Lokale Wirtschaft

Stärken von Mädchen fördern

Die Frage, wie Mädchen in den Haupt- und Förderschulen frühzeitig in Fragen der Berufsorientierung unterstützt werden können, stand im Mittelpunkt einer Fachveranstaltung im Esslinger Landratsamt.

KREIS ESSLINGEN Zusammengekommen waren auf Initiative der Landkreisverwaltung gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt und den Jugendagenturen im Landkreis über 50 Schulleiter, Lehrer und Schulsozialarbeiter mit Vertretern der Jugendarbeit und Jugendberufshilfe, der Wirtschaft und der Arbeitsverwaltung. Das Ziel ist eine enge Kooperation von Schule und Jugendhilfe. Die Fachveranstaltung sollte dazu dienen, Ansätze zu entwickeln und auszutauschen, um Mädchen verstärkt in ihren Fähigkeiten und Interessen zu fördern und gezielt auf den Übergang von der Schule und in den Beruf vorzubereiten.

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Kooperationen sollten gefördert, Maßnahmen- und Projektideen entwickelt und Finanzierungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Nach Vorstellung einer Arbeitsmarktanalyse, einem Erfahrungsbericht der Berufsberatung und einer Darstellung der Ausbildungsmöglichkeiten der IHK und Handwerkskammer wurden modellhaft Projekte in Kooperation von Schule, Frauenbeauftragter, Jugendarbeit und Jugendberufshilfe vorgestellt. Deutlich zeigte sich dabei die Notwendigkeit, Mädchen schon ab der fünften Klasse gezielt zu fördern, ihr Berufswahlspektrum zu erweitern und gemeinsam mit ihnen ihre Interessen und Stärken herauszuarbeiten.

Beim Blick auf die Elternarbeit wurde deutlich, wie nötig hier neue Wege sind, nachdem Eltern für Jugendliche in Sachen Berufswahl zwar wichtige, aber oftmals wenig informierte Ansprechpartner sind. Die Mädchen wollen am meisten im Verkauf, im Büro oder als Friseuse arbeiten. Für kaufmännische Berufe reichen bei den Mädchen aus den Haupt- und Förderschulen oft die Qualifikationen nicht aus oder es gibt zu wenig Ausbildungsplätze. An Berufe im gewerblich-technischen Bereich denken nur wenige Mädchen, viele Eltern können sich solche Berufsfelder nicht für ihre Töchter vorstellen. Projekte zeigen aber, dass Mädchen, die an technische oder handwerkliche Tätigkeiten herangeführt werden, dafür durchaus Interesse entwickeln.

Wenig Eigeninitiative in Sachen berufliche Ausbildung und begrenzte oder unrealistische Vorstellungen fallen bei vielen Mädchen auf. Manche retten sich in die Vorstellung von Heirat und Schwangerschaft. Um für Mädchen aus Haupt- und Förderschulen Ausbildungschancen zu schaffen, pflegen ihre Schulen Kontakt zu Betrieben, arrangieren Praktika und laden Berufsberatung, IHK und Handwerkskammer ein. In Projekten mit Jugendhäusern, der Jugendberufshilfe und Frauenbeauftragten werden Bewerbungsunterlagen entworfen und Bewerbertrainings gemacht.

Internetrecherchen oder weibliche Auszubildende, die ihre Berufe vorstellen, sollen helfen, das Berufswahlspektrum der Mädchen zu erweitern. Gearbeitet wird mit Kompetenz- und Interessensanalysen und gezielten Förderplänen. Beim Girlsday können Mädchen in Betrieben Arbeitsbereiche kennen lernen. Das Computer-Mobil des Kreisjugendrings unterstützt bei der Heranführung an PC und Internet. Über positive Erfahrungen wurde berichtet mit einer Berufsinformationsmesse als schulischem Event für Eltern und Schüler oder mit der Gewinnung von Paten und Mentoren, die die Mädchen individuell auf ihrem Weg in die Ausbildung unterstützen. Weitere Ideen für gemeinsame Projekte und Absprachen zwischen den Kooperationspartnern sind im Laufe der Fachveranstaltung entstanden. Ein erstes praktisches Ergebnis ist die Einrichtung eines Forums im Internet-Jugendportal Romeo und Julia, vernetzt mit dem Ausbildungsportal des Landkreises. Hier können Schulen und Einrichtungen ihre Projektideen, Kooperationen und Finanzierungsmöglichkeiten eintragen, als Austauschmöglichkeit und Anregung. Das Staatliche Schulamt und der Landkreis als Impulsgeber werden die Haupt- und Förderschulen bei der Entwicklung mädchenspezifischer Berufsberatungsansätze und gezielter Fördermöglichkeiten unterstützen. Erfahrungs- und Informationsaustausch und eine weitere Fachveranstaltung sind als nächste Schritte im Landkreis geplant.

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