Lokale Kultur

Streiche mit Sekundenkleber und Übersinnliches

KIRCHHEIM Über ganz besonders interessierte Theaterbesucher konnten sich gestern Katja Schaefer und Harald Geil vom Ensemble der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB) freuen. Neben

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ganz "normalen" Schulklassen waren schließlich auch die Mitglieder einer Theater-AG im Publikum, die genau verfolgten, wie ihre "Kollegen" aus dem Profilager mit der schwierigen Aufgabe fertig werden, in Windeseile in verschiedenste Rollen zu schlüpfen und sich genau so schnell wieder zurückzuverwandeln.

Auf dem Programm der "Kirchheimer Kinder- und Jugendtheatertage" stand gestern im Vortragssaal der Stadtbücherei das in der Regie von Edith Ehrhardt präsentierte Theaterstück "Matilda" nach dem Buch von Roald Dahl. Im Mittelpunkt der Handlung steht dabei die blitzgescheite Matilda, die unter ihren eher etwas "unterbelichteten" Eltern leidet. Wenn sie nicht gerade Hüte mit Sekundenkleber einschmiert oder Vaters Haartonikum mit Mutters Färbemittel vertauscht, ist sie ein aufgewecktes Kind, dem durchaus nachgeahmt werden sollte.

Statt dauernd vor dem Fernseher zu hocken wie ihre Eltern entdeckt sie den Zauber des Lesens, durch den sie sich aus der Enge des Elternhauses befreien und in die weite Welt versetzen lassen kann. Welche Schätze es in einer Stadtbücherei zu entdecken gibt, lernt sie schnell und ist daher allen weit voraus, als sie in die Schule kommt. Dass sie dann auch noch übersinnliche Kräfte entdeckt, von denen sie ungeniert Gebrauch macht, wird ihr ohnehin niemand nachmachen und so sind die zu erwartenden Nebenwirkungen und Risiken des gestrigen Auftritts von Katja Schaefer und Harald Geil leicht zusammenzufassen.

Der Besuch in der Stadtbücherei und der Hinweis auf die Wirkung, die von Büchern ausgehen kann, könnte manche Schüler dazu anregen, öfter einmal dorthin zu kommen und sich über das vielfältige Angebot hindurchzulesen. Die perfekte Vorstellung, mit der die beiden Schauspieler ohne große Hilfsmittel die Besucher der Theateraufführung in ihren Bann zogen, könnte in vielen Neugierde geweckt haben, das einfach auch einmal zu probieren. Der Wunsch, öfter einmal in eine solche Vorstellung gehen zu dürfen, könnte genauso verstärkt worden sein, wie das Interesse an der Teilnahme an einer schon vorhandenen oder noch zu gründenden Theater- AG.

Wie einfach es ist, gleichzeitig "Matilda", "Erzählerin", "Frau Wurmwald" und "Lavendel" zu sein, vermittelte die vor Spielfreude sprühende Karen Schaefer genauso wie Harald Geil, der als "Erzähler", "Herr Wurmwald", "Bibliothekarin Frau Phleps", "Fräulein Honig", "Frau Knüppelkuh" und "Hortensia" überzeugte und sich nicht einmal durch eine zerbrochene Tasse aus dem Konzept bringen ließ.

Wie schwierig es sein kann, etwas nachzumachen, was so leicht und unangestrengt wirkt, werden die künftigen Schauspieler dann schon bald selbst merken. Lust an Theater konnte mit der rundum gelungenen Vorführung auf jeden Fall geweckt werden und für das ihnen bereitete Vergnügen bedankten sich die neu gewonnenen Theaterfans gestern auch mit begeistertem Beifall.