Lokale Kultur

Tanzender Wischmopp und sprechender Deoroller

KIRCHHEIM Ein volles Haus bescherte das Gastspiel von Helge Thun und Heiner Kondschak dem club bastion und garantierte Stimmung im Keller. "Der Schöne und das Biest" präsentierten das Beste

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USCHI NEROLADAKIS

aus ihren verschiedenen Programmen und der "tanzende Wischmopp" in Begleitung des "einzig sprechenden Deorollers der Welt" strapazierten die Lachmuskeln der Zuschauer bis aufs Äußerste.

Der schöne Helge Thun unterstellte dem reichlich ungekämmt wirkenden "Biest" Heiner Kondschak ein geradezu biblisches Alter, doch konterte dieser mit dem Hinweis auf Helge Thuns offensichtlich im Reagenzglas gezeugtes junges Leben und wollte ihn an diesem Abend aufgrund seiner noch nicht vollendeten musikalischen Früherziehung nur in einem Keller singen lassen, dessen Wände so dick waren, dass kein Ton nach außen dringen konnte. Somit war der Ort des Geschehens gut gewählt und der mehrfach preisgekrönte Zauberer Helge Thun durfte den Seiltrick mit entsprechender musikalischer Untermalung vorführen und im Laufe der Nummer konnte sein großväterlicher Freund mit einer Simultan-Übersetzung seine fast perfekten Französisch-Kenntnisse demonstrieren.

Obwohl dieser seit bereits zehn Jahren neben dem Zauberer agiert, gab er an, den Trick immer noch nicht verstehen zu können und auch den Zuschauern auf den "Workshop-Plätzen" blieb die Spitzen-Illusion erhalten, während sich Helge Thun auf die Reise in die Vergangenheit machte, als die drei Seile noch ungefähr gleich lang waren.

In pädagogisch besonders wertvoller Verpackung wurde aus dem Kinderprogramm die "Aufklärung mit Pfiff" vorgeführt, die der heiklen Frage nach der Herkunft der kleinen Babys nachging und tatkräftige Unterstützung aus dem Publikum sorgte mit etlichen Zaubertricks für die Ankunft der kleinen Früchtchen. Den klassischen "Kaninchen-aus-dem-Hut-Zaubertrick" wollte Helge Thun keinesfalls zeigen, stattdessen wurde mit entsprechender Klaviermusik der Waschbär Elvis aus seinem Versteck gelockt, der sofort zum Publikumsliebling wurde und mit seinen Aktionen für wahre Lachstürme sorgte.

Verblüffend war der Würfel-Trick, wobei sich das Würfelverschwindekästchen als Würfelvermehrungsmaschine entpuppte. Die beiden Künstler nutzten jede sich bietende Gelegenheit, ihre Wortspielereien und Kalauer anzubringen, die sie mit Sicherheit schon etliche hundert Male dargeboten hatten, aber aufgrund ihrer Professionalität und dem offensichtlichen Spaß, den sie selbst an ihrer Vorstellung hatten, wirkten "der Schöne" und "das Biest" schwungvoll und ansteckend fröhlich.

Sie beeindruckten auch durch zahllose Improvisationen, die treffsicher nicht nur das Publikum auf die Schippe nahmen. Der Zauberer wurde zum Konstruktor, der aus dem schlauchförmigen Luftballon einen Hund für Mascha aus der ersten Reihe knoten konnte, jedoch auch Schlange und Zitteraal im Repertoire hatte und der vermeintliche Anruf von Helges Mutter wurde zum Anlass munterer Wortgefechte.

Zum spektakulären Gewinnspiel "Gewinnen Sie mit Quizkas" wurde nach dem Motto "Ist die Katze schön rund, freut sich der Hund" der Zaubertrick mit der Dose zur zwerchfellerschütternden Gaudi zwischen den Künstlern und dem Publikum und Zuschauer Gerhard wurde schließlich mit dem Hauptgewinn bedacht: einer vollen Dose "ausgebrochen guter Sorte" Katzenfutter, von Heiner extra noch mit einem Papierschirmchen garniert.

Das gemeinsame Hobby "Gedichte schreiben" der beiden Multitalente offenbarte besondere Vierzeiler über Elefanten, Sommerreifen und Elstern, wobei die nach unten offene Grotten-Skala über vorhandene und nicht vorhandene Qualitäten entscheiden sollte und anschließende "standing ovations" als Mitmach-Theater dem munteren Treiben im Bastionskeller schließlich ein Ende setzten.