Lokale Kultur

"Und die Musik des Festes klingt noch immer"

LENNINGEN Kaum ist das lange Wintermärchen ist zu Ende. Schon erwacht in kühler vorösterlicher Zeit ein Sommernachtstraum: Instrumentalisten, Sängerinnen und Tänzerinnen der Musikschule Lenningen holen mit den musikalischen

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ERIKA HILLEGAART

Szenen aus "The Fairy Queen" von Henry Purcell ein sommernächtliches Gaukelspiel um Liebe, Feenzauber und Maskerade in die altehrwürdige Sankt-Martins-Kirche Oberlenningen. Die romanische Säulenbasilika wird zur "Arkadien der Fantasie".

Dort ziehen die Akteure mit Fanfarenklang ein. Hell glänzt die Trompeten-Intrade. Traugott Bertsch lässt die Töne blitzen und lädt ein, die Geschichte zu hören von Oberon und Titania, die über Elfen und Faune herrschen. Die Regenten über den Wald und seine Geister sind in Streit geraten. Oberon träufelt den Saft einer Zauberblume in Titanias Augen. Und die Feenkönigin "vergafft" sich in einen eselköpfigen armen Poeten. Ein tolles Verwandlungsspiel der Naturgeister beginnt. Bei Sonnenaufgang jedoch löst sich der Spuk, der Zauberwald wird zum Garten. Dort feiern alle ein Versöhnungs- und Geburtstagfest.

In dieser Verwandlungskomödie nach Shakespeares "Sommernachtstraum" wohnen Menschliches und Tierisches eng beieinander. Die Sinnbilder von Seelenregungen und Gefühlen spiegeln sich in jener fantastischen Welt wider. Es ist ein allegorisches Spiel der Einbildung seltsam und doch wundervoll, ein Spiel vielfältiger Möglichkeiten und ein Spektakulum der Einfältigen.

Gerlinde Korell, Leiterin des Erwachsenen-Musizierkreises, hat die Initialzündung für diese Aufführung gegeben und die organisatorischen Fäden gebündelt. Sie ist Henry Purcell, dem englischen Komponisten der Barockzeit, immer wieder besonders zugetan. Seit der erfolgreichen Aufführung von Purcells "King Arthur" vor drei Jahren durch den Musizierkreis ist die Liebe zu seiner Musik wach geblieben. "Sie ist ewig jung, in ihr ertönt Uraltes und deutet sich Zukünftiges an", beschreiben Engländer die so frisch klingenden Kompositionen. "The Fairy Queen" die Feenkönigin gilt als eine der schönsten Semi-Opern des "Orpheus Britannicus".

Purcells Schauspielmusik ermöglicht auch Laien ein Übungsfeld für klares und dynamisches Musizieren. Die vierstimmigen Vor- und Zwischenspiele, Aufzüge und Tänze mit ihrer übersichtlichen Struktur gelingen dem stattlichen Blockflötenensemble. Musizierelan glättet kleine dynamische und rhythmische Schwankungen. Ein Streichquintett und Rhythmusinstrumente ergänzen das orchestrale Musizieren. Sanfter Gemshörnerklang begleitet manchmal die nächtlichen Irrungen und Wirrungen. Wechselnde Instrumentierungen machen Klangblöcke luftiger, sorgen für belebende Farben, Stimmungen und Lautmalerei: "Horch, wie immer wieder die gar kleinen Flöten-Vögelchen sich in die Höhe schwingen über den Bass- und Tenorgrund, über die Altstimmen und wie sie mit der Hochstimmung der Feenkönigin wetteifern!"

Der Erzähler Bernd Löffler lässt Trolle, Zwerge, Puck und Poet, Feen und Faune im Mondlicht auftreten. Er liest mit sonorer Stimme die idyllischen deutschen Reime. Sie sind den Versen eines unbekannten Zeitgenossen von Purcell nachgedichtet, der wiederum aus Shakespeares "Sommernachtstraum" den Erzählstrang von der Elfenkönigin herausgelöst hat. Den hintergründig wortwitzigen Originaltext lohnt allemal zu lesen: "Schlag nach bei Shakespeare!".

Die Sopranistin Martina Hanßum lässt das Geheimnis dieser Mittsommernacht strahlend aufblühen. Zusammen mit der Mezzosopranistin Sissilia Stiegelmaier und der Altistin Lucia Metzger singt sie von der Freude an den Jahreszeiten. Wohltönend loben die Sängerinnen die Natur und setzen Lichterglanz an den musikalischen Nachthimmel. Hildegund Ljoschaj und Silke Schmid begleiten am Klavier und mit dem Cello souverän diese Gesänge.

Ansehen und Gestalt bekommen die Nachtgespinste durch Purcells Country Dances. Sechs Tänzerinnen verleihen dem fantastischen Spiel Elan und Eleganz. Was für prächtige Empirekleider aus elfenzarten Stoffen hat sich Tina Kulhaneks Truppe "Dantz und Hupfauf" genäht!" Die flügellosen Elfen schwingen, drehen, wirbeln, umgarnen die Verliebten. Sie zelebrieren höfische Galanterie vergangener Zeiten, sie tanzen ländliche Reigen und Tina mimt verträumt den eselköpfigen Poeten. Immer wieder gibt es Szenenbeifall, frei nach Shakespeare "weil es euch gefällt". Es ist eine Lust und Augenweide! Alles ist Spiel, Spuk, Tollerei, bis Auroras Herold den Tag ankündigt. Ende gut alles gut. Oberon feiert Versöhnung und seinen Geburtstag. Er ruft: "Und die Musik klingt noch immer." Zum Geburtstag der späteren Königin Anne habe Purcell 1692 diese Semi-Oper geschrieben. Heuer feiert nun die Musikschule Lenningen ihr 30-jähriges Bestehen. Ein gelungener Auftakt. Warmer Beifallregen rauscht schlussendlich in das Fest. Die Musikschulfreunde und die vielen auswärtigen Gäste danken den Akteuren, die ihre Haupt- und Nebenrollen gut aufgelegt und engagiert gespielt haben. Sie freuen sich über die Spenden, die dem Jugendorchester der Musikschule zugute kommen.

Geburtstagsjubel auch beim Musizierkreis. Seit 25 Jahren sind seine Mitglieder der Musikschule und sich selbst treu geblieben. Mit dem grazioso gespielten Lied "Here is the summer" als Dreingabe haben die Musizierenden den Sommer eingeladen, nach dem Frühlingserwachen bald ins Tal einzuziehen.