Lokale Kultur

"Symphonic Movement" und "Das Tragische" stehen im Mittelpunkt

KIRCHHEIM Mit dem "Concerto" hat es sich die Kirchheimer Stadtkapelle zur Aufgabe gemacht, hochwertige Werke der sinfonischen Blasmusik einer breiten interessierten Zuhörerschaft zu präsentieren. Nach der erfolgreichen ersten Auflage im vergangen Jahr hat die Stadtkapelle nun wieder ein anspruchsvolles Programm erarbeitet. Das Concerto beginnt am Samstag, 1. April, um 20 Uhr in der Kirchheimer Stadthalle. Klassischerweise wird es mit einer Ouvertüre eröffnet.

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"Roman Carnicval" von Hector Berlioz entstand im Nachklapp zu seiner nicht besonders erfolgreichen ersten Oper "Benvenuto Cellini". Das thematische Material dazu entnahm er direkt der Opernpartitur, variierte und ergänzte es und fügte es neu zusammen. Im Gegensatz zu Berlioz' Opernerstling gilt die konzertant gedachte Ouvertüre seit ihrer Pariser Uraufführung im Jahr 1844 als überaus attraktiv fürs Publikum. Verträumte Themen wechseln sich mit rasanten Melodien ab, sodass es den Zuhörern bei diesem abwechslungsreichen Stück garantiert nicht langweilig wird.

Die Teilnahme der Stadtkapelle am Wettbewerb des Landesmusikfestes, das im Mai in Villingen-Schwennignen stattfinden wird, prägt auch die Programmgestaltung des Concertos. So ist es für Stadtmusikdirektor Harry D. Bath beinahe ein Muss, die beiden Wettbewerbsstücke an diesem Abend vor Publikum zu präsentieren und damit den Stand der Vorbereitungen zu demonstrieren.

Das erste Werk ist "Symphonic Movement" von Vaclav Nelhybel. Der amerikanische Komponist tschechischer Abstammung hat zahlreiche Werke für sonfonisches Blasorchester geschrieben. Eines seiner bekanntesten Werke, "Trittico", hat der Stadtkapelle 2001 bereits zum Sieg beim Bundesmusikfest in Friedrichshafen verholfen. "Symphonic Movement" ist ein durch und durch sinfonisch komponiertes Werk. Es basiert auf einer 8-Ton-Reihe, die sich durch das gesamte Werk zu einer rhythmischen Melodie entwickelt. Das Werk stellt höchste Herausforderungen an die Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle.

Das zweite Wettbewerbsstück ist ein Teil der Dritten Sinfonie "Die Tragische" von James Barnes. Zur Aufführung kommen der dritte und vierte Satz dieser Sinfonie. Barnes verarbeitet in diesem Werk den Tod seiner Tochter "Nathalie".

Der dritte Satz ist eine Romanze für Nathalie. Mit wunderschönen Melodien, gespielt von mehreren Solo-Instrumenten malt Barnes die Welt so, wie sie gewesen wäre, hätte Nathalie in ihr gelebt. Dieser emotional erschütternde Satz zieht sicher jeden Zuhörer in seinen Bann. Der vierte Satz ist im Gegensatz dazu voller Energie und Rhythmik. Barnes feiert in ihm die Geburt seines Sohnes Billy und bringt seine gesamte Freude in ihm zum Ausdruck. In den beiden völlig gegensätzlichen Sätzen können die Musikerinnen und Musiker zeigen, welches Können sie sowohl im musikalischen wie auch im technischen Bereich besitzen.

Nach der Pause steht dann das Hauptwerk des Abends auf dem Programm. Mit "Scheherazade" von Nikolai Rimsky-Korsakov führt die Stadtkapelle die im vergangenen Jahr begründete Tradition fort, am Concerto erstklassige Werke der Musikgeschichte aufzuführen.

Die Rahmenhandlung für Rimsky-Korsakovs Werk spielt im Orient. Der Sultan Schariar ist überzeugt von der Untreue aller Frauen und hat geschworen, jede seiner Frauen nach der ersten Nacht töten zu lassen. Nur Prinzessin Scheherazade rettet ihr Leben, indem sie das Interesse des Sultans fesselt und ihm Märchen aus "Tausendundeiner Nacht" erzählt. Sie zieht den Spannungsbogen der Märchen immer so geschickt hinaus, dass der Sultan die Hinrichtung immer weiter hinausschiebt und letztendlich ganz von seinem Vorhaben ablässt.

In Rimsky-Korsakovs Werk werden die Geschichten "Das Meer und Sindbads Schiff", "Die Geschichte vom Prinzen Kalender", "Der junge Prinz und die junge Prinzessin" sowie "Festival" erzählt. Eine fabelhafte Klanggebung, schwindelerregende technische Läufe und solistische Einlagen kennzeichnen dieses Werk. Nicolay Rimski-Korsakow teilt in "Scheherazade" mehreren Holz- und Blechbläsern solistische Aufgaben zu. Das Fagott und die Oboe eröffnen mit einer etwas burlesken und dem Prinzessinnenthema verwandten Melodie den zweiten Teil, später schlagen Trompete und Posaunen mannhafte Signale an, ehe das Fagott mit einer Kadenz die anderen Holzbläser auf animierende Triolenbewegungen einstimmt.

Im dritten Teil schlägt die Stunde der Klarinette, die mit atemberaubenden Läufen und grazilen Schritten betört und schließlich die anderen Holzbläser an den Händen nimmt und zu einem schwungvollen Tänzchen verführt. Hier erzeugt Rimski-Korsakow eine wahrhaft märchenhafte Stimmung. Im Finale stimmen, nach dem Beginn des ganzen Orchesters mit dem ungeduldig wirkenden Sultan-Thema, die Flöten in tiefer Lage einen spannenden Tanz an, der sich zu einem echten Bacchanal steigert. Das letzte Wort behält aber doch die "ewige" Melodie, also Scheherazades sanfte Stimme.

Vor dem Konzert und in der Pause werden Mitglieder der Stadtkapelle die Zeit mit einem Sektausschank verkürzen. Der Erlös kommt der Kulturarbeit der Stadtkapelle zugute. Vorverkaufskarten gibt es bei der Buchhandlung Margot Schieferle.

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