Kirchheim

Tagesmütter sind mit Herzblut dabei

Umzug Schön und hell ist es, mehrere Spielecken sorgen für Kurzweil der Hauptpersonen, es gibt einen Aufzug und das Ganze ist mitten in Kirchheim gelegen: die neuen Büroräume des Tageselternvereins. Von Iris Häfner

Die Frauen des Tageselternvereins sind Ansprechpartnerinnen für Eltern und Tagesmütter.  Foto: Markus Brändli
Die Frauen des Tageselternvereins sind Ansprechpartnerinnen für Eltern und Tagesmütter. Foto: Markus Brändli

An diesem Morgen wuselt es nur so in sämtlichen Räumen des Tageselternvereins der Regionalabteilung Kirchheim. Doch es sind nicht etwa Kinder, die sich hier neugierig umschauen, sondern allesamt Erwachsene - bis auf drei „Alibikinder“ mit ihrer Tagesmutter. Der Grund: Der Verein hat offiziell zur Einweihung des neuen Büros in die Turmstraße 3 eingeladen und viele sind gekommen.

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„Ich war beim Friseur.“ Mit diesen Worten überrascht Simone Büschel, Sachgebietsleiterin Fachberatung Kindertagesbetreuung des Landratsamt Esslingen, die Gäste. Der scheinbaren Nebensächlichkeit folgt prompt die Erklärung: „Da bekommt man Zeitschriften in die Hand gedrückt, die man sonst nicht unbedingt liest.“ Und so stieß sie auf ein Thema, das erstmals 1973 in der „Brigitte“ erschienen war, und auf das in der aktuellen Ausgabe eingegangen wurde: das skandinavische Erfolgsmodell „Tageseltern“. Das wurde vor 45 Jahren vorgestellt, ebenso der erste deutsche „Versuch“. Simone Büschel bedauert, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas in diesem Bereich verändert hat. So ist die Kindertagespflege beispielsweise kein Beruf.

Um so wichtiger ist, was der Tageselternverein leistet. Hier findet fundierte Erstberatung statt - egal ob für interessierte Eltern oder diejenigen, die sich für die Tätigkeit interessieren. Dabei werden etwa die Themen Verdienst - nicht sehr üppig -, Qualifikation und Weiterbildungsmöglichkeiten angesprochen. Auch im laufenden Prozess werden die Beteiligten vom Verein begleitet, sind seine Mitarbeiterinnen die Vermittler bei Konflikten.

„So ganz von allein geht das aber nicht, es braucht auch ein bissle Geld dafür“, sagt Simone Büschel. Der Kreistag hat 1,9 Millionen Euro für den Landkreis bewilligt und auch alle 44 Kommunen fördern die Tageseltern, wenn auch mit unterschiedlichem finanziellen Engagement. Alle Fördergelder eingerechnet, auch die des Landes, beträgt der Zuschuss 6,50 Euro pro Betreuungsstunde.

Welch dicke Bretter in diesem Bereich zu bohren sind, verdeutlichte Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag: „Das Thema beschäftigt mich seit 20 Jahren. Im Kirchheimer Gemeinderat bin ich damals mit großen Augen angeschaut worden, als ich frühe Förderung für Kinder gefordert habe.“ Zwischenzeitlich sei in der Kindertagespflege eine enorme Professionalisierung erreicht, die eine qualitativ hochwertige Säule im Angebots-Kanon ist. „Der Tageselternverein bietet ein passgenaues und flexibles Angebot“, sagt Andreas Schwarz. Das sei vor allem im Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. „Erst recht, wenn wir nahezu Vollbeschäftigung haben und die Frauen in den Betrieben brauchen“, so der Grünen-Politiker.

In Baden-Württemberg nehmen knapp 22 600 Kinder solch ein Angebot bei rund 6 600 Tagespflegepersonen an. Die Tagesmütter lobt Andreas Schwarz ausdrücklich: „Da wirst du nicht reich davon, das braucht innere Überzeugung, Kinder in ihrer frühen Phase zu betreuen und zu fördern.“ Er versprach, 2020 oder 2021 über die Erhöhung des Fördersatzes zu sprechen. Ihm ist klar, dass der Betrag von derzeit 6,50 Euro nicht auf viele Jahre festgezurrt bleiben kann.

Der Verein sucht dringend weitere Tageseltern

Viele Eltern schätzen das Betreuungsmodell Tagesmütter. „Teilweise liegen schon Anmeldungen für das Jahr 2021 vor“, sagt Susanne Kurz vom Kirchheimer Büro des Tageselternvereins Kreis Esslingen. Sie sucht Frauen und Männer, die gerne mit Kindern von null bis 14 Jahren arbeiten und sie betreuen, Tageseltern werden dringend gebraucht.

Ein erstes Gespräch zeigt einen realistischen Blick auf die Tätigkeit einer Tagesmutter oder Kinderfrau auf. Illusionen sollen gar nicht erst entstehen. Je nach Raumangebot können in den eigenen vier Wänden maximal fünf Tageskinder gleichzeitig betreut werden.

Ein Kurs bei der Familien-Bildungsstätte dient der Orientierung für die werdenden Tageseltern. Besteht nach dieser „Probephase“ weiterhin der Wunsch, Kinder zu betreuen, folgt die Qualifizierung für die anspruchsvolle Aufgabe. Dadurch kommt man auf insgesamt 160 Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten Dauer, die sich über ein bis zwei Jahre verteilen können.

Wer sich für die Tätigkeit einer Tagesmutter oder eines Tagesvaters interessiert, kann sich beim Tageselternverein in der Turmstraße 3, Telefon 0 70 21/80 72 36-1 oder -2, informieren. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.tev-kreis-es.de/ unser-verein/ ansprechpartner/ kirchheim.html. ih