Lokale Kultur

"Totes Holz kann man nicht schnitzen"

WEILHEIM "Totes Holz kann man nicht schnitzen", postulierte einst Konfuzius. Im Gegenüber mit den Holzskulpturen von Manfred Adler hätte sich der antike Philosoph seine Äußerung vielleicht nochmals

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FLORIAN STEGMAIER

überlegt. Fasziniert nicht nur von in vollem Saft stehenden Bäumen, sondern auch vom toten Holz, von abgestorbenen Gerippen, die von Erosion oder menschlichem Zutun gefällt wurden und dem Verfall preisgegeben wurden, rückt Manfred Adler seinen meist nur mit großem körperlichem Einsatz und schwerem Gerät zu transportierenden Holzfundstücken mit Handsäge und Stechbeitel zu Leibe.

Als Künstler versteht sich der bescheidene Hepsisauer dabei nicht und das, obwohl die Arbeit an seinen Hölzern, die sich vor allem in den letzten drei Jahren sehr intensiv gestaltet hat, durchaus unverkennbare Merkmale künstlerischen Tuns aufweist. Da ist etwa der äußerst sensible, geradezu liebevolle Umgang mit dem Material.

Obschon Manfred Adler mit klarem gestalterischen Willen an das Holz herantritt, betrachtet er den Arbeitsprozess als eine Form von Dialog, in dem auch das Holz sich zu Wort melden und das weitere Vorgehen als ein autonomes Gegenüber mitbestimmen kann. Daher verzichtet er auch weitestgehend auf den Einsatz der Motorsäge, greift auch, wenn es unbequem ist, gern zur Handsäge, um eine engere Beziehung zum Holz zu gewinnen.

So stieß er etwa beim Aushöhlen einer Weide auf eine Schicht von überraschender Farbigkeit, die dann ganz bewusst weiter herausgearbeitet wurde und nun ihre volle, geradezu malerisch anmutende Qualität entfalten kann. So durchlaufen die Fundstücke eine durchaus künstlerisch zu nennende Transformation.

Stand am Anfang die morbid angehauchte Ästhetik des Verfalls, scheinen die Hölzer im Laufe des Arbeitsprozesses regelrecht an Leben zu gewinnen und stehen letzten Endes als zum Teil übermannshohe Gebilde archaisch und äußerst wesenhaft im Raum. Einige der Objekte überraschen mit einer überbordenden organischen Expressivität, andere wirken kontemplativ versunken und rätselhaft stumm, weitere fordern die Fantasie der Betrachter und wecken Assoziationen an Körperhaftes.

Für Manfred Adler hat jedes seiner Holzobjekte eine ganz eigene und individuelle Geschichte. Zu heimischen Gewächsen gesellen sich auch gewichtige Mitbringsel von Reisen: Mandelbaum aus der Provence, Olive aus Portugal, Wacholder aus Slowenien, aber auch Mangroven- und Jarrahholz aus dem australischen Outback, wo Manfred Adler ein ganzes Jahr auf eigene Faust zugebracht hat. Egal, ob man für Adlers Objekte das ohnehin überstrapazierte Etikett "Kunst" verwenden möchte oder nicht, neben den Werken selbst imponiert allemal die hinter seinem Tun stehende Haltung. Eine Haltung, die geprägt ist von Respekt gegenüber der Natur und Achtung vor vermeintlich wertlosem, toten Material.

Totgesagte leben bekanntlich länger im Fall von Manfred Adlers Holzobjekten ist das keine bloße Plattitüde, sondern ein überprüfbares Faktum.