Lokale Kultur

Über gelungene "Umwege" zum guten alten Weihnachtslied

DETTINGEN Mit einem abwechslungsreichen, intelligent gestalteten Programm lud das Symphonische Orchester der Musik-

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FLORIAN STEGMAIER

schule Kirchheim zu einem Serenadenkonzert ins Dettinger Gemeindehaus im Pfarrgarten.

Einen stimmungsvollen, sich in effektvollen, pseudo-barocken Gesten ergehenden Auftakt machte "Palladio" von Karl Jenkins. Eine Komposition, die, wie Orchesterleiter Johannes Stortz kurzweilig erklärte, als Werbemusik entstand und die begüterte Zielgruppe konzeptgemäß vor venezianischer Kulisse zum Kauf von Juwelen animieren sollte.

Wenn auch nicht venezianisches, so doch immerhin "echtes" Barock gab es mit Georg Philipp Telemanns G-Dur-Konzert für Viola, Streicher und Basso continuo zu hören, bei dem Johannes Rolfs sein beachtliches solistische Können unter Beweis stellen konnte. Bedenkt man, dass dieses Konzert seinerzeit als Virtuosenliteratur galt, machte der noch recht junge Künstler eine äußerst gute Figur, zumal Johannes Stortz in den schnellen Sätzen keinen Schongang einlegte, vielmehr zügige, dem Esprit des Werks angemessene Tempi verlangte. Kein Wunder, dass die begeisterten Hörer das finale Presto spontan als Wiederholung einforderten, sodass Johannes Rolfs seinem Auditorium mit Bravour einen schwungvoll-virtuosen Nachklapp kredenzen konnte.

Viel amerikanische Musik hatten Johannes Stortz und seine Musiker im Gepäck. Samuel Barbers berühmtes "Adagio für Strings" eine konzentrierte, elegische Klangwelt kontrastierte mit "Hoe Down" aus der Feder von Aaron Copland, dessen tückische Pizzikato-Synkopen vom Orchester mit der nötigen Präzision behandelt wurden.

Ein reizvolles Kuriosum stellt Ervin T. Rouses "Orange Blossom Special" dar wie Jenkins "Palladio" Auftragsmusik für Begüterte, diesmal jedoch für exklusives Reisepublikum einer Luxuszuglinie, die einst zwischen New York und Miami verkehrte.

Mit musikalischen Mitteln wollte Rouse den mondänen Reisenden den "Wilden" Westen nahe bringen, bediente sich dazu diverser Klischees exzessives Präriegefiedel und ostinates Galopp-Geklapper , aus denen er als geschickter Komponist und Arrangeur ein Stück schuf, das auch rund siebzig Jahre nach seiner Entstehung immer noch für Hör- und Spielfreude sorgt.

Ein zweifellos populäres Werk, das man jedoch immer wieder gern hört, ist Johannes Brahms fünfter Ungarischer Tanz. Mit Verstärkung der Blechbläser konnte sich nun der Klangkörper zur vollen symphonischen Größe aufschwingen und bescherte seinem Publikum eine mitreißende, von großem Elan getragene Darbietung.

Nach der anfänglichen Werbemusik, der mittig eingeschobenen Western-Reisebeschallung erfolgte zum Abschluss ein Abstecher in die Welt der Filmmusik. Mit Highlights aus der Musik zu "Fluch der Karibik 2", großer Leinwanderfolg der jüngeren Zeit, machte des Orchester der Musikschule deutlich, über welche Vielfalt des musikalischen Ausdrucks es verfügt und mit welcher Souveränität es unterschiedlichste Stimmungen nuanciert mit reicher Klangfarbenpalette auszuleuchten weiß.

Die Zugabe Reverenz an das bevorstehende Fest , das Weihnachtslied "Es ist ein Ros entsprungen", bildete den Abschluss eines ungewöhnlich vielfältigen Konzertabends, der wohl keine Wünsche offen ließ.