Lokale Kultur

Stilistische Etappen

KIRCHHEIM Unter den Aspekt der Annäherung hatte Dr. Horst Zimmermann seinen Lichtbildervortrag gestellt, in dem er sich Leben und Werk Rembrandts widmete. Dabei legte er den Fokus insbesondere auf die Entwicklung des persönlichen Stils des niederländischen Meisters.

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FLORIAN STEGMAIER

Abzulesen war dies unter anderem an vier markanten Gemälden aus ebenso vielen Lebensjahrzehnten Rembrandts, allesamt Gruppenbildnisse und teilweise thematisch miteinander verwandt: "Die Anatomie des Dr. Tulp", ein Werk des 26-jährigen Künstlers, die zehn Jahre später entstandene "Nachtwache", "Die Anatomie des Dr. Deyman" aus dem Jahre 1656 damals war Rembrandt fünfzig Jahre alt , sowie die "Staalmesters" aus dem Jahre 1661.

Anhand dieser von Zimmermann als Fixpunkte der künstlerischen Entwicklung ausgewählten Werke, zeigte er mittels detaillierter Betrachtungen und ohne die früheren Gemälde in irgendeiner Form in Abrede zu stellen stilistische Etappen im Rembrandtschen Oeuvre auf. Zwischen der "Anatomie des Dr. Tulp" und den "Staalmesters" lägen regelrechte "Quantensprünge". Dabei verwies der Referent insbesondere auf die Umsetzung von Gesichtern und Gestik sowie auf die Effekte des temperamentvollen jungen Rembrandt im Gegensatz zur Gelassenheit des reifen Meisters.

Diesen Reifeprozess führte Horst Zimmermann auch mit einer Folge Rembrandtscher Selbstbildnisse deutlich vor Augen: von den frühen Radierungen und Ölgemälden, in denen sich der Künstler mit prachtvoller Gewandung und diversen Accessoires nicht gerade uneitel inszeniert bis hin zu den Altersbildern, in denen Rembrandt sich in einer schlichten Würde, in einer möglicherweise durch Resignation erlangten Abgeklärtheit zeigt.

In der eingehenden Betrachtung des Gemäldes "Isaak und Rebekka", das auch unter dem irreführenden Titel "Die Judenbraut" bekannt wurde, entwickelte Zimmermann die grundlegende Beobachtung, dass Rembrandt in seiner Frühzeit Gesichter und Gestalten relativ genau und perfekt gemalt habe, wohingegen er in seiner Spätzeit Details vermehrt offen lässt und damit den Betrachter deutend in das Bild hinein ziehen und denkend einbinden wolle.

Ein vierter inhaltlicher Anlauf mit ausgewählten Radierungen und Gemälden biblischer Themen verdeutlichte diese signifikante Entwicklung zu Rembrandts Altersstil. Seinen gleichermaßen profunden wie ausführlichen Vortrag schloss Horst Zimmermann mit dem letzten, unvollendet gebliebenen Gemälde Rembrandts, dem Bild des greisen Simeon mit dem Jesuskind im Tempel. Als Rembrandt starb, stand es noch auf seiner Staffelei. Zimmermann würdigte das Werk als eine Quintessenz des Altersstils und deutete es zudem als Ausdruck der persönlich empfundenen Todessehnsucht des Malers.