Lokale Kultur

Suche nach Sinnebenen

Fotografie-Werkstatt „Fundación ph15“ im Kornhaus in Kirchheim

Kirchheim. Über das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft wird gern vollmundig gesprochen. Fruchtbar ist die Schnittstelle aber nur da, wo weniger idealisiert als

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Florian Stegmaier

konkret gehandelt wird, wo kreativer Impuls mit gesellschaftlicher Realität tatkräftig zusammenfällt. Mit der Fotografie-Werkstatt der argentinischen „Fundación ph15“ stand eine solchernst zu nehmende Initiative im Mittelpunkt eines Vortrags im Kirchheimer Kornhaus. Unter verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten die Referenten Stephanie Garff und Henning Hauke die Arbeit dieses sozial-künstlerischen Projekts.

Nach ihrem Abitur im letzten Jahr führte Stephanie Garff ein sechsmonatiger Aufenthalt nach Buenos Aires. Dort hatte sie Gelegenheit, die „Fundacíon“ genauer kennenzulernen. Als unabhängige Organisation wurde „ph15“ vor neun Jahren im Armenviertel „Ciudad Oculta“ gegründet. Man stellt dort jungen Menschen im Alter von 10 bis 21 Jahren Fotomaterial unentgeltlich zur Verfügung und lässt ihnen bei der Wahl der Motive freie Hand. Sie werden lediglich gebeten, die Kamera in ihrem Alltag ständig bei sich zu führen, egal ob in der Schule, auf Ausflügen, in den Straßen oder zu Hause bei der Familie.

Einmal in der Woche trifft sich die Gruppe, um die Fotografien anzusehen und auszuwerten. In diesen Workshops finden die Jugendlichen nicht nur technische und künstlerische Hilfestellung, sie lernen auch Freunde und menschliche Vorbilder kennen.

Ein sozialer Raum entsteht, in dem man sich angenommen fühlen und persönliche Sichtweisen darstellen kann. Das Leben der Jugendlichen bekommt Rhythmus und Struktur. Grundvoraussetzungen, auf denen Vertrauen und Sicherheit wachsen können und sich letztlich eine Identitätsfindung vollziehen kann.

Neben den regelmäßigen Workshops in zwei Armenvierteln von Buenos Aires bietet die „Fundación ph15“ spezielle Workshops mit selbst gebauten Lochkameras an, die an Schulen aber auch in Gefängnissen stattfinden. Fotoausstellungen bilden einen wesentlichen Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Von jedem verkauften Bild geht eine Hälfte des Erlöses an die Stiftung, die andere an den Fotografen.

Henning Hauke, seines Zeichens Kunstpädagoge und derzeit mit einem Forschungsprojekt an der Alanus-Hochschule in Alfter befasst, zeigte einen repräsentativen Querschnitt der so entstandenen Fotografien und sprach aktuelle Fragen der Bildtheorie an.

Im Dialog mit den Besuchern wurden Näherungen an die Bilder vollzogen und der Versuch unternommen, individuelle „Sinnebenen“ zu erschließen. Das Phänomen der Unschärfe stand als ästhetische Dimension ebenso im Fokus, wie die Betrachtung von Aufnahmen, die nachts oder während der Dämmerung entstanden sind. Charakteristisch für alle Bilder sei, dass sie ein gesellschaftliches Milieu aus der unverstellten Innenperspektive zeigten, führte Henning Hauke aus.

Fotografien des Projekts „Fundación ph15“ sind in Kirchheim noch bis Freitag, 12. Juni, im Café am Schlossplatz zu sehen. Aktuelle Einblicke und Ausstellungsinformationen bietet die Homepage der Stiftung www.ph15.org.ar.