Lokale Wirtschaft

Stimmung passte sich Temperaturen an

Der lang anhaltende Winter lähmt nicht nur die Natur, sondern offensichtlich auch die Kauflust. "So schlecht war ein Märzenmarkt noch nie", musste Kirchheims Marktmeister Kölle melden.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM "Der kalte Wind pfeift einem nicht schlecht um die Ohren" zu dieser Feststellung gelangten gestern viele Besucher des Märzenmarktes. Deswegen verkauften die Händler jedoch nicht zwangsläufig mehr Wollmützen, Schals oder dicke Socken. "Einige Händler sprachen von einer Winterdepression. Nicht nur auf dem Kirchheimer Markt fehlen die Kunden", sagt Jürgen Kölle.

So sah man auch in Kirchheim selten, dass ein Handel zustande kam. Die Pullover stapelten sich zur Mittagszeit noch auf den Tischen und die Hosen schwangen meist unbeachtet munter im Wind. "Eigentlich müssten wir die Frühjahrsware präsentieren, aber bei der Witterung kauft die kein Mensch. Deshalb haben wir noch die Winterkleidung mitgebracht", erklärt ein Händler seinem Kunden. Doch bei der lang anhaltenden Kälte hat sich offensichtlich schon jeder mit warmen Jacken oder Handschuhen ausgestattet. Zu Dutzenden sah man beispielsweise "Inka-Mützen" an der Aufhängung baumeln.

Obwohl wegen der Baustellen in der Innenstadt mehrere Plätze weggefallen sind, blieben zudem noch rund 20 Standplätze leer. Einige Stammhändler hatten sich wegen Krankheit abgemeldet, und anderen, vor allem die Weitgereisten war die Witterung zu unbeständig. Sie blieben deshalb zu Hause. Insgesamt fanden 180 Händler den Weg in die Teckstadt.

Auch die Schausteller auf dem Ziegelwasen hätten sich regeren Zulauf gewünscht. "Die Massen haben einfach gefehlt", so die Einschätzung von Marktmeister Kölle. Einige Schausteller äußerten die Vermutung, dass die Zurückhaltung mit Hartz IV zusammenhängt. "Die Leute müssen offensichtlich sparen", sagt Jürgen Kölle.

Die landwirtschaftliche Tradition des Märzenmarktes hielten gerade noch zwei Händler aufrecht. Konnten vor Jahren die Bauern noch Vieh auf dem Ziegelwasen kaufen, so findet sich heute nur noch landwirtschaftliches Zubehör. "Es gibt noch einen gewissen Kundenstamm dafür", freut sich der Marktmeister.