Lokale Kultur

„Unbekannt aus Funk und Fernsehen“

Helge Thun sorgte zum 150-jährigen Bestehen der Volksbank Kirchheim-Nürtingen für beste Unterhaltung

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Kirchheim. Angeblich „Unbekannt aus Funk und Fernsehen“ konnte sich der Kabarettist, Entertainer und Zauberkünstler Helge Thun in der

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WOLF-DIETER TRUPPAT

Kirchheimer Stadthalle bei seinem jüngsten Auftritt relativ entspannt darüber freuen, dass er einmal mehr vor vollen Rängen spielen durfte. Er hatte sich für diesen ganz besonderen Abend nicht nur entsprechend herausgeputzt, sondern kam mit smartem Anzug und passend unaufgeregter Krawatte tatsächlich wie ein klassischer „Volks-Banker“ daher. Dem wichtigen Anlass entsprechend präsentierte er sich in absoluter Höchstform. Das war er dem Veranstalter schuldig, denn 150 Jahre Volksbank sind schließlich auch für einen Kabarettisten ein durchaus ernst zu nehmendes Thema, bei dem sich unseriöse Taschenspielertricks schon im Vorfeld klar verbieten – oder vielleicht auch nicht . . .

1 863 von insgesamt 34 Mitgliedern als Handwerkerbank gegründet, zählt die Volksbank Kirchheim-Nürtingen inzwischen mehr als 51 000 Mitglieder, stellte der Vorstandsvorsitzende Harald Kuhn zufrieden fest. Inzwischen betreut die Volksbank Kirchheim-Nürtingen 105 000 Kunden und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Dass die unterschiedlichen Veranstaltungen im Rahmen der Feierlichkeiten des 150-jährigen Bestehens auf große Resonanz stießen, freute Harald Kuhn ganz besonders. Nach einer sehr ernsthaften Veranstaltung mit dem Wirtschaftsweisen Professor Dr. Peter Bofinger und der Auseinandersetzung mit dem Thema „Zukunft des Euro“ konnte er nun auch zu einem heiteren und unbeschwerten Abend mit Helge Thun einladen.

Mit seinem äußeren Erscheinungsbild optimal positioniert, ließ sich der fingerfertige Zauberer und routinierte Kabarett-Profi nicht aus dem Konzept bringen, als der Vorstandsvorsitzende Harald Kuhn auch im Namen seines Kollegen Wolfgang Mauch gleich zu Beginn pointensicher behauptete, dass keine aberwitzigen Risiken eingehende Banker „nicht langweilig sondern sexy“ seien. Mit so einer Vorlage muss man auch als Profi erst einmal klarkommen.

Von seinen regelmäßigen Liveauftritten in Tübingen ist Helge Thun aber Spontanität gewohnt und konnte sich daher auch in feinem Zwirn in der voll besetzten Kirchheimer Stadthalle von seiner besten Seite präsentieren. Trotz seiner privilegierten Geburt als absoluter Hochsprachler ist der inzwischen längst im Schwabenland integrierte Helge Thun es durchaus gewohnt, sich mit den dialektalen Besonderheiten dieses semantischen Ausnahmezustandes auseinandersetzen zu müssen.

Nicht verstehen kann der inzwischen längst assimilierte Zuwanderer, dass der allgegenwärtige Zauber der Sprache schwäbische Speisekarten bislang noch nicht erreicht hat. Was als „Ravioli“ vielversprechende Assoziationen weckt, werde hierzulande großformatig aber bieder als „Maultasche“ bezeichnet, was eher an Oberlippenakne denken lasse als an kulinarische Köstlichkeiten.

Recht geben muss man Helge Thun sicherlich, wenn er behauptet, dass „Filet Mignon“ deutlich besser klingt, als „Rostbraten“, was schriftlich immer noch weit von der deutlich problematischeren schwäbisch ausgesprochenen Variante entfernt ist.

Dass Tausendsassa Helge Thun es brillant versteht, nicht nur mit verblüffenden Zaubertricks zu überzeugen, sondern es immer wieder schafft, unsinnige Wortvorgaben in einem Gedicht unterzubringen, ist hinlänglich bekannt. Seiner aus den Begriffen „Genitiv“ und „Dativ“ formulierten Erkenntnis „Geh nie tief ins Wasser, denn es könnte da tief sein“ kann eigentlich nicht begründet widersprochen werden.

In seinem zum Geburtstagsauftritt virtuos zusammengerührten „Best off“ wagte sich Helge Thun dann zuletzt auch noch in einen Erotikblock, in dem die Unterhose als verlässliches Frühwarnsystem gefeiert wurde. Nach Witzeleien über Boss, Bruno Banani und Calvin Klein, wurde dann aber abschließend verlässlich versichert, dass der Weg zum Buffet jetzt freigemacht werde.