Lokale Kultur

Theaterspaß zwischen Okzident und Orient

AICHTAL Schwarze Schafe, gute Hirten, böse Zauberer und ein pfiffiger Held: Die neue Spielzeit im Naturtheater Grötzingen (NTG) verspricht wieder einmal bunt und abwechslungsreich zu werden. Neben

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NICOLE MOHN

dem märchenhaften Abenteuer aus "Aladin und die Wunderlampe" erzählt die Amateurbühne in diesem Jahr in "Die Herde des Don Camillo" neue Geschichten vom streitbaren Gottesmann und seinem ewigen Widersacher Peppone. Der Countdown läuft: Am Wochenende feiern beide Stücke am Galgenberg in Grötzingen Premiere.

"Was spielen wir?" Das ist die wichtigste Entscheidung, die den Verantwortlichen jedes Jahr aufs Neue Kopfzerbrechen macht. Nach "Don Quijote" und dem Sommernachtstraum (2004) stand für das Erwachsenenstück aber schnell fest: Für 2006 soll's wieder etwas derber werden. "Zu platt soll's aber auch nicht sein. Man versucht da immer so etwas wie die Quadratur des Kreises", sagt Regisseurin Barbara Koch. Die Wahl fiel deshalb auf die Komödie "Die Herde des Don Camillo" von Gerold Theobalt, ein Stück mit "feinem Humor", sagt sie. Und ein Name, der das Publikum immer wieder lockt: Schon vor vier Jahren hatte sich das NTG mit "Don Camillo und Peppone" erfolgreich in Szene gesetzt. Das neue Stück ist aber kein Aufguss der alten Produktion: "Wir erzählen neue Geschichten über die zwei", betont Pressesprecherin Sandra Severin gestern bei einem Gespräch im Theater. Aber natürlich darf sich das Publikum auch dieses Mal wieder auf etliche Rangeleien und amüsante (Wort)gefechte zwischen den Hauptfiguren und ihren Anhängern freuen.

Auch bei der Besetzung macht die damalige wie heutige Regisseurin einen Schnitt. Nicht mehr dabei ist Werner Bez, der vor vier Jahren als Peppone glänzte: "Sein Umzug nach Heilbronn ist für uns ein großer Verlust", sagt Barbara Koch. Zugleich sei dies aber auch eine Chance für die anderen Darsteller. Wie zum Beispiel Alwin Wollschlaeger, seit über 20 Jahren Mitglied des Naturtheaters, der den ebenso streitbaren wie starrköpfigen Peppone, seines Zeichens Bürgermeister in Don Camillos kleiner Gemeinde und ein Kommunist, gibt.

In die Fußstapfen von Gerd-Peter Mainzer, der 2002 den Priester spielte, tritt Andreas Kleinknecht für langjährige Besucher des Naturtheaters längst kein Unbekannter mehr. "Er hat schnell seinen Stil für den Camillo gefunden", lobt Spielführerin Koch.

Wenn schon nicht auf der Bühne, so zumindest dahinter ist Mainzer in diesem Jahr tätig: Er führt Regie bei "Aladin und die Wunderlampe". Märchenhaft geht es zu: Dschinns, Zauberer und eine schöne Prinzessin, ein Palast, der aus dem Nichts auftaucht und ein fliegender Teppich versprechen Abenteuer und Spannung, an dem kleine wie jung gebliebene Zuschauer ihre Freude haben werden. Besonders farbenprächtig dabei sind die Kostüme. Zum großen Teil stammen die aus der theatereigenen Schneiderei von Helga Puth und ihrem Team wie immer liebevoll und dieses Mal orientalisch opulent gestaltet. Einen Teil der Kostüme hat sich die Grötzinger Bühne zudem bei den Kollegen in Reutlingen ausgeliehen. "Sonst wäre der Aufwand einfach zu groß gewesen", erklärt Sandra Severin. Denn viele der 35 Darsteller des Kinderstücks müssen sich zweimal umziehen, sind mal Marktvolk, mal Eunuch, mal arm, mal reich.

Für die Kulissenbauer um Günter Klock bedeuten die beiden Produktionen ebenfalls doppelte Arbeit. Mal Minarett und Halbmond, dann Gotteshaus und Jesukreuz allerhand Umbaumaßnahmen sind notwendig, um aus Don Camillos idyllischem Dörfchen in Italien eine Szenerie aus tausendundeiner Nacht zu machen. Hilfreich ist dabei die Drehbühne, die allerdings in diesem Jahr wohl zum letzten Mal im Einsatz sein wird: "Dann müssen wir uns wieder einmal was Neues einfallen lassen", sagt Barbara Koch.

Wie bei den Erwachsenen hat die Jugendspielschar ein strammes Probenprogramm hinter sich. An die 50 Mal probten die jungen Darsteller, dazu kamen Gesangsstunden, da die Musik beim Kinderstück wieder eine große Rolle spielt. Die wurde eigens für die Grötzinger Produktion überarbeitet. Anders als bei der Produktion für die Erwachsenen, die immer und leider mit wenig Erfolg auf der Suche nach neuen Mitspielern ist, kann der Regisseur bei den Nachwuchsschauspielern aus dem Vollen schöpfen. "Das ist eine eingeschworene Truppe, die hält zusammen wie Pech und Schwefel", sagt Mainzer. Wer hier mal mitgemacht hat, den lässt das Theaterfieber deshalb nicht so schnell los, weiß er. Bester Beweis dafür ist die eigene Familie: Michael Mainzer kehrt in der Rolle des bösen Zauberers ins Kinderstück zurück.

Ob Aladin oder Don Camillo: Schon vor den Premieren sind Karten für die neue Spielzeit gefragt, sagt Sandra Severin. Die Ferienlager-Vorstellung ist längst ausgebucht und nach anfänglich schleppender Nachfrage sind auch die Mittwochsvorstellungen und die neue Vormittagsvorführung des Kinderstückes für Kindergärten und Schulen bereits gut gebucht. Insgesamt werden Don Camillo und seine Herde bis zum 27. August 15 Vorstellungen geben. Aladin und seine Freunde stehen sogar 17 Mal auf der Bühne. Premiere für das Erwachsenenstück ist am Samstag, 17. Juni, 20.30 Uhr, im Theater am Galgenberg. Für die kleinen Darsteller von "Aladin" wird es am Sonntag, 18. Juni, um 15 Uhr ernst.

INFONähere Informationen und Kartenbestellungen unter www.naturtheater-groetzingen.de oder telefonisch unter 0 71 27/5 03 80.