Lokale Kultur

Streiter wider den musikalischen Ernst

KIRCHHEIM Vier Herren in kompromisslosem Schwarz, gegürtet mit scharlachroter Schärpe, gewappnet mit mächtigen Rohren dann womöglich noch ein Blick auf den ers-

Anzeige

GERHARD FINK

ten Programmtitel: "Einzug der Gladiatoren". So manchem Besucher des zweiten Abonnementkonzerts könnte in der Kirchheimer Stadthalle zu Beginn ein leichter Schauer über den Rücken gelaufen sein.

Es genügten freilich wenige Takte, um jeden davon zu überzeugen, dass dem SWR Swing Fagottett nicht nach "High noon", sondern eher nach einer witzigen Attacke auf starre Konventionen des Konzertbetriebs zu Mute war. Ein rundum gelungener musikalischer Spaß wurde der Abend in der Kirchheimer Stadthalle vor allem deshalb, weil zwischen Humor und Schabernack jede Menge instrumentale Brillanz durchscheinen konnte. Das gebotene Repertoire sorgte nicht nur für Kurzweil auf hohem Niveau, es eröffnete auch den Klangraum, um die instrumentale Klasse der SWR-Virtuosen ins rechte Licht zu setzen. Dies gilt zuerst für das "Stamminstrument" Fagott, das Georg ter Voert senior, Libor Sima, Hanno Dönneweg und Georg ter Voert junior mühelos vom Image des unbeholfenen Brummers unter den Holzblasinstrumenten befreiten. Das warme Timbre, die Klangfülle und die aus spieltechnischer Perfektion resultierende Beweglichkeit verliehen den vorgetragenen Arrangements aus Klassik, Jazz und gehobener Unterhaltungsmusik durchgehend eine hohe Stimmigkeit.

Für weitere Glanzlichter sorgte die Vielseitigkeit der Musiker, die sich zusätzlich als tüchtige Pianisten und E-Gitarristen, als hochvirtuose Xylofon-Spieler und Saxofonisten profilierten. Derart entfesselt hat man die "Erinnerung an Zirkus Renz" oder Montis "Csardas" kaum je gehört.

Dass bei so viel Lust am Musizieren der Moderator Wolfgang Milde nicht an der Rollenteilung Musiker-Sprecher festhalten wollte, erscheint verständlich. So erzeugte er mittels Blockflöte die unverzichtbaren Spitzentöne im Straußwalzer "Im Krapfenwaldel" und ergründet als genialisch angehauchter Dirigent die metaphysische Tiefensphäre von "Teetanz im Landschlösschen".

Aber auch mit dem "Kerngeschäft", dem Umgang mit dem geschliffenen Wort, hatten seine Beiträge wesentlichen Anteil am Erfolg des Abends. Insbesondere seine Büttenrede aus dem Eiskeller schwäbisch-protestantischer Karnevals-Ignoranz wird in Erinnerung bleiben.