmensitz soll zwar auch in der Region liegen, aber vermutlich nicht in Esslingen. Ritter hatte in der vergangenen Woche erklärt: "In Esslingen selbst gibt es kein Angebot." Eine Äußerung, die OB Zieger und seinen Wirtschaftsförderer Gottwald Schäfter gewaltig stört: "Diese Behauptung weise ich zurück. Wir haben sehr wohl Vorschläge gemacht", sagt Zieger. Wirtschaftsförderer Schäfter habe mit Vertretern der Firma mehrere Grundstücke besichtigt. Und nicht nur das: Er habe sogar einen privaten Investor vermittelt, der bereit gewesen wäre, das Gebäude zu bauen, da der Automobilzulieferer lieber eine Immobilie mieten als selber bauen möchte. Umso überraschter waren Zieger und Schäfter, als sie am Wochenende erst aus der Zeitung von den Abwanderungsplänen hörten.

Schefenacker-Vorstand Ritter bemühte sich inzwischen um diplomatische Töne: "Noch haben wir uns ja überhaupt nicht für einen Standort entschieden", betont er. Allerdings bestätigt Ritter, dass die Angebote anderer Kommunen offenbar besser dem Anforderungsprofil der Firma entsprechen. So würde Schefenacker am liebsten kurzfristig eine bezugsfertige Immobilie mieten. Im Gespräch ist unter anderem ein Gebäude in Stuttgart-Hedelfingen. Außerdem sei diese Lösung auch finanziell günstiger als ein Neubau in Esslingen. Lohnen würde sich das Ganze allerdings nur, wenn Schefenacker für das Areal in Sirnau einen Käufer findet. Dabei soll ein Kaufpreis von 8,5 Millionen Euro im Raum stehen. Kein leichtes Unterfangen, denn das Areal befindet sich in einem reinen Gewerbegebiet, in dem jede andere Nutzung, zum Beispiel für Einzelhandel, ausgeschlossen ist.

Noch besteht eine kleine Chance, dass das Unternehmen die Neckarstdat nicht verlässt. "Die Tür ist nicht zugeschlagen", betont Zieger und hat den Vorstand in einem Brief um weitere Gespräche gebeten. Und auch Ritter kann sich ein Bleiben in Esslingen vorstellen, vorausgesetzt, die Stadt könne der Firma ein Angebot machen, das "unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht weit entfernt von den anderen ist".