Lokale Wirtschaft

Strom für rund 600 Haushalte

"Die Stadt Leinfelden-Echterdingen treibt mit Nachdruck die alternative Strom- und Wärmegewinnung voran". Bürgermeister Gerhard Haag sieht hier Nachholbedarf, der möglichst rasch aufgeholt werden müsse. Bereits Mitte nächsten Jahres soll das erste Biogas-Kraftwerk im Echterdinger Norden ans Netz gehen.

LEINF.-ECHTERDINGEN Umweltfreundlich, durch den Gärungsprozess nachwachsender Rohstoffe, wird in dem Kraftwerk Biogas erzeugt, das über zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) zur Stromerzeugung verwendet wird. Die dabei erzeugte Strommenge entspricht dem jährlichen Strombedarf von etwa 600 Haushalten.

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Die Abwärme der Heizkraftwerke wird zur Wärmeerzeugung genutzt. Die Stadtwerke wollen durch den Wärmebezug von der Biogasanlage jährlich für 100 000 Euro weniger Erdgas beziehen als bisher. Stadtwerke und Landwirte arbeiten bei dem etwa 1,7 Millionen Euro teuren Projekt Hand in Hand. Wie die beiden Stadtwerke-Geschäftsführer Schauer und Feucht im Stadtwerke-Ausschuss berichteten, werden derzeit die Angebote für die Anlage eingeholt.

Außerdem wird am Gesellschaftsvertrag gefeilt, denn die Stadtwerke und die örtliche Landwirtschaft wollen das Biogaskraftwerk in einer GmbH betreiben, in der voraussichtlich zwölf Landwirte die knappe Mehrheit der Anteile halten werden. Mit der Grundsatzentscheidung in Sachen Beteiligung wird in der nächsten Sitzung des Stadtwerke-Ausschusses nach den Sommerferien gerechnet. Parallel dazu läuft derzeit das Baugesuch.

Erwartet wird, dass das zukunftsweisende Energieprojekt bis zur Gemeinderatssitzung im Oktober soweit vorbereitet ist, dass der Rat darüber abstimmen kann. Bis zum Baubeginn im Frühjahr können die beteiligten Bauern den nachwachsenden Rohstoff anbauen, mit dem die Energie erzeugt werden soll.

Den Biogasstrom will die Betreibergesellschaft in das Netz der EnBW einspeisen, was eine sichere Einnahme garantiert. Für den Bau der Anlage ist ein Grundstück nördlich der B 27 vorgesehen. "Dadurch entsteht die Möglichkeit, auch das bisherige Stadiongelände, das nach Verlagerung der Sportanlagen bebaut werden soll, mit Wärme zu beliefern", sagt Geschäftsführer Schauer.

Eine eigene, mit Erdgas befeuerte, moderne Brennwert-Kesselanlage beliefert bereits heute die Gärtlesäcker mit Fernwärme. Beliefern und betreiben sollen die Landwirte das Biogas-Kraftwerk. Benötigt werden jährlich etwa 6 500 Tonnen Substrat. Gewonnen wird das zur Vergärung kommende Substrat aus Gras, zum Beispiel der städtischen Grünanlagen, und speziell für die Energiegewinnung anzubauenden Pflanzen.

Die Landwirte haben beim Anbau der gezüchteten Pflanzen den Vorteil, dass sie diese auch auf den Zwangsstilllegungsflächen anbauen können. Auf zehn Prozent ihrer Flächen dürfen die Landwirte keine Lebensmittel anpflanzen. Einer sinnvollen Nutzung können dank der Biogasanlage auch die Wiesen zugeführt werden, deren Gras durch den Rückgang bei der Viehhaltung immer weniger genutzt werden konnte.

ez