Lokale Kultur

Symphonisches Orchester der Musikschule Kirchheim begeistert im Dettinger „Pfarrgarten“

Symphonisches Orchester der Musikschule Kirchheim begeistert im Dettinger „Pfarrgarten“

Dettingen. Der Auftritt des Symphonischen Orchesters der Musikschule Kirchheim unter der Stabführung von Johannes Stortz ist seit Jahren

Anzeige

ein fester Baustein im vorweihnachtlichen Kulturkalender in Dettingen. Auch in diesem Jahr wurden die überaus zahlreich erschienenen Zuhörer, die sich auch von Eis und Schnee nicht schrecken ließen, vom rund fünfzigköpfigen, noch durch einige auswärtige „Leihspieler“ ergänzten Ensemble nicht enttäuscht.

Zum Einstieg in das variationsreiche Programm des Abends erklang der Ungarische Tanz Nr. 5 (Allegro) von Johannes Brahms aus dem Jahre 1874. Inspiriert durch Themen des Geigers Reményi schuf Brahms mit diesem Opus insgesamt 21 solcher Tänze im ungarischen Volkston mit zigeunerischen Anklängen, zunächst in Klavier- und später in Orchesterfassung. Dem Orchester gelang es auf Anhieb, den „all’ ongarese“-Charakter der Tänze zu treffen: knackige, rhythmische Akzentuierungen, furiose Einwürfe der Bläser und des perkussiven Apparats, melodienseliger Schwung einerseits, feine agogische Effekte durch Verlangsamung und Beschleunigung andererseits – die Feinarbeit des Orchesterleiters war gleich in diesem Auftaktstück manifest.

Mit dem 1. Satz (Allegro moderato) von Schuberts Sinfonie Nr. 8, h-Moll („Unvollendete“) hatte sich das Orchester, das hier in voller Bläser- und Streicherbesetzung agierte, einen gewaltigen Brocken vorgenommen. Vor allem bei diesem Stück erwies es sich, dass die jungen Musiker in den letzten Jahren in puncto Zusammenspiel und Rhythmussicherheit einen großen Sprung gemacht haben. Da erklang das anfängliche Unisono-Motiv der tiefen Streicher geheimnisvoll, das berühmte Hauptthema wurde von den verschiedenen Instrumentengruppen in einschmeichelnder Tonschönheit und dynamischer Nuancierung dargeboten, es erklangen dramatische Streichertremoli und sicher hingesetzte Bläsersynkopen. Dabei gebührt vor allem den tiefen Streichern (Bratschen), die mit fast schon routinierter Rhythmusstabilität und sonorer Klangfülle aufwarteten, ein hohes Lob. So fiel es in der beachtlichen Gesamtleistung des Orchesters angesichts der harmonischen Tücken der Komposition überhaupt nicht ins Gewicht, wenn sich da und dort kleine intonatorische Trübungen einstellten.

Als echter „Rausschmeißer“ in die Pause wurde dann der Ungarische Tanz Nr. 1 (Allegro molto) von Brahms intoniert, der vor allem an die Flöte mit einem herausgehobenen Solo und in rasendem Tempo schwierig zu platzierenden Einwürfen einen hohen Anspruch stellte. Wiederum eingängige Melodik unterlegt mit exakt „getimten“ Begleitfiguren der tiefen Streicher, effektvolle Ritardandi und Accelerandi, sichere Bläser- und Schlagwerkeinsätze – eine mitreißende und mit „Schmackes“ abgelieferte Darbietung. Großer Beifall in der Halbzeit.

Nach der Pause setzten das auf kammermusikalische Dimension reduzierte Orchester und Rebecca Rohner mit ihrem erstaunlichen reifen Solo im dreisätzigen Konzert c-Moll für Sopransaxofon und Streichorchester von Benedetto Marcello (1686-1739) ein Glanzlicht. Das durchaus hörenswerte Konzert des vor allem für seine sakralen Kompositionen bekannten Bach-Zeitgenossen ist im galanten Stil etwa der weltlichen Kompositionen Vivaldis gehalten.

So bringt das einleitende Allegro moderato ein vom Orchester vorgetragenes Ritornell, das in der Folge von Soloinstrument und Tutti in verschiedene Tonarten modulierend abgewandelt wird. Schön anzuhören war hier das exakte Ineinandergreifen von Begleitung und Solosaxofon. Im bedächtigen Adagio erhob sich über fein zurückgenommenen, schwebend schwer-leichten Begleitfiguren der Streicher eine weit ausschweifende, tonschöne Kantilene des Saxofons, bevor der 3/8-Rhythmus des Schluss-Allegros mit hurtigen Sechzehntel-Läufen im Solo über munterem und bruchlosem Fluss der Begleitung den viel beklatschten Höhepunkt brachten.

Wie in jedem Jahr machte Dirigent Stortz auch diesmal wieder einen vom Publikum gerne angenommenen Abstecher in die U-Musik. Zunächst erklang die von Klaus Badelt/Hans Zimmer komponierte Filmmusik zum Film „Fluch der Karibik I – The Course of the ’Black Pearl’“ (2003), in einem Arrangement von Ted Rickets. Hier war es eine reine Freude, wie engagiert die Jungmusiker auf ihrem Instrument „zur Sache“ gingen, dabei aber nie den musikalischen Faden verloren: gut bewältigte knifflige Eingangsrhythmik, ein glockenreiner erster Blechbläsereinsatz, punktgenaue, fast martialisch wirkende Begleitfiguren von Pauken, Becken und anderem Schlagwerk, pulsierende Synkopen. Dann die das Trommelfell erschütternde Steigerung ins Klanginferno einer Piratenschlacht, wofür die etwas beengte Räumlichkeit des Dettinger Gemeindehauses sicher nicht der optimale Rahmen war. Der kollektiven Hörerbegeisterung tat dies indessen keinerlei Abbruch.

Mit dem Unterhaltungsklassiker und Evergreen „Lord of the Dance“ von Ronan Hardiman im Arrangement von Larry Moore, der vom Ensemble mitreißend gestaltet wurde, ging das Konzert zu Ende. Zarter Beginn in den hohen Streichern, durchwirkt von diversen Soli (Glocke, Flöte, Triangel), gipfelt die Komposition im Ohrwurm „Lord of the Dance“. Dabei suggerierten wirbelnde Figuren in den ersten Violinen und Schlagwerkrhythmen die „klackenden Hacken“ des begnadeten Tapdancers Michael Flatley, bevor die mehrfach wiederholte Melodie des Titelsongs die Zuhörer in Verzückung geraten ließ. Nach in Stufen angezogener Stretta zum Abschluss kannte die Begeisterung keine Grenzen. Mit einer instrumentalen Fassung von „Tochter Zion“ endete das Konzert.