Lokale Wirtschaft

Trotz anhaltender Wirtschaftsflaute Position gestärkt

Die Volksbank Kirchheim-Nürtingen konnte im vergangenen Jahr trotz anhaltender Wirtschaftsflaute sowohl bei den Krediten als auch bei den Kundeneinlagen zulegen. Sorgenkind Nummer eins bleibt die nach wie vor hohe Zahl an Insolvenzen.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM "Wir sind mit der Geschäftsentwicklung rundum zufrieden", ziehen der Voba-Vorstandsvorsitzende Ulrich Weiß und seine Vorstandskollegen Dieter Helber und Harald Kuhn eine erste, überaus positive Bilanz des abgelaufenen Jahren. "In einem wirtschaftlich unruhigen Jahr konnten wir uns gut behaupten." Vor allem bei den Kundenkrediten verzeichnet die genossenschaftliche Bank entgegen dem Trend ein ordentliches Plus. Während auf Verbandsebene die Kredite im Schnitt um 1,9 Prozent zurück gingen, meldet die Volksbank Kirchheim-Nürtingen eine Steigerung um 2,7 Prozent oder 23 Millionen Euro. Aber auch bei den Kundeneinlagen konnte der Abwärtstrend aus dem Jahr 2003 gestoppt werden. "Gefragt waren in erster Linie wieder die klassischen Bankprodukte", berichtet Dieter Helber und freut sich über einen Zuwachs bei den Einlagen in Höhe von voraussichtlich 17 Millionen Euro (plus 1,8 Prozent). Deutlich im Aufwind sind die Anlagen bei den Verbundpartner. Bei den Bausparverträgen und den Lebensversicherungen gab es deutliche Steigerungen, was letztlich zu einem Umsatzplus im Vermittlungsgeschäft von 30 Millionen Euro führte.

Der wesentliche Unsicherheitsposten und das Sorgenkind Nummer eins ist und bleibt der Risikoaufwand. "Die Insolvenzen machen uns schwer zu schaffen", sagt Harald Kuhn. "Bei fast 100 000 Insolvenzanmeldungen in der Bundesrepublik sind natürlich auch Kunden unserer Bank betroffen. Hierfür müssen wir Risikovorsorge treffen." Zwar registrierte die Volksbank im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang bei den Firmenpleiten, dafür aber eine Steigerung bei den Privatinsolvenzen.

Energisch setzt sich Ulrich Weiß gegen die pauschale Kritik, die Banken würden heutzutage vorschnell den Geldhahn zudrehen, zur Wehr. "Auf uns trifft dies mit Sicherheit nicht zu. Als Genossenschaftsbank haben wir einen besonderen Förderauftrag und begleiten unsere Kunden auch in schwierigen Zeiten", sagt der Vorstandsvorsitzende. Auch wenn heute gerade angesichts der vielen Insolvenzen bei der Kreditvergabe etwas kritischer nachgefragt werde, bleibe die Volksbank der verlässliche Partner für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region.

Beim Zinsüberschuss sowie den Personal- und Sachkosten liegt die Bank weitgehend im Plan, und Ulrich Weiß rechnet deshalb mit einem Betriebsergebnis, das wie angestrebt leicht über einem Prozent der Bilanzsumme liegt. Diese positive Entwicklung ist für ihn ein Erfolg "der sehr gut abgelaufenen Fusion" der beiden Banken: "Die Synergien wurden optimal genutzt." Auch die im September vollzogene Reduzierung des Vorstands auf drei Personen war bereits im Fusionsvertrag festgezurrt worden. Mit dem Ausscheiden von Peter Lächler übernahm Ulrich Weiß den Vorsitz im Vorstand. Er ist für die Bereiche Firmenkunden, Personal, Marketing und Finanzdienstleistungen zuständig. Dieter Helber, der sein Büro weiterhin in Kirchheim hat, betreut das Privatkundengeschäft. Auch die Geschäftsstellen, der mobile Vertrieb und das neue Kundenservice-Center gehören zu seinem Zuständigkeitsbereich, ebenso die Immobilienvermittlung und die Vermögensanlage. Für den gesamten inneren Bereich zeichnet Harald Kuhn verantwortlich. Dazu gehören Rechnungswesen, Controlling, Innenrevision, Marktfolge, das Electronic Banking und die Rechtsabteilung.

In Zukunft will die Volksbank ihr genossenschaftliches Profil weiter schärfen und damit die regionale Verankerung noch stärker betonen. Zum Ausdruck kam dies bereits bei der Vertreterwahl im Dezember. Die inzwischen gut 46 000 Mitglieder im vergangenen Jahr kamen über 900 hinzu hatten erstmals Gelegenheit, ihre Vertreter in einer ortsbezogenen Persönlichkeitswahl zu bestimmen. Dieses neue, demokratische Verfahren ersetzt die seitherige Listenwahl, bei der alle Mitglieder im gesamten Geschäftsgebiet nur die Möglichkeit hatten, einer einzigen Vorschlagsliste zuzustimmen oder sie abzulehnen.

Über 35 000 Mitglieder machten in den vergangenen Wochen von der neuen Persönlichkeitswahl Gebrauch. Das Ergebnis wird Mitte Januar vom Wahlausschuss offiziell festgestellt und dann in allen Filialen ausgelegt. Ulrich Weiß möchte mit dieser neuen Form der Vertreterwahl die Mitglieder noch enger mit "ihrer" Bank verbinden: "Die Mitglieder sollen ihre Vertreter kennen, um dadurch Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen zu können."

Überhaupt will die Volksbank Kirchheim-Nürtingen die "Mitgliedschaft als zentrales Merkmal einer Genossenschaftsbank" noch stärker betonen. Im Herbst startet deshalb ein "Mehrwert-Programm" für Mitglieder. Firmenkunden, so die Idee, gewähren den Volksbank-Mitgliedern Vorteile in Form von Zusatzleistungen. Profitieren sollen beide Seiten, betont Weiß, "schließlich kommt die Kaufkraft der heimischen Wirtschaft zugute."

Großes Augenmerk möchte die Volksbank auch in diesem Jahr wieder auf die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter legen. Die Zahl der Beschäftigten ging im vergangenen Jahr von 447 auf 437 zurück. Der Abbau erfolgte größtenteils durch Fluktuation. 27 junge Frauen und Männer absolvieren derzeit eine Ausbildung bei der genossenschaftlichen Bank. Bereits seit einiger Zeit gehört für die Volksbank-Azubis das "Lernen in fremden Lebenswelten" zum Ausbildungsprogramm. Ein halbes Jahr lang arbeiten sie an einem Nachmittag pro Woche in einer sozialen Einrichtung. Inzwischen wurde das Projekt auf die Führungskräfte der Bank ausgedehnt. Eine Woche lernten drei Bankmanager den Lebens- und Arbeitsalltag von behinderten, alten und kranken Menschen kennen. Die Erfahrungen sind durchweg positiv, weshalb 2005 der Austausch als Ergänzung zu den vielfältigen fachlichen Weiterbildungsangeboten fortgesetzt wird. Weiß: "Durch die praktischen Erfahrungen in einer sozialen Einrichtung erhalten die Führungskräfte neue Impulse für ihre Arbeit und ihren Alltag."