Lokale Kultur

"Tote Buchstaben" leben wieder

FLORIAN STEGMAIER

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fremde Melodien, Atem- und Jahrerhythmen... Botschaften, die wir weder lesen noch verstehen können. Was uns bleibt ist Schrift, Spur, Zeichen", so Roswitha Eberspächer im Vorwort des Begleithefts zur aktuellen Ausstellung des Kirchheimer Kunstvereins "Schrift/Spur/Zeichen" im 1. Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus.

Die in Heilbronn geborene Künstlerin, die heute in Kirchheim lebt, war an der Stuttgarter Staatlichen Akademie der Bildenden Künste als Bibliothekarin tätig und verdankt ihre künstlerische Entwicklung neben zahlreichen Reisen an die Ursprünge alter Kulturen vor allem ihren Freunden und Lehrern, darunter Professor Heinrich Klumbies, Professor Karl Kämpf oder Dr. Amalie Dengler. Roswitha Eberspächer ist zudem Mitglied des Rüdesheimer Kreises.

"Es ist eine Ausstellung, die tiefer geht", stellte Laudator Ingo Möller fest. Er sprach bei seiner lebendigen Einführung in die Arbeiten von einer "Lebens-Spur", einer "Lebens-Schrift", die die Künstlerin in ihrem Tun verfolge und gefunden habe. Dem Aufsuchen der Künste in den Völkern der ganzen Erde, um Kraft aus den Ursprungsquellen zu schöpfen, entsprang, so Möller, der Versuch, das "geistige Wesen schöpferischen Werdens in der Abstraktion zum Ausdruck zu bringen".

Gerade in Roswitha Eberspächers "Schriftblätter" finde eine Wiederbelebung des nüchtern-abstrakten Wesens der Schrift statt. Der Referent wies darauf hin, dass die Künstlerin dabei ganz bewusst gegen ihre Gewohnheit schrieb etwa mit der linken Hand von rechts beginnend, oder in Spiegelschrift und somit dem "toten" Buchstaben wieder einen lebendigen, lebensfrohen, auch chaotischen Charakter gegeben habe. Diesen lebendigen Geist gefasst zu haben und ihn im Bilde Ausdruck verliehen zu haben, wertete Ingo Möller als künstlerisches Verdienst Roswitha Eberspächers, wobei der Referent dabei nicht allein die Schriftblätter im Auge hatte, sondern auch die zahlreichen Facetten der anderen Arbeiten einbezog, etwa die archetypische Auseinandersetzung mit dem Labyrinth oder der künstlerische Blick ins Reich der Verstorbenen und der Engel. Nicht zuletzt geben auch die Tagebuch-Zeichnungen ein reges Bild von den Schrift-Spuren und Zeichen, den Vorübungen zu den Bildern der letzten Jahre. Für eine hochkarätige musikalische Umrahmung sorgten die Flötisten Ingrid Gräbner und Martin Hermann.

Die Ausstellung "Schrift/Spur/Zeichen" ist noch bis Sonntag, 17. April, in der Galerie im Kornhaus zu sehen. Am Sonntag, 3. April, und am Donnerstag, 7. April, wird Roswitha Eberspächer jeweils von 14 bis 17 Uhr in der Galerie anwesend sein.