Lokale Kultur

Unmittelbare Direktheit

KIRCHHEIM Malerei und Zeichnung von Michael Starz sind derzeit im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus in Kirchheim zu sehen. Überblickt

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FLORIAN STEGMAIER

man sein künstlerisches Werk es ist durch mehrere Kataloge dokumentiert, die bis in die Zeit des dreijährigen, vom Landkreis Esslingen verliehen, Atelierstipendiums zurückreichen und somit bald eine Dekade umfassen , so fällt auf, dass sich sein Schaffen nicht in sprunghafter, diskontinuierlicher Weise entwickelt hat, es entsteht vielmehr der Eindruck eines kontinuierlichen, organischen Fortschreitens.

Eine Kontinuität, die jedoch stets lebendig, bewegt und offen für Neues bleibt. Abseits von fiktiven, von außen aufgesetzten Konzepten steht für Michael Starz eine unmittelbare Direktheit des Entstehungsprozesses und damit ein unbedingter Anspruch an Authentizität im Mittelpunkt seines künstlerischen Tuns. Diese sichtbare und erlebbare Authentizität vermeidet es jedoch, sich auf ganz direkte und persönliche Weise zu zeigen.

Seine Bilder entziehen sich sogar ganz bewusst einer allzu lesbaren Herausstellung ihrer Inhalte. Eindeutigkeiten werden aufgebrochen, deformiert, gesprengt. Dieses Vorgehen führt zur Verschlüsselung des ursprünglichen, privat motivierten Impulses und eröffnet damit dem Betrachter neue und individuelle Ansätze, selbst auf die Werke zuzugehen.

Eine charakteristische Entwicklung, die sich im Schaffen von Starz gerade in den letzten Jahren Bahn gebrochen hat, ist seine zunehmend ikonenhaft geprägte Bildauffassung. Das Motiv wird zentrierter gesetzt, auf Kompositionsmittel wie Anschnitte oder Bilddurchspannungen dagegen zunehmend verzichtet.

Michael Starz begibt sich in seinen Arbeiten auf die Suche nach Zeichenhaftem, nach Urformen und Archetypen, letztlich auf eine künstlerische Suche nach Essenz. "Es geht mir immer mehr um ursprünglich Zeichenhaftes, geronnene Gestik, leiblich-menschliche Spur", so der Künstler.

Eine dieser Ur-Formen, die in der aktuellen Ausstellung vor allem in den Zeichnungen entgegentritt, ist die Doppel- oder Paarform. Gerade anhand dieses Form-Archetyps wird deutlich, welch hohe Bedeutung dem Prinzip der Dialektik zukommt. Die Doppelformen stehen sich in oftmals konflikthafter Annäherung geradezu antithetisch gegenüber, vereinen sich aber auch zu einem organischen Ganzen. Ein dialektischer Dreischritt, der den Betrachter pendeln lässt zwischen Dramatik und Harmonie, zwischen Spannung und Gelöstheit.

Zudem kommt dem zeichnerischen Werk, das oft in Serien oder Blöcke gefasst ist, die Bedeutung zu, wesentliche Stationen des vielschichtigen, übereinandergelagerten Malvorgangs der Ölbilder im Grafischen seriell aufzufächern. Durch die auf Wesentliches reduzierte Hängung können die Zeichnungen als Kontrapunkt zur Malerei erlebt werden, oder um die Formulierung eines Vernissagebesuchers aufzugreifen , als "Fußnoten", in denen Essentielles enthalten ist.

In seinen allerjüngsten Malereien hat die Auseinandersetzung mit Qualitäten von Licht, mit dem Element des Durchscheinens großes Gewicht bekommen. Diese Arbeiten zeichnen sich nicht nur durch ihre teils "freundlichere" Farbigkeit und betontere Leuchtkraft aus, sie bestechen auch durch ihre große Tiefe, mit denen Starz die zweidimensionale Begrenzung des Genres der Ölmalerei aufzuheben scheint.

Die Arbeiten sind noch bis zum 16. Januar in der Städtischen Galerie zu sehen. Gelegenheit zum inhaltlichen Austausch soll das Künstlergespräch mit Michael Starz am Sonntag, 9. Januar, um 11 Uhr bieten.