Kirchheim

Telemann: musikalischer Tausendsassa

Soiree Zum 250. Todestag des Komponisten widmet Bernhard Moosbauer Georg Philipp Telemann einen eigenen Abend.

Kirchheim. Georg Philipp Telemann ist nicht unbedingt der Erste, an den man denkt, wenn es um die bekanntesten Komponisten geht. Dabei war Telemann, vier Jahre älter als Bach, zu seiner Zeit viel bekannter als Bach. Einige interessante Schlaglichter auf den Komponisten und seine Zeit zu werfen - das verstand Bernhard Moosbauer an diesem Abend sehr gut. Als Musiker, der bei der Soiree nur Stücke für die Solovioline spielte, wie als kenntnisreicher Musikwissenschaftler, der in Biografie, Musik und Umfeld Telemanns einführte.

Geboren in einem protestantischen Pfarrhaus wollte seine Mutter Telemann typischerweise von dem „Hungerberuf“ Musiker abbringen, was ihr „glücklicherweise“ nicht gelang. Nach Leipzig und Frankfurt wurde Hamburg für 46 Jahre der Mittelpunkt seines Schaffens. Die weltoffene Hansestadt mit ihrer bürgerlichen Kultur war wie geschaffen für das Wirken eines neugierigen Zeitgenossen wie Telemann. Für den außerordentlichen Ruhm Telemanns in seiner Zeit trug bei, dass er von einem modernen „Unternehmergeist“ geprägt war: er gründete mehrere Orchester, war Wegbereiter des öffentlichen Konzerts und zugleich erfolgreicher Verleger. Telemann gilt als Schöpfer des „vermischten Stils“ und war als solcher Wegbereiter der Klassik. Geprägt hat den Musiker auch seine Begegnung mit polnischer Volksmusik, die in seiner Musik bleibende Spuren hinterließ.

Geniegeist drängt ihn ins Abseits

Moosbauer ging an dem Abend auf die interessante Rezeptionsgeschichte von Telemann und Bach ein: Mit Beginn der Klassik waren beide vergessen, aber die Wiederentdeckung Bachs setzte bereits 1829 mit Mendelssohn ein, während Telemann noch weitere 100 Jahre vergessen blieb. Einer der Gründe dafür ist sicher der Vorwurf der „Vielschreiberei“, die zu Oberflächlichkeit verleite: Durch das Aufkommen des Genie-Begriffs und die zunehmende Betonung der Individualität geriet Telemann ins Abseits. Die bei ihm spürbare Absicht der „Bildung durch Musik“ verführte dazu, seine Musik als Laienmusik abzuqualifizieren. Demgegenüber betonte Moosbauer, dass auch Telemanns Musik danach verlangt, „effektvoll und geistreich“ dargeboten zu werden. Technisch gekonnt und mit wacher agogischer und dynamischer Gestaltung vermochte Moosbauer selbst Telemanns Musik lebendig werden zu lassen. Martin Brost

Anzeige