Lokale Kultur

Trefflich auf die Feiertage eingestimmt

Die Kirchheimer Stadtkapelle zeigte beim Weihnachtskonzert ihr gesamtes Potenzial auf

Kirchheim. Ganz unter dem Stern der „Nussknacker-Suite“ stand das Weihnachtskonzert der Kirchheimer Stadtkapelle, das sich als krönender

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florian stegmaier

Abschluss eines an konzertanten Höhepunkten reichen Jahres erweisen sollte. Das gesamte künstlerische Potenzial aufzeigend, setzte die Stadtkapelle auch ihren Nachwuchs gewichtig und repräsentativ in Szene.

Die Jugendkapelle eröffnete unter Leitung von Harry D. Bath den Konzertreigen mit David Shaffers „Joyous Spirit“, dessen Titel den gesamten Abend in der Stadthalle als Motto durchzog. Das vor zwei Jahren uraufgeführte „Another Opening“ von Fritz Neuböck sprach mit seinem romantischen Mittelteil samt Altsaxofon-Solo an. Eine amerikanisch angehauchte Sicht aufs anstehende Fest brachte die kunstvoll gestrickte „Christmas Rhapsody“ von James Curnow, bevor die hochklassige Darbietung mit Kurt Gäbles „Winterrose“ zu Ende ging und den Hörern einen üppigen Griff in den Fundus traditioneller Weisen bescherte.

Reizvolle Abstecher ins Repertoire des Spirituals und des Blues unternahm das Vorstufenorchester mit „When the Saint go marching in“ und „Jus´ Plain Blues“. George Bizets „Farandole“ bot den Jüngsten der Stadtkapelle zudem willkommenen Anlass, einen stimmungsvollen tänzerischen Impetus zu entfachen. Das eher innerlich gehaltene, mit vertrauten Motiven versehene „O come Holy Night“ von Stephen Melillo bildete gemeinsam mit Johan de Meijs „Polnischer Weihnachtsmusik“ einen glänzenden Auftakt der zweiten Konzerthälfte.

Fünf polnische Weihnachtslieder hatte De Meij in seiner effekt- und anspruchsvollen Komposition inei­nander verwoben, sorgte so für eine beständige Durchdringung geistlicher und volkstümlicher Sphären. Für die Stadtkapelle eine überaus dankbare Gelegenheit, die differenzierte Vielfalt ihrer Register strahlen zu lassen. Wer sich nach solch gekonnt kredenzter Opulenz aus Ost und West nicht nur aufs Trefflichste für die Feiertage eingestimmt fühlte, sich gar ein wenig liedhaft eingelullt wähnte, dem blies Alfred Reeds „Sakura“ rasch die letzten Reste Zuckerwatte vom Gemüt.

Im zweiten Satz seiner fünften Sinfonie schafft Reed mit transparenter, kammermusikalisch anmutender Instrumentierung eine lyrische, authentisch nach innen gewandte Atmosphäre jenseits genrebildender Klischees. Ein Werk, das Harry D. Bath und seinen Musikern erlaubte, sich zur vollen sinfonischen Größe aufzuschwingen und als organisch wandlungsfähiger Klangkörper in Erscheinung zu treten, dessen Reichtum schließlich in der Welt der „Nussknacker-Suite“ zur Gänze aufblühen und kulminieren sollte.

Die Darbietung der Ballett-Suite ließ keine Wünsche offen: ein soldatisch-zackiger Marsch, die unwirkliche Traumgestalt der Zuckerfee als fragile Tänzerin, ein in energischer Präzision aufs Parkett gebrachter „Trepak“. Dazu beschwor die Stadtkapelle exotisches Kolorit, erging sich in zeittypischer Chinoiserie und orientalischem Glitzern. Duftig-blumig beschwingt kam zuletzt der „Valse des fleurs“ daher – eine bezaubernde Hommage Tschaikowskys an den Walzerkönig Johann Strauß.

In ihrer farbigen Fülle an Klangvaleurs begeisterte die Interpretation der Stadtkapelle zu Recht. Sie zeichnete sich durch ein treffsicheres Gespür für die musikalischen Miniaturen aus, deren individuelle Charaktere sie zu einem schillernden Tableau vereinte. Wenngleich die konzertante Aufführung sich selbst genügt, so verträgt die bildhaft-gestische Plastizität der Ballettszenen durchaus visuelle Erweiterung. Künstler der Diakonie Stetten hatten sich mit den einzelnen Sätzen der Nussknacker-Suite beschäftigt. Die Früchte dieser malerischen Auseinandersetzung waren als animierte Leinwandprojektion während des Konzerts zu sehen und im Foyer der Stadthalle als Originale zu bewundern.