Lokale Kultur

„Tyroler“ erneut auf dem „roten Teppich“

Filmfamilie Frech gewann zum vierten Mal in Serie einen Preis für ein herausragendes Kinoprogramm

Kirchheim. Schon zum elften Mal verlieh die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) zahlreiche Preise für ein herausragendes Filmprogramm an mittel

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Monika Riemer

ständische gewerbliche Kinobetreiber. Die Kirchheimer Kinofamilie Frech zählte dabei mit dem „Tyroler Kino“ schon zum vierten Mal in Folge zu den Preisträgern dieser begehrten Auszeichnung.

Was von offizieller Stelle schon mehrfach für Lob und Anerkennung sorgt, begeistert die Töchter von Ulrike Eberhard nicht immer. Lange Gesichter gab es beispielsweise, als an der Stelle, an der sonst der DVD-Player seinen Platz hat, ein Loch gähnte. „Eigentlich wollten sich die Mädels ein aufgezeichnetes Fußballspiel anschauen, doch das Abspielgerät stand im Kino“, erklärt Ulrike Frech. Diese Situation ist typisch für die Familie Frech: das Kino gehört sozusagen zur Familie und hatte diesmal einfach Vorrang.

Da Kinofilme heutzutage nicht mehr nur auf den altbekannten Filmrollen ins Kino kommen, bedarf es eben auch neuer Technik. Da die Frechs damals noch keinen Kinoserver hatten, musste in diesem Fall der familieneigene DVD-Spieler aushelfen. Bei einem kleinen Kinobetrieb ist es eben nicht immer möglich, sich sofort auf Neuerungen einzustellen. Vor allem wenn das Kino noch neben regulärer Erwerbsarbeit und Familienleben laufen muss.

Umso bemerkenswerter ist, dass es den Frechs erneut gelungen ist, ein anspruchsvolles Filmprogramm zusammenzustellen, statt lediglich auf seichte Kassenmagneten zu setzen. Das würdigten der baden-württembergische Minister für Medien, Professor Dr. Wolfgang Reinhart, und Gabriele Röthemeyer, Geschäftsführerin der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg bei der Preisverleihung. Sie belohnten das eindrucksvolle Engagement gewerblicher, mittelständischer Kinobetreiber mit 52 Urkunden und Prämien in Höhe von insgesamt 171 000 Euro. Den Spitzenpreis von 15 000 Euro erhielten die Mannheimer Atlantis-Filmtheaterbetriebe mit ihren zwei Häusern „Atlantis“ und „Odeon“.

Ulrike, Eberhard und Wolfgang Frech bekommen ihren Preis für ein besonderes Jahresfilmprogramm in den „Tyroler Lichtspielen“. Die damit verbundene Prämie müssen die Frechs in ihr Kino stecken. Die Prämie vom letzten Jahr investierten sie in die Renovierung des Foyers. Die neue Prämie kommt einer Verbesserung des „Betriebsklimas“ zugute: eine neue Lüftungsanlage steht schließlich schon lange auf der Wunschliste.

Das Kinojahr 2007, für das die Auszeichnung gilt, war kein besonders gutes. Da Filme wie „Piraten der Karibik 3“ die großen Multiplex-Kinos auch nur kurze Zeit zu füllen vermochten, weichen diese immer mehr auf die sogenannten Arthaus-Filme aus. Das sind oft europäische Produktionen mit anspruchsvollem Inhalt und kleinem Budget.

Meist behandeln sie sperrige oder unpopuläre Themen oder sie sind einfach nur schräg. Genau diese Filme sind es, die ein bestimmtes Pub­likum nach wie vor ans Kino binden. Das nutzen eben nun auch die Großen. Die leiden besonders darunter, dass es zwar Mode ist, sich beim Public Viewing gemeinsam in der Kneipe oder auf großen Plätzen Fußballspiele anzuschauen, der Filmgenuss dagegen immer mehr auf der heimischen Couch stattfindet – zu allem Überfluss oft genug auch noch mit illegal aus dem Internet kopierten Filmen.

Schlechte Zeiten für die Kinomacher also? Minister Reinhart zitiert hierzu einen amerikanischen Wissenschaftler: „Man geht ins Kino, um mit 200 anderen Menschen zu lachen und zu weinen.“

Selbstverständlich ist es nicht die Einrichtung, die Leute ins Kino lockt. Die Frechs punkten vor allem mit ungewöhnlichen Filmen aus aller Herren Länder, Filmen in Originalfassung mit und ohne Untertitel, eben solche, die im Fernsehen nicht oder nur zu später Stunde zu sehen sind. Dabei arbeiten sie mit der Volkshochschule und dem club bastion ebenso zusammen wie mit amnesty international oder dem City Ring.

Die für die Filmauswahl verantwortliche Ulrike Frech wünscht sich, dass auch die Kirchheimer Schulen künftig mehr auf sie zukommen. „Originalfassungen oder auch Filme, die zu geschichtlichen oder aktuellen Themen passen, können die Lehrer geschickt in den Unterricht integrieren. Da sind wir für alles offen“, sagt sie.

Reich werden Kino-Ethusiasten mit ihrer Leidenschaft nicht. So ist dann laut Minister Reinhart die Auszeichnung nicht nur eine moralische Anerkennung, sondern auch ein finanzieller Ausgleich für wirtschaftliche Nachteile. An die Preisträger gewandt sagte er: „Der Dank für Ihren Einsatz ist die schärfste Form der Bitte, so weiter zu machen.“

Familie Frech hat sich dies für das nächste Jahr bereits zu Herzen genommen. So dürfen sich die Kirchheimer Filmfreunde wieder auf einiges freuen: im März gibt es Filme und eine Kunstausstellung im Rahmen der Frauenkulturtage zum Thema „Migration“. Originalfassungen soll es künftig auch nicht mehr „nur“ auf Englisch und Französisch, sondern auch auf Italienisch und Spanisch geben. Das Erfrischungssortiment im Tyroler wird durch eine fair gehandelte Cola ergänzt und im kommenden Sommer gibt es auch einen Filmplakate-Flohmarkt.