Lokale Kultur

Stadtkapelle brillierte mit bravourösen Soli

KIRCHHEIM Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe Kunst & Kultur am Schloss spielte die Stadtkapelle Kirchheim zu ihrer traditionellen Sommer-Serenade auf, dieses Jahr

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RENATE SCHATTEL

nicht auf dem Marktplatz, sondern im eigens für eine Woche zum Open-Air-Theater umfunktionierten Marstallgarten. Wurde zwar das Bangen um die Witterung eine halbe Stunde vor Beginn tröpfelte es noch zur Zitterpartie, so erwies sich das abwechslungsreiche und beschwingte Konzert der preisgekrönten Kapelle unter dem Dirigat von Harry D. Bath alles andere als eine Zitterpartie.

Mitten in historischem Ambiente von Stadtmauer, Marstall, Renaissance-Schloss der Dachgiebel des Alten Hauses lugte neugierig herein legte das bestgestimmte Ensemble eine bravouröse Darbietung hin, die so weit auch den Wettergott erwärmte, als er immerhin gelegentlich den blauen Himmel durchscheinen ließ. Getröpfelt haben angesichts der heißen Rhythmen keine Regentropfen mehr, aber bis zum Schluss Zuhörer, die sich quer durchs ganze Innenstädtle magisch angezogen fühlten.

Zu Beginn ertönte der amerikanische Marsch "The Thunderer" von John Philipp Sousa mit schönen lyrischen Linien in den Tiefen und dynamisch fein ausgearbeitet. Durchs Programm führte kenntnisreich Stefanie Rauschnabel hin zur Ouvertüre von Leonard Bernsteins Musical Candide. Glanzvoll arbeitete die Stadtkapelle die kuriosen Flötentonfolgen heraus, ordnete sich exakt dem herausfordernden Rhythmus unter und bestach in allen Registern. Für Posaune und Blaskapelle bearbeitet erklang sodann "Something" von George Harrison. Hubert Rauschnabel ließ sein Instrument traumhaft weich und gefühlvoll singen und das begleitende Tutti-Ensemble stand ihm in nichts nach Sommerfeeling pur. Mit der Carmen-Suite von George Bizet wurde der Marstall-Garten endgültig in eine spanische Arena verwandelt, die anstatt von mutigen Toreros von exquisiten Solisten aus den eigenen Reihen bestückt wurde.

Eine sehnsuchtsvolle Solo-Oboe, astreine Trompetenfanfaren, bestechende Piccoloflöten und die ganze Palette der Einzelstimmen kontrastierte mit dem durchsichtigen Klang des Orchesters beeindruckendes Glanzstück des Abends, das dann klanglich von jazzigen Mambo-Rhythmen abgelöst wurde und schließlich vollends im Big-Band-Sound des Benny Goodman ihren nächsten Höhepunkt fand. In "Memories" brillierten die sinfonischen Stadtkapellenspieler mit "abgehangenen" Jazz-Soli und entspannenden Melodien, nicht ohne die professionelle Reinheit in Tongebung und Rhythmus zu vernachlässigen. Ein Abend ging zu Ende mit bravourösen Solisten, die im ebenso bravourösen Tutti aufgingen, ganz unverkrampft, locker in Fingern und Mündern, solide geführt von Harry D. Bath und nur Minuten nach dem Konzert fing es wieder an zu tröpfeln.