Lokale Wirtschaft

Stadtnahes Wohnen wird wieder attraktiv nicht nur bei den Älteren

Wie sich die Preise bei Wohnungen und Häusern im Landkreis Esslingen entwickeln, dokumentiert die Kreissparkasse in ihrem Immobilienspiegel. Als größter Immobilienvermittler im Landkreis hat die Kreissparkasse im laufenden Jahr rund 400 Wohnungen und Eigenheime mit einem Marktwert von insgesamt mehr als 75 Millionen Euro vermittelt und diese Daten in die Preisübersicht einfließen lassen.

KREIS ESSLINGEN Die Angaben des neuesten Immobilienspiegels stellen Anhaltswerte dar: Je nach Ausstattung, Verfügbarkeit, Lage oder Zustand sind Abweichungen nach oben oder unten möglich. Der Immobilienpreisspiegel kann über das Internet unter www.ksk-es.de kostenlos abgerufen und von dort bequem ausgedruckt werden.

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Wer gedacht hatte, die erhöhte Mehrwertsteuer würde die Nachfrage am Immobilienmarkt verringern, sah sich getäuscht. "Die Mehrwertsteuer-Erhöhung an sich blieb ohne nennenswerte Auswirkungen", berichtet Michael Vogt, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Esslingen. Allerdings habe die Mehrwertsteuer im Zusammenspiel mit dem Wegfall der Eigenheimzulage und den erhöhten Baukosten bei weiter leicht steigendem Zinsniveau zu einer unerfreulichen Entwicklung geführt: Für manche Haushalte wird es immer schwerer, sich den Traum vom Wohnen in den eigenen vier Wänden zu erfüllen.

"Ein Trend zeichnete sich im Jahr 2007 besonders deutlich ab: "Stadtnahes Wohnen wird wieder attraktiv", erläutert Michael Vogt. Von einer allgemeinen "Flucht vom Land" will der Finanzexperte zwar noch nicht reden. Andererseits werde der Trend "Zurück in die Stadt" gleich von mehreren Faktoren verstärkt. Er nennt den Wegfall der Pendlerpauschale und die höheren Kraftstoffpreise als Beispiele. Außerdem spiele die gute städtische Infrastruktur bei vielen Immobilieninteressenten eine Rolle. "Die sogenannten weichen Standortfaktoren werden immer wichtiger. Dazu gehört auch, in der Nähe des Arbeitsplatzes zu wohnen und den öffentlichen Nahverkehr nutzen zu können", sagt Vogt. Weiter erklärt er, dass es nicht nur die "Generation 55 plus" oder junge Familien mit Kindern in die Kernstädte zieht.

Die Anziehungskraft der Stadt wirke sich spürbar auf die Immobilienpreise auf dem Land aus. "Wir stellen dort auch in Neubaugebieten teilweise eine ausgesprochen verhaltene Nachfrage fest", sagt Michael Vogt. Im Vorteil seien Immobilienbesitzer, die ihre Häuser oder Wohnungen modernisiert und auf den Stand der Technik gebracht hätten. "Mit Hilfe des ab 2008 verbindlich eingeführten Energieausweises werden Kaufinteressenten sehr genau vergleichen, wie es um die Energieeffizienz ihres künftigen Heims bestellt ist", begründet er und ergänzt: "Der Trend zur Modernisierung von Altbauten hat sich jedenfalls fortgesetzt."

Markus Deutscher, Leiter des Immobilienbereichs der Kreissparkasse, weist auf die allgemein geringe Neubautätigkeit im Landkreis hin. Dennoch wiesen Esslingen, Plochingen, Nürtingen, Kirchheim und das Fildergebiet teilweise eigenständige Entwicklungen auf.

Komfortabel ausgestattete und großzügig geschnittene Drei- bis Vier-Zimmer-Stadtwohnungen gehören in Kirchheim zu den gefragten Objekten. Stabil ist außerdem die Nachfrage nach Einfamilienhäusern zwischen 300 000 und 500 000 Euro bei entsprechendem Renovierungszustand. In den gefragten Lagen wie zum Beispiel "Rauner", "Milcherberg" oder "Im Paradiesle" werden höhere Kaufpreise gehandelt. Durch das vergleichsweise geringe Angebot an preisgünstigen Doppel- und Reihenhäusern hat sich hier ein ausgesprochener Verkäufermarkt gebildet.

Ähnlich gestaltet sich die Situation in Wendlingen und Köngen. Der Immobilienmarkt Weilheim erfreut sich dank vieler Infrastrukturvorteile einer insgesamt guten Nachfrage. Als interessanten Markt für Käufer bezeichnet der Leiter des Immobilienbereichs das Lenninger Tal. Aufgrund der dort eher verhaltenen Nachfrage werden hier immer wieder preiswerte Einfamilienhäuser und Doppelhäuser in bevorzugter Lage angeboten.

Der Immobilienmarkt in Nürtingen ist von der nach wie vor anhaltend lebhaften Nachfrage nach gebrauchten Einfamilienhäusern in der Preisklasse bis zu 300 000 Euro gekennzeichnet. In den gefragten Höhenlagen wie etwa am Säer oder Steinenberg werden auch deutlich höhere Kaufpreise erzielt. Bei den Eigentumswohnungen sind vor allem 3,5-Zimmer-Wohnungen bis zu 145 000 Euro gefragt. Das Nürtinger Umland profitiert nach Ansicht des Immobilienexperten von der Nähe zum Flughafen und zur neuen Messe sowie von der guten Anbindung an Stuttgart.

pm