Lokale Kultur

Überschaubar, aber mit großer Bandbreite

Regionales Filmfestival in Dettingen als erste Wettbewerbsstufe

Dettingen. Draußen strahlender Sonnenschein, drinnen verdunkelte Fenster. So sieht er aus, der ganz normale Wahnsinn, der sich Filmfestival nennt. Am vergangenen

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Barbara Ibsch

Sonntag hat diese Kombination erneut gegriffen: Die Sonne schien über dem Dettinger Ortsteil Guckenrain, und im Clubraum der katholischen Kirche wurden die Rollos he­runtergezogen. Regionales Filmfest war angesagt.

Mit acht zu diesem Wettbewerb an den Start gegangenen Produktionen war die Anzahl der Filme zwar überschaubar, die Bandbreite der Themen ließ aber nichts zu wünschen übrig. Reise, Lokales, Natur, Dokumentation, Sport, Familie – fast die ganze Welt des Filmens auf einen Blick.

Zusammengerückt sind für dieses Festival auch die beiden Regionen Alb-Filder-Schwarzwald und Staufen, die gemeinsam den Wettbewerb des Landesverbandes Baden-Württemberg im Bund Deutscher Filmautoren (BDFA) absolvierten. Die Autoren kamen von den Filmclubs Reutlingen, Esslingen, Schorndorf, Waiblingen und Hohenlohe. Ausrichter war der Filmclub Teck (FCT), dessen Mitglieder sich diesmal ausschließlich auf die Rolle des Gastgebers konzent­riert und keine Filme gemeldet hatten. FCT-Vorsitzender Helmut Kohlhammer durfte sich über ein volles Haus freuen. Auf Filmer ist eben Verlass: Sie schauen sich auch bei schönem Wetter neue Produktionen an.

Das musste natürlich auch die Jury tun, zu der unter der Leitung von Lutz Schulze aus Weilheim Ewa Horke aus Bietigheim-Bissingen, Ingo Döring aus Reutlingen, Manfred Hirt aus Altbach und Jürgen Reiling aus Freiberg gehörten. Dass sie es mit insgesamt nur acht Filmen zu tun hatten, förderte die Diskussionsfreude, und das wiederum ist gut für die Autoren. Für sie besteht nämlich nur nach dem Regionalwettbewerb die Möglichkeit, an ihren Filmen etwas zu ändern, eine konstruktive Kritik also bis zum Landeswettbewerb umzusetzen. Sollte der Film dann zur Bundesebene weitergemeldet werden, ist man ausschließlich in Jurys Hand und bekommt im schlimmsten Fall die längst erkannten, aber nicht mehr zu behebenden Fehler erneut vorgehalten.

Doch so weit ist es ja noch nicht. Es darf noch daran gearbeitet werden. Anregungen dazu gab die Jury reichlich. Sie bewertete aber auch und schickte niemanden nur mit einer Urkunde nach Hause. Jeweils ein erster Preis ging nach Reutlingen und Schwäbisch Hall: Werner Henne, für kurze Filme bekannt, packte perfekt „Vom laufenden Band“ den Zusammenbau einer kleinen Drehorgel in eine Laufzeit von sechs Minuten. Frank Lauter war noch schneller unterwegs und zeigte innerhalb einer Minute „Moderne Kommunikation“, über die man schmunzeln konnte, aber auch nachdenken sollte, könnte doch beim Chatten Menschliches auf der Strecke bleiben.

Viermal einen zweiten Preis gab es für Filme mit einem breiten Spek­trum. Aus Vietnam hatte Peter Kieffer vom Filmamateur-Club Esslingen (FACE) ein „Fernöstliches Kaleidoskop“ mitgebracht. „Unkraut oder Segen?“ hat Wolfgang Schnabel vom FC Schorndorf seine Betrachtungen im Lebensraum Schilf überschrieben. „Ein Spiel voller Faszination“ ist für Dr. Fritz Dannenmann vom Reutlinger Film-Club (rfc) Volleyball, und die Spielregeln dabei hat er lehrfilmhaft dargestellt. Mit dem Titel „HS – 380 ist hin“ ließ Udo Seibert (FACE) der Fantasie zunächst freien Lauf, klärte dann aber auf: Ein Baukran war umgestürzt – Albtraum des Bauträgers und der Nachbarschaft. Bleiben noch die beiden dritten Preise. Frank Lauter bekam einen davon für „typisch Deutsch“, ein Film über die Sammelleidenschaft des gleichnamigen Besitzers origineller Kunstautomaten. Die „Letzte Bratwurst vor Amerika“ wartete auf Wolfgang Wergowski vom FC Waiblingen auf einer Reise durch Portugal, und auch dafür gab es einen dritten Rang.

Großzügig zeigte sich die Jury hinsichtlich der Weitermeldungen zum nächsten Landeswettbewerb. Von den acht gezeigten Filmen werden sieben bei der 30. Videografika in Freiberg am Neckar zu sehen sein. Dort steigt am 15. und 16. November der Herbst-Landeswettbewerb nichtkommerzieller Filmautoren.