Lokale Wirtschaft

Stadthalle mit "Caterer" statt Pächter

"Caterer" sind im Trend. Etliche Hallen und "Locations" setzen auf Bewirtschaftung durch so genanntes "Catering", zu deutsch etwa "Auftragsgastronomie". Vielerorts kommt dadurch Abwechslung in die Gastronomie bei Großereignissen, der Veranstalter hat die Wahl. Auch in der Stadthalle heißt nun die Devise: Caterer statt Pächter.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband definiert den Begriff Caterer wie folgt: Es handelt sich um einen Dienst, der "in einer Produktionszentrale zubereitete verzehrfertige Speisen sowie Getränke an bestimmte Einrichtungen oder Personengruppen und für bestimmte Anlässe" liefert. Einen gewichtigen Vorteil dieser Definition will sich die Stadt Kirchheim jetzt zunutze machen: Übernehmen Caterer die Bewirtschaftung der Stadthalle, muss nicht in eine aufwendige Küche nur investiert werden.

Der bisherige Stadthallenpächter, Peter Bissinger, hat nach 12-jähriger Tätigkeit das Terrain geräumt und dabei auch die Küche mitgenommen, die er nach eigenen Angaben im Jahr 1994 von der Firma Fundus, Inhaberin der Stadthalle, abgekauft und erweitert hat.

Ab sofort hat die Stadt Kirchheim, die die Stadthalle nun offiziell pach-tet, das Sagen bezüglich der Bewirtung. Im Gemeinderat entschloss man sich, via Anzeige einen Caterer zu suchen, dessen Speise- und Getränkeangebot "mindestens dem Angebot einer gut bürgerlichen Gaststätte entspricht". Der oder die Caterer müssen ein Konzept vorlegen sowie entsprechende Küchenausstattung und personelle Kapazität nachweisen, die die Bewirtung von 200 bis zu 650 Personen gewährleisten. Auftraggeber ist der Hallennutzer. Da die Stadt Miete zahlt, will sie auch etwas einnehmen: Fünf Prozent Umsatzbeteiligung sind gefor-dert ein Anteil, der auch die Be-wirtschaftung kleiner Veranstaltungen ohne großes Essensangebot noch rentabel machen soll.

"Dieses Konzept bietet Variationsmöglichkeiten für die jeweiligen Veranstalter", sieht Kulturamtsleiter Steffen Weigel klare Vorteile in der Möglichkeit, mal abzuwechseln. Was ihm und den politisch Verantwortlichen vorschwebt, ist ein offener Pool aus Caterern, die sich im Speisenangebot und auch im Preisgefüge durchaus unterscheiden. "Ein Hallennutzer kann gern auch den Caterer seiner Wahl mitbringen, wenn dieser unseren Bedingungen entspricht", sagt Weigel.

Dass das Konzept funktionieren kann, wurde anhand von Hallen in der Region bereits überprüft. Viele, die mit Caterern kooperieren, stellen diesen eine komplette Küche zur Verfügung. Das allerdings ist nicht nur kostspielig in der Anschaffung, sondern auch aufwendig in der Kontrolle nach Verlassen des "Tatorts". Sollte sich die Hoffnung von Verwaltung und Ratsrund auf ein variantenreiches, qualitativ hochwertiges Bewirtschaftunsangebot nicht erfüllen, lässt sich der Weg notfalls schnell korrigieren, gibt Weigel zu bedenken: "Wir können jederzeit zu einem normalen Pachtverhältnis zurückkehren." Natürlich ist der Kulturamtsleiter vom neuen Weg überzeugt und zuversichtlich, dass die bereits gemeldeten Großveranstaltungen perfekt laufen werden.

Neue Möglichkeiten eröffnet die Stadt übrigens auch im Foyer. Dort besitzt sie nämlich eine Theke, an der Vereine oder auch Privatleute künftig in Eigenregie Bewirtung organisieren dürfen. "Dieser Wunsch ist vielfach an uns herangetragen worden", sagt Weigel. Wer beispielsweise "nur" ein Konzert veranstaltet, braucht nicht unbedingt einen Caterer für die kleine Pausenbewirtung.

Die veranstaltungsfreie Sommerpause soll nun für die Regelung des Catering-Systems genutzt werden, damit sich die Neuerung bis zur Ballsaison eingespielt hat. Schließlich weiß man in Verwaltung und Ratsrund sehr wohl, was mit der Stadthalle auf dem Spiel steht: "Wenn etwas nicht in Ordnung ist, fällt's auf die Stadt zurück", bringt es Steffen Weigel auf den Punkt.